Gleiwitz, dt. Großstadt im oberschles. Industrierevier mit 120,000 Einwohnern (1940). G. war Schauplatz der ersten Kriegshandlung 1939, als auf Befehl von SD-Chef Heydrich am 31.8. von einem SS-Kommando ein fingierter Überfall auf den dortigen Reichssender unternommen wurde. Damit sollte vor der Weltöffentlichkeit der Beweis für unerträgl. poln. Grenzübergriffe erbracht und der am folgenden Tag beginnende dt. Polenfeldzug als Akt der Notwehr hingestellt werden. Gegen 20 Uhr besetzte eine als poln. 'Insurgenten' getarnte Gruppe den Senderaum, unterbrach das Programm und ließ einen poln. Aufruf zum Kampf gegen Deutschland verlesen, während im Hintergrund Gefechtslärm simuliert wurde. Nach Ende der 20minütigen Aktion ließen Heydrichs Leute einen getöteten KZ-Häftling in poln. Uniform als 'Beweis' für die Provokation zurück. Der Coup erzielte nicht die erhoffte propagandist. Wirkung, da zum Zeitpunkt des 'Überfalls' der überregionale Sender Breslau nicht zugeschaltet war und weil im In- und Ausland nach ähnl. Erfahrungen tiefe Skepsis herrschte bei nat.-soz. Entrüstungsfeldzügen. - G. wurde am 24.1.1945 von der sowjet. 21. Armee (Gusjew) genommen.
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