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Zirkumzision

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Ein unbeschnittener und ein beschnittener Penis

Unter Zirkumzision (lat. circumcisio) bzw. Beschneidung versteht man die medizinisch oder rituell begründete chirurgische Entfernung der Vorhaut eines Knaben oder Mannes mittels eines kreisförmigen Schnitts, im weiteren Sinne auch das Einschneiden derselben, Aufschneiden des Penis (Subinzision) etc.


In noch weiterem Sinn bezeichnet der Begriff (fälschlicherweise) auch die in verschiedenen Kulturen unterschiedlich gehandhabte genitale Verstümmelung von Mädchen und Frauen bis hin zur teilweisen oder völligen Entfernung der äußeren Geschlechtsorgane.


Beschneidungen werden in der Regel aus religiösen, rituellen, kosmetischen oder ästhetischen, häufig aber auch aus vermeintlich medizinischen Gründen durchgeführt.


Eine medizinische Indikation ist z.B. bei einer schweren Vorhautverengung - der Phimose - gegeben, die jedoch äußerst selten auftritt und zumeist durch Strecken oder Medikamente, etwa mit Steroiden, erfolgreich behandelt werden kann.


Inhaltsverzeichnis


1 Technik der Beschneidung

2 Folgen der Beschneidung

3 Geschichte der Beschneidung

  3.1 Frühgeschichte

  3.2 Antike

  3.3 Neuzeit

4 Kritik und Gegenbewegungen

5 Siehe auch

6 Weblinks


Technik der Beschneidung

Beim Mann wird die Vorhaut teilweise oder vollständig entfernt oder (seltener) eingeschnitten. Dabei ist der Grad des Eingriffs unterschiedlich.


Zu biblischen Zeiten wurde lediglich die besonders empfindliche Spitze der Vorhaut entfernt. Heute wird oft die Vorhaut größtenteils oder sogar ganz entfernt. Wenn sowohl innere als auch äußere Vorhaut soweit entfernt werden, dass die Eichel immer, auch im nicht eregierten Zustand, frei liegt und nur noch ein Rest von ca. 10 mm innerer Vorhaut verbleibt, spricht man von einer radikalen Beschneidung.


Die Beschneidungsstile variieren gleichwohl in Hinsicht auf Straffheit und Platzierung der Narbe:


Nach der Platzierung der Beschneidungsnarbe unterscheidet man zwischen "low", also nah an der Eichel und "high", d.h. hoch am Schaft, also weiter entfernt von der Eichel. Bei einer Beschneidung "low" wird das innere Vorhautblatt nahezu vollständig entfernt. Nach der Straffheit der Schafthaut unterscheidet man zwischen "loose", so dass die Eichel im nicht eregierten Zustand noch teilweise bedeckt ist und "tight", wobei die Eichel immer frei liegt und die Schafthaut bei einer Erektion keinen Bewegungsspielraum mehr hat. Daraus ergeben sich die Beschneidungsstile "high & tight", "high & loose", "low & tight" und "low & loose".


Während in den USA vornehmlich "high & tight" beschnitten wird, ist im europäischen Raum eher ein "low & loose" Stil verbreitet.


In jedem Fall ist der Eingriff wie jede andere Operation mit Risiken, wie Blutungen und Entzündungen, verbunden und nicht völlig ungefährlich. Allein die Anzahl der Narkoseunfälle bei der Beschneidung von Babys in den USA wird auf mehrere hundert pro Jahr geschätzt. Eine genaue Zahl ist nicht verfügbar, da die Todesfälle als durch Arzneimittel bedingt eingeordnet werden und so nicht als Folge der Beschneidung in die Statistik eingehen.


In den USA wird der überwiegende Teil der Eingriffe nur mit örtlicher Betäubung oder ganz ohne jegliche schmerzstillende Maßnahmen durchgeführt. Hierdurch kann das Baby einen Schock erleiden, durch den es meist vorübergehend in einen komatösen Zustand fällt und der zu neurologischen Spätfolgen führen können soll.


Bei der rituellen jüdischen Beschneidung wird der Eingriff vom Mohel, einem dazu ausgebildeten Kleriker (also einem medizinischen Laien), im Rahmen der Zeremonie zuhause durchgeführt, wobei es manchmal zu Komplikationen kommt, die in Extremfällen schon tödlich endeten oder einen Verlust des Penisses mitsichführten.


Folgen der Beschneidung

Beim Mann gehört die Vorhaut zu den empfindlichsten Stellen des Körpers, zudem ist das Frenulum besonders dicht mit Nervenenden besetzt und wird bei den üblichen Formen der Beschneidung meist beschädigt oder komplett entfernt. Je früher der Eingriff stattfinden um so weniger sind die Folgen im Erwachsenenalter voraussagbar.


