Sagan, Stadt in Niederschlesien, Standort eines Stammlagers der Luftwaffe (Stalag Luft III), das mit etwa 1,500 Gefangenen Luftwaffenoffizieren verschiedener Nationen belegt war. Seit 1943 nahmen die Fluchtversuche in S. zu; trotz verschärfter Sicherheitsmaßnahmen gelang schließl. eine Massenflucht. Nach wochenlanger Arbeit hatten Gefangene einen 100 Meter langen Tunnel vom Lager ins Freie gegraben. In der Nacht zum 25.3.1944 flohen 80 Mann, überwiegend Briten. Sie versuchten die Reichsgrenze zu erreichen. Nach Entdeckung der Flucht wurde die Kriegsfahndungszentrale des RSHA eingeschaltet, die im ges. Reichsgebiet Schutzpolizei, Kripo, Luftschutz, Reichsarbeitsdienst (RAD), Feuerwehr und Gliederungen der NSDAP alarmierte, die nach einem vorbereiteten Plan die Suchaktion aufnahmen. Bereits nach 3 Tagen hatte man 65 Flüchtlinge ergriffen. Am 26.3.1944 unterrichtete HimmlerHitler über die Massenflucht. Dieser befahl, die wiederergriffenen Offiziere nicht der Luftwaffe zurückzugeben, sondern sie der Polizei zu überstellen und zu erschießen; prominente Gefangene sollten ausgenommen sein. Von den 80 geflohenen Offizieren wurden insges. 50 erschossen. 19 Gefangene, die ins Lager S. zurückgebracht worden waren, ließ man am Leben. 6 prominente Offiziere kamen in das Sonderlager A von Auschwitz. 2 weitere, die aus der CSR stammten, wurden bis Kriegsende in Prag inhaftiert. Ledigl. 3 war es gelungen, ins Ausland zu entkommen. Trotz strenger Geheimhaltungsvorschriften wurde die Erschießung der Offiziere in England bekannt. Das Foreign Office bat die Schweiz als Schutzmacht um Aufklärung. Auf Anfrage teilte das Auswärtige Amt dem schweizer. Gesandten in Berlin mit, daß die Gefangenen auf der Flucht wegen Widerstandshandlungen bei der Wiederergreifung oder erneuten Fluchtversuchen erschossen worden seien; die Urnen mit der Asche der Toten habe man nach S. zur Beisetzung überführt. Wegen der Aktion kam es nach 1945 zu mehreren Prozessen; der bedeutendste davon war der sog. S.-Prozeß gegen Wielen und 17 andere ehemalige Angehörige der Gestapo bzw. Kripo. 14 Angeklagte wurden zum Tode, 2 zu lebenslängl. und 2 weitere zu zeitiger Gefängnisstrafe verurteilt.
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