Raeder, Erich, *Wandsbek (Holstein, heute zu Hamburg) 24.4.1876, +Lippstadt 6.11.1960, dt. Großadmiral (1.4.1939); 16.4.1994 Eintriit in die Kaiserl. Marine, zahlr. Bordkommandos, Marineakademie, Referent im Nachrichtenbüro des Reichsmarineamts, 1905 Kapitänleutnant, 1912/1917 Erster Admiralstabsoffizier bei den Aufklärungsstreitkräften unter Admiral Hipper, Ende des 1. Weltkriegs Kommandant des Kleinen Kreuzers Cöln, danach in der Zentralabt. des Marineamts. R., 1922 Konteradmiral und 1928 Admiral, hatte in dieser Stellung, als Inspekteur des Bildungswesens (1922/1928) und v.a. seit 1.10.1928 als Chef der Marineleitung (1.1.1935 OB der Kriegsmarine) entscheidenden Einfluß auf Ausrichtung, Ausrüstung und Ausbau der Reichs- bzw. Kriegsmarine. Er begrüßte Hitlers Aufrüstungskurs, warnte aber vor einem Konflikt mit Großbrit. als größter Seemacht und hielt die von Hitler am 5.11.1937 (Hoßbach) geäußerte Forderung nach Kriegsfähigkeit bis 1943 für unrealist. hinsichtl. der Seestreitkräfte. Entsprechend verbittert stellte er daher 1939 bei Kriegsbeginn und Konfrontation mit der Royal Navy fest, die völlig unzureichend dafür gerüstete dt. Kriegsmarine könne nun nur noch 'in Ehren untergehen'. Der unpolit. Soldat R. hatte als Mitglied des Reichsverteidigungsrats und von Hitler geschätzter Berater immerhin Einfluß auf die Kriegführung und konnte sich mit seinem Vorschlag nach einer Besetzung Norwegens durchsetzen, hingegen fand er lange kein Gehör mit Warnungen vor dem Plan 'Seelöwe' zur Invasion Englands. Auch seine Kritik an der Verzettelung der Kräfte der Kriegsmarine blieb so unbeachtet wie sein Wunsch nach Friedensschluß mit Frkr. und 'Rückenfreiheit' durch Achtung des Pakts mit der UdSSR. Der Konflikt mit Hitler war daher programmiert, zumal R. als gläubiger Christ in nat.-soz. Augen mit der Beibehaltung der Militärseelsorge in der Kriegsmarine auch ideolog. verdächtig war. Das Zerwürfnis brach schließl. auf an Differenzen über den Einsatz der schweren Überwasserstreitkräfte, so daß R. am 31.1.1943 durch Dönitz abgelöst wurde. Das rettete ihn nicht vor der Anklagebank in Nürnberg, wo er wegen der Planung eines Angriffskrieges ('Verschwörung gegen den Frieden') am 1.10.1946 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde; 26.9.1955 aus Gesundheitsgründen vorzeitig aus dem Spandauer Gefängnis entlassen. Ritterkreuz (30.9.1939).
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