Durch den ständigen Kontakt mit der Luft und dem Reiben an der Kleidung verliert die ungeschützte Eichel an Empfindlichkeit. Auf der vormaligen Schleimhaut bildet sich eine Keratinschicht, die mit der Zeit zu einer weiteren Desensibilisierung beiträgt. UV-Einstrahlung kann für das ungeschützte Organ gefährlich sein, wenn sie nicht oder nur durch zu dünne Kleidung (Badehose) abgeschwächt wird.


Die dorsale Ader, die beim Mann bis zur Spitze der Vorhaut reicht wird bei der Beschneidung in jedem Fall durchtrennt und verästelt sich mit der Zeit neu. Dies ist nicht immer problemlos und kann Knoten entstehen lassen.


Masturbation ist bei vollständig entfernter Vorhaut ohne Gleitmittel (wie z.B. Speichel) nur eingeschränkt möglich, da die intensive Stimulation der trockenen Eichel mit der Hand als unangenehm bis schmerzhaft empfunden wird und weniger intensive Stimulation oft nicht zum Orgasmus führt.


Bei straffer Beschneidung ist die Haut unterhalb der Eichel straff gespannt und kann austrocknen. Dabei kommt es häufig zum Wundreiben oder Einreissen der Haut. Infektionen und Entzündungen kommen in der Folge vor.


Auch beim Geschlechtsverkehr mit einer Partnerin fehlt das natürliche Gleiten des Penis in seiner Schafthaut, das Eindringen ist erschwert. Das ist allerdings nicht unbedingt ein Nachteil für die Frau, die es mag, wenn der Mann wartet, bis die Scheide ausreichend feucht ist. Manche Frauen berichten, dass sie durch einen beschnittenen Penis stärker stimuliert werden, da dieser direkten Kontakt mit der Vagina hat und nicht in seiner Vorhaut hin- un hergleitet. Durch das direkte Reiben an der Scheidenwand kann es aber, vor allem bei älteren Frauen, Probleme mit der Trockenheit der Scheide geben. Die geringere Empfindlichkeit der Eichel durch die Beschneidung verstärkt das Problem, da normalerweise mehr Zeit bis zur Ejakulation verstreicht.


Das Vorurteil, dass im Alltag störendes, ständiges Reiben an der Kleidung (vor allem beim Tragen von Boxershorts) und die Ungeschütztheit des Harnröhrenendes sich bemerkbar machen wurden, stimmt so allerdings nicht, außer vielleicht in der Zeit kurz nach der Beschneidung. Danach hat man sich normalerweise daran gewöhnt, weil generell die Haut der Eichel dicker geworden ist und somit auch die Empfindlichkeit dieser abgenommen hat. Die Folge davon ist allerdings eine geringerer sexuelle Stimulationsfähigkeit.


Geschichte der Beschneidung

Frühgeschichte

Der Ursprung des Brauchs der Beschneidung liegt im Dunkeln.


Eine mythologische Erklärung kann in der Ablösung vom Menschenopfer gesehen werden. In vorgeschichtlicher Zeit wurden den Göttern, die besänftigt und milde gestimmt werden mussten, lebendige Menschen als Opfer dargebracht. Mit dem Fortschreiten in der Entwicklungsgeschichte opferte man schließlich nur noch etwas von dem Teil des Menschen, der für die Weitergabe des Lebens zuständig war und der vermeintlich sogar der Ursprungsort für neues Leben war und damit Gott bzw. den Göttern am nächsten stand.


Ein eher weltlicher Grund könnte auch die Bekämpfung von anders nicht behandelbaren Geschlechtskrankheiten gewesen sein. Durch Krankheiten hervorgerufene Beeinträchtigungen und Schmerzen an den Genitalien, deren Ursachen nicht verstanden waren, ließen sich mit derartigen Maßnahmen zumindest lindern.


Vermutlich haben frühe Stammesgesellschaften die Beschneidung beider Geschlechter auch aus hygienischen Gründen eingeführt. �,lteste Überlieferungen des Rituals deuten auf Volksgruppen, die in trockenen, wüstenähnlichen Regionen siedelten (insbesondere Nord- und Ostafrika sowie Australien).


Teilweise diente es wohl auch einfach nur als Körperschmuck, Ausdruck von Reife, Mutprobe oder ähnliches - wie andere �,nderungen am Körper bei vielen Naturvölkern.


Heute wird die rituelle Beschneidung meist nur noch als Zeichen der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Glauben oder zu einer bestimmten Volksgruppe angesehen.


