Lili Marleen, im 1. Weltkrieg (1915) von Hans Leip (*Hamburg 22.9.1893, +Fruthwilen 6.6.1983) geschriebenes Gedicht, das in der Vertonung von Norbert Schultze (*Braunschweig 1911, +Bad Tölz 14.10.2002), gesungen von Lale Andersen (*Bremerhaven-Lehe 23.3.1905, +Wien 29.8.1972), über alle Fronten hinweg zum Schlager des 2. Weltkriegs wurde. Das schlichte, melanchol. 'Lied eines jungen Wachtpostens', der auf ein Wiedersehen mit seinem Mädchen hofft, geriet am 18.8.1941 zufällig ins Programm des dt. Soldatensenders Belgrad. Die Resonanz war so überwältigend, daß 'L.' fortan tägl. um 21.57 Uhr ausgestrahlt wurde; an vielen Kampfabschnitten trat um diese Zeit eine Feuerpause ein, weil die Soldaten auf beiden Seiten der rauchigen Stimme lauschten. Goebbels, der Text und Musik 'morbide' nannte und von einer 'Schnulze mit Totentanzgeruch' sprach, zog seinen Einspruch zunächst zurück, erteilte dann aber 1942 der Sängerin Auftrittverbot und untersagte die Ausstrahlung des Liedes nach der Katastrophe von Stalingrad ganz. Inzw. war es jedoch, in 48 Sprachen übersetzt, fester Bestandteil der alliierten Rundfunkprogramme - engl. gesungen von Marlene Dietrich, frz. von Edith Piaf - obwohl auch brit. Kommandeure Bedenken wegen negativer Auswirkungen auf die Kampfmoral äußerten. Die Popularität von 'L.' wurde auch zu propagandist. Zwecken durch Unterlegung antidt. Texte genutzt. Verballhornungen wie 'Kind ich hab dich gerne,/ süße kleine Maus,/ aber die Laterne/ hängt mir zu Halse raus!' belegen den inflationären Einsatz des Ohrwurms, der auch nach 1945 zum Standardrepertoire der Soldatenprogramme gehörte und heute ein Klassiker ist.
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