Dönitz, Karl, *Grünau bei Berlin 16.9.1891, +Aumühle bei Hamburg 24.12.1980, dt. Großadmiral (31.1.1943); 1.4.10 zur Marine, im 1. Weltkrieg seit 1916 bei der U-Boot-Waffe, 1918/19 Gefangenschaft, Reichsmarine: 1921 Kapitänleutnant, 1928 Korvettenkapitän, 1933 Fregattenkapitän. D. wurde 1936 als Kapitän z.S. Führer der U-Boote und baute die neue Waffe gemäß Dt.-Brit. Deutsch-Britisches Flottenabkommen auf, so daß bei Kriegsbeginn 56 Boote zur Verfügung standen, für die von ihm schon seit Ende des 1. Weltkriegs projektierte Rudeltaktik im Kampf gegen Geleitzüge zu wenige. Dennoch gelangen einige spektakuläre Erfolge wie der Einbruch Priens mit U 47 in den brit. Kriegshafen von Scapa Flow (14.10.1939); D. wurde zum Konteradmiral befördert, seine Dienststellung am 17.10.1939 in Befehlshaber der U-Boote umbenannt. Erst mit Gewinnung von Ausfallhäfen zunächst in Norwegen und Dänemark, im Juni 1940 auch an der frz. W-Küste konnte D. (1940 Vizeadmiral, 1942 Admiral) seine über Funk geführten Rudel-Angriffe in der Atlantikschlacht zur Geltung bringen. Die Versenkungsziffern stiegen auf ein für Großbrit. existenzbedrohl. Maß, doch absorbierte der Rußlandfeldzug bald so viel militär. Kraft, daß der erforderl. Ausbau und Ersatz ausblieb und die Gegner, zu denen nun auch die US-Navy gehörte, das Geleitzugssystem verbessern und durch neue Ortungsgeräte (Radar) absichern konnten. Von den Überwasserstreitkräften war seit dem Verlust der Bismarck (27.5.1941) kaum noch Unterstützung gekommen, so daß Hitler schließl. deren Abwrackung anordnete. Großadmiral Raeder trat daraufhin als OB der Kriegsmarine zurück, D. wurde am 30.1.1943 zu seinem Nachfolger bestellt. Er konnte Hitler zur Zurücknahme des Befehls veranlassen, doch entscheidende Erfolge gelangen ihm nicht mehr. Zwar behielt er sich weiter die Führung der U-Boote vor, doch mußte er nach unerträgl. Bootsverlusten im Mai 1943 auch unter Wasser die Atlantikschlacht abbrechen. Trotz der sich dramat. verschlechternden Lage an allen Fronten, zur See und in der Luft, verurteilte D. den Anschlag auf Hitler vom 20.7.1944 auf das Schärfste. Obwohl sich darin eher seine völlig unpolit. Haltung ausdrückte, sah Hitler nun in ihm den geeigneten Mann zur 'fanat.' Fortführung des Krieges und ernannte ihm in seinem Testament am 30.4.1945 zum Nachfolger als Staatsoberhaupt. D. aber sah im weiteren Widerstand nur insofern einen Sinn, als er möglichst viele Flüchtlinge vor der im Winter 1944/1945 an den Reichsgrenzen angekommenen Roten Armee aus dem O retten wollte. Vom 23.1. bis zur Kapitulation am 8.5.1945 transportierte die Marine 2,2 Mio. Personen aus den bedrohten Gebieten in den W ab. Die Westmächte beließen D. auch nach Ende der Feindseligkeiten eine Enklave in Flensburg-Mürwik und regelten mit seiner weiteramtierenden Reichsreg. gemeinsam interessierende Fragen der Übergabe der staatl. Gewalt in Deutschland, der Jurisdiktion u.a. Sowjet. Mißtrauen über ein dt.-angloamerikan. Arrangement führte jedoch am 23.5.1945 zur Verhaftung von D. und seinen Ministern. Der Großadmiral wurde im Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher am 1.10.1946 trotz erhebl. Beweisnot der Anklage zu 10 Jahren Haft verurteilt, die er in Spandau verbüßte. Ritterkreuz (21.4.1940) mit Eichenlaub (6.4.1943).
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