Die rituelle oder religiöse Beschneidung stellt somit bei beiden Geschlechtern einen Initiationsritus dar. Der heranwachsende Mensch wird in die Gemeinschaft aufgenommen, indem er bewusst in eine Krisensituation gebracht wird, in der er sich bewähren und als vollwertiges Mitglied erweisen soll. Oft muss er dabei eine Reihe von schmerzhaften oder demütigenden Prüfungen ablegen.


Neben der Beschneidung der (männlichen) Vorhaut gibt es zahlreiche Formen der genitalen Verstümmelung, die im Rahmen derartiger Initiationsriten bei verschiedenen Naturvölkern auch heute noch praktiziert werden. Bei den Aborigines, den australischen Ureinwohnern, sowie auf mehreren Inseln des Westpazifischen Ozeans ist es Brauch, jungen Männern einige Wochen nach Entfernung der Vorhaut den Penis aufzuschlitzen, was eine vollständige oder partielle Spaltung der Harnröhre bewirkt, sog. Ariltha. In Indonesien werden den Jungen zu Beginn der Pubertät Bambus- oder Metallkugeln, so genannte Ampallangs, in den Penisschaft oder die Eichel eingesetzt.


Antike

Die älteste bekannte Darstellung einer Beschneidung ist ein ägyptisches Relief aus dem Jahr 2420 v. Chr. (siehe Link).


Die �,gypter beschnitten ihre Sklaven, um sie herabzuwürdigen und als Sklaven kenntlich zu machen. Die Nachkommen der Sklaven wurden ebenfalls beschnitten, um sie von Geburt an dem Sklavenstand zuzuordnen. Laut der Bibel wurde unter den Israeliten die Beschneidung schon von ihrem Stammvater Abraham, der meist auf ca. 1.800-1.600 v.Chr. datiert wird, eingeführt. Manche Forscher glauben allerdings, dass erst unter Mose etwa 1.400-1.200 v. Chr. oder sogar erst während der babylonischen Gefangenschaft um etwa 600 v. Chr. die Juden diese Praktik übernahmen und ritualisierten. Irgendwann in diesem Zeitraum wurde die Beschneidung von Neugeborenen ("milah"), die am 8. Tag nach der Geburt stattzufinden hat, zur Pflicht. "Unbeschnitten" ist in der Bibel ein Schimpfwort.


Im frühen Christentum sprach sich dann vor allem Paulus von Tarsus, selbst ein beschnittener Judenchrist, für die neubekehrten Heidenchristen deutlich gegen eine Pflicht zur Beschneidung aus. Entscheidend war für ihn nicht die körperliche Beschneidung, sondern die bereits im Judentum zunehmend betonte "Beschneidung des Herzens", also der demütige Glaube. Wer glaube, durch körperliche Beschneidung heilig zu werden, sei auf einem Irrweg. Mit dem Ende des antiken Judenchristentums als eigener Strömung verschwand dann die Beschneidung im Christentum zunächst fast ganz, außer bei einigen orientalischen und Afrikanischen Völkern, die die Beschneidung aus ihrem vorchristlichen Glauben übernommen hatten.


Der Prophet Mohammed, der laut einer Überlieferung ohne oder zumindest mit einer sehr kurzen Vorhaut zur Welt kam, empfahl die generelle Beschneidung von Knaben. Diese wird daher auch heute noch bei Moslems als ein Zeichen der Religionszugehörigkeit im Kindesalter - jedoch anders als bei den Juden nicht im Säuglingsalter - durchgeführt. Die Beschneidung ist aber im Islam kein unverzichtbares Glaubensgut, da sie nicht im Koran selbst, sondern lediglich in der Sunna erwähnt wird.


Neuzeit

Der berühmte Rabbi Moses Maimonides (Weblink) hat bereits im Mittelalter einen weiteren Grund für die Beschneidung genannt: Die Geschlechtsorgane sollten so verletzt und geschwächt werden, dass sie zwar noch funktionieren, aber keine 'überschüssige' Lust mehr zulassen. Die Geschlechtsorgane bedürften keiner Perfektionierung, es gehe nicht um die Korrektur eines angeborenen, sondern eines moralischen Makels.


Diese sexualfeindliche Begründung für die Beschneidung wurde im 18. Jh. in Europa wieder entdeckt. So empfahl der schweizer Arzt Dr. Samuel Tissot die Beschneidung als Kur für Masturbation, die er als Ursache für "jugendliche Rebellion" und Krankheiten wie Epilepsie, "Erweichung von Körper und Geist", Hysterie und Neurosen ansah.


