Zuhören heißt, dem Sprechen eines Anderen die eigene Aufmerksamkeit schenken.
Dass man oft das Zuhören als anstrengender empfindet, als selbst zu reden, kann am (zu vielen, zu eintönigen) Sprechen des/der Anderen liegen, häufiger jedoch an der mangelnden eigenen Aufmerksamkeit.
Platon meinte: lerne zuhören, und du wirst auch von denjenigen Nutzen ziehen, die nur "dummes Zeug" reden.
"Gute Zuhörer" sind gefragt - aber seltener, als man meinen sollte. Wer sich selbst kritisch beobachtet, kann bald - je nach Typ - einige Gründe dafür feststellen.
Unruhe - innerlich oder äußerlich: Es ist nicht die "richtige Zeit" oder passende Situation
Ablenkung - ich bin mit meinen Gedanken woanders, bin müde usw.
Nonverbales - etwas körperliches am Sprechenden stört mich, z.B. die Haltung, ein Detail der Kleidung, manche Geste, der Tonfall..._
innere Haltung - eigentlich interessiert es mich nicht wirklich, oder nicht ganz freiwillig; ich höre nur formal zu oder denke "wann bin ich endlich dran?"
Ich habe meine Antwort oder die Problemlösung schon parat, noch bevor der Andere ganz ausgesprochen hat
Solidarisierung mit anderen unzufriedenen Zuhörern - z.B. bei einem Vortrag, bei ansteckendem Gähnen usw.
..._ weitere Hindernisse für gutes Zuhören sind auch spezifisch situations- und personenbedingt.
Förderliches
Vermutlich hat jeder seine Besonderheiten im "Zuhörstil" und 1-2 Haupthindernisse. Doch gibt es für (fast) alle davon auch Gegenmittel. Hilfreich für besseres Zuhören ist unter anderem:
Die geeignete Situation und Zeit - wenn sie überhaupt nicht "passt", sollte das gesagt (und nicht seufzend verschwiegen) werden. Der Andere merkt es andernfalls ohnehin - nur vielleicht erst "zu spät"
Allfällige Unruhe durch gutes Atmen bei möglichst entspannter Körperhaltung "wegatmen"
Wohlwollen gegenüber dem/der Sprechenden. Das ist häufig der schwierigste Punkt; doch wenn ich mich darauf einlassen kann, ändert sich auch für mich die Sache zum Positiven
Wenn obiges nicht gelingt oder hilft: mich "dareinfinden", eine (unangenehme) Situation, die ich nicht ändern kann, akzeptieren. Dazu gibt es einen Spruch (auch in Form eines Gebets möglich):
... ändern, was ich ändern kann - akzeptieren, was ich nicht ändern kann - und beides auseinander halten.
Zu zweit oder im kleinen Kreis rückfragen, wenn etwas unklar ist. Wenn jemand nachfragt, macht das fast jede Gruppe aufmerksamer. Die Frage ist nur, wie lange ich zuwarten soll - vielleicht kommt ja die Erklärung ohnehin gleich.
"Aktiv zuhören" (bis etwa 6 Personen möglich) - Unklares behutsam nachfragen, verstehende kurze Äußerungen, mit eigenen Worten wiederholen (Paraphrase), eigene Meinung vorläufig zurückstellen, Gefühlsebene wahrnehmen usw.
..._und die Auswirkungen
Wem je in einer wichtigen Sache "gut zugehört" wurde, wird sich daran (trotz des Problems) angenehm erinnern. Das heißt, die emotionalen Bedürfnisse kamen zu ihrem Recht - und nicht nur die Sachlichkeit.
Freilich bleiben sie im Beruf oft ungestillt; umso mehr sollten wir im privaten Bereich darauf achten.
Jeder Mensch hat das Bedürfnis, dass ihm manchmal echt zugehört wird. Das hängt mit dem Grundbedürfnis zusammen, geliebt und angenommen zu sein.
Daher beginnt sich manches bereits zu lösen, nur indem man darüber reden kann. Mediatoren oder Psychologen wissen mehr darüber, aber auch wohlwollende Eltern oder verständige Freunde.
Gutes Zuhören schafft ein Gefühl der Nähe und Zusammengehörigkeit - und der Zuhörer ist der erste, der davon "profitiert".
Aussprechen von Hindernissen stört keineswegs - bei entsprechender Wortwahl. Wenn wir belastet sind (verärgert, ängstlich oder zerstreut), wird unser Zuhören beeinträchtigt; doch erst wenn es der andere erfährt, kann man etwas tun. Das kann auch eine Verschiebung oder einfach eine Pause sein.
Zuhören bei einem Vortrag
Anders als bei Gesprächen (siehe oben) liegt es bei Präsentationen oder Vorträgen zu einem größeren Teil am Sprecher, wie gut man ihm zuhören kann. Schon ob der Raum gelüftet ist und ob/ wie man sich begrüßt, hat seine Wirkung.
Die Art des Sprechens, die Gesten, Kleidung und Körperhaltung haben auf die Zuhörer großen Einfluss - denn nach Samy Molcho gehen mehr als 80 Prozent der Kommunikation nicht über Worte, sondern nonverbal. Darüber soll natürlich die Vortragstechnik nicht vernachlässigt werden, die Qualität der Overheadfolien usw.
An den einzelnen Zuhörern liegt es aber auch, aus einem Vortrag für sich "das beste" zu machen.
Die oben angeführten Hindernisse und Gegenmittel gelten im wesentlichen auch bei größeren Gruppen. Zusätzlich spielt (positiv wie negativ) weiteres mit, z.B.
Die Solidarisierung mit anderen (un)zufriedenen Zuhörern - z.B. bei Fehlern im Vortrag, schlechten Folien, gelungenen Scherzen, ansteckendem Gähnen, interessanten Diskussionsfragen usw.
Dem Zuhören förderlich ist nur die Solidarisierung zum Positiven; ist sie nicht möglich, kann man immerhin trachten, als Einzelner auf seine Rechnung zu kommen.
Bei "Durchhängern" könnte ich mir sagen, dass ich ja (meist) freiwillig hier bin. Und wenn nicht - in jeder Rede, jeder Predigt usw. steckt auch brauchbares. Will ich das denn überhören?
Mitschreiben kann - je nach Menschentyp - die eigene Aufmerksamkeit merklich erhöhen. Für später sind Mitschriften freilich nur nützlich, wenn man sie auch wieder findet.
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