Maginot-Linie, nach dem frz. Kriegsmin. André Maginot (*1877/+1932) benannter Befestigungsgürtel an der Grenze zu Deutschland von Longwy bis Basel. Nach den ungeheuren Verlusten im 1. Weltkrieg beherrschten pazifist. Strömungen und Abrüstungshoffnungen die frz. öffentl. Meinung, so daß an Offensivplanungen nicht zu denken war. Andererseits war die Furcht von der 'dt. Gefahr' trotz der weitgehenden Entwaffnung des Reiches unverändert groß. Da Frkr. zudem nur über ein Wehrpflichtigenheer verfügte, dessen Mobilisierung zeitaufwendig war, wollte man mit moderner Befestigung der gefährdeten Grenze den potentiellen Gegner abschrecken oder doch so lange aufhalten, bis das eigene Heer auf Kriegsstärke gebracht sein würde. Die Nat.versammlung bewilligte für den Bau, der 1929 begann, insges. 4.2 Mrd. Franc. Bis 1932 war die M. im Kern fertiggestellt, doch unterblieb ein Weiterbau längs der Grenze zu Belgien aus Geldmangel und wegen belg. Einwände. Brüssel verwies auf die eigenen Verteidigungsbemühungen (u.a. Eben Emael) und auf die belg. Neutralität ungeachtet der bitteren Erfahrungen damit im 1. Weltkrieg. Die M. bildete ein beeindruckendes Geflecht von 150 km unterird. Gängen, die 39 Wehrgruppen mit je bis zu 1,200 Mann Besatzung, 70 Bunkerstellungen (bis zu 200 Mann), 500 Artillerie- und Inf.blöcke sowie 500 Kasematten, Unterstände und Beobachtungstürme verbanden. Das Vorfeld war mit Pz.sperren und -gräben gesichert, die Einfahrten in das Bunkersystem lagen außerhalb der Reichweite feindl. Artillerie im rückwärtigen Bereich. Die Soldaten lebten in gas- und bombensicheren unterird. Quartieren, aus denen sie mit Aufzügen in wenigen Sekunden an die Geschütze gebracht werden konnten. Wasser und Brennstoff waren für 3 Monate, Lebensmittel und Munition für mindestens 1 Monat bevorratet. Die größeren Wehrgruppen konnten mit ihren 8 schweren Mörsern, 8x7.5-cm-Kanonen und 18 MG bis zu 1,000 kg Munition/min. verfeuern. Diese aufwendige Anlage band allerdings bis zu 10 Div. direkt und weitere erhebl. Kräfte, die im Notfall Durchbrüche abriegeln sollten (bei Beginn des dt. Angriffs 48 Div.). Fataler waren die psycholog. Wirkungen der als unüberwindl. geltenden M. auf die Planungen des frz. Generalstabs. Verschanzt hinter dieser 'chines. Mauer' vernachlässigte er jegl. Offensivplanung, so daß es nach dem dt. Überfall auf Polen trotz der Kriegserklärung zu keinerlei Angriffshandlungen kam. Hitler konnte während des folgenden Sitzkriegs in Ruhe umgruppieren. Im Frankreichfeldzug umging dann die Wehrmacht unter Verletzung der Neutralität der Benelux-Staaten die M. und schloß die frz. Streitkräfte in den Vogesen ein, ehe die Heeresgruppe C (Leeb) Mitte Juni 1940 den Befestigungsgürtel auch frontal durchbrach.
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