Zu einer allgemeinen Einführung der Beschneidung kam es dennoch nicht, stattdessen wurden, neben der Methode der Infibulation, aus heutiger Sicht merkwürdige Apparaturen und Vorrichtungen zur Verhinderung der Masturbation propagiert.


Eine Ausnahme bildete lediglich das viktorianische England. Dort fand die chirurgische Methode vor allem bei der Oberklasse breite Zustimmung, um die Knaben und Mädchen zu "keuschem Verhalten" anzuhalten. Durch das britische Imperium (Commonwealth) verbreitete sich die Beschneidung schließlich auch in anderen Ländern, wie den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika und Indien.


Besonders in den puritanischen USA erlebte die Beschneidung ab Mitte des 19. Jh. eine starke Verbreitung. Nach dem englischen Vorbild versuchte man bei beiden Geschlechtern das Verhindern der Masturbation u.a. durch die Beschneidung zu erreichen, da man ihr schädliche Folgen bis zum Tode zuschrieb und sie aus rein religiösen Gründen ablehnte.


Viele einflussreiche Mediziner in zahlreichen Publikationen äußerten sich für eine Beschneidung und empfahlen bei weiblichen Personen neben der Klitoridektomie etwa das Auftragen reiner Karbolsäure auf die Klitoris, als einen "hervorragenden Weg, um die abnormale Erregung zu dämpfen."


Dr. John Harvey Kellogg, in: Plain Facts for Old and Young, Burlington, Iowa, F. Segner & Co., 1888, S. 295


Die Beschneidung der Mädchen wurde in den USA bis in die 50er Jahre des letzten Jh. praktiziert, fand aber nicht die gleiche Zustimmung wie die männl. Beschneidung, da die mit der Beschneidung beabsichtigte "Dämpfung der sexuellen Begierde" nach Ansicht der damaligen Zeitgenossen bei Mädchen in wesentlich geringerem Umfang erforderlich sei als bei Jungen.


Im 20. Jh. ließen sich derart radikale Forderungen nach sexueller Enthaltsamkeit in den meisten Ländern nicht mehr aufrecht erhalten und so wurde etwa in den USA, Südkorea und Teilen der islamischen Welt der Wunsch nach moralischer Reinheit umgeformt auf den Begriff der Hygiene. Die bei Jungen angeführten hygienischen Gründe sind jedoch durchaus mit Skepsis zu betrachten, da medizinische Vor- und Nachteile sich weitgehend ausgleichen dürften, wenn überhaupt.


Kosmetische Gründe bewegen in jüngster Zeit vor allem in der westlichen Welt sogar viele Erwachsene dazu, sich freiwillig beschneiden zu lassen, trotz der damit verbundenen Risiken und Umstellungen. In Gesellschaften, in denen die Beschneidung verbreitet ist, werden nichtbeschnittene Geschlechtsteile oft als unästhetisch bis abstoßend empfunden.


Die Bedeutung der Vorhaut für sexuelle Stimulation ist heutzutage noch ähnlich unbekannt wie früher die der Klitoris, von der lange behauptet wurde, sie sei völlig unwichtig für die Erregbarkeit und das sexuelle Empfinden. Einen Hinweis ergibt jedoch die Aussage von beschnittenen Männern, der Bereich direkt unter der Eichel sei bei ihnen dafür besonders sensibel. Dort verbleibt ein Stück der ursprünglichen, empfindlichen Innenseite der Vorhaut. Allerdings ändert sich durch die Beschneidung tatsächlich normalerweise weder etwas an der Orgasmusfähigkeit, noch an der Erektionsfähigkeit, noch an der Tatsache, dass sexuelle Stimulation aller Art als äußerst angenehm empfunden wird.


Kritik und Gegenbewegungen

Verschiedene internationale Organisationen UNO, WHO UNESCO, UNIFEM und sonstige Menschenrechtsgruppierungen haben sich inzwischen gegen die weibliche Beschneidung bzw. Weibliche Genitalverstümmelung ausgesprochen und versuchen seit geraumer Zeit, mit Aufklärungsarbeit gegen die Beschneidung von Mädchen in den jeweiligen Heimatländern vorzugehen. In den meisten westlichen Industrieländern wird die Beschneidung von Frauen und Mädchen als Schwere Körperverletzung strafrechtlich verfolgt, in Deutschland durch § 226 StGB (Strafgesetzbuch) als Verbrechen gewertet, bei dem der Versuch strafbar ist. Ausnahme ist z.B. die freiwillige kosmetische Schamlippenverkleinerung bei Erwachsenen.


Diese Sichtweise blendet die Knaben als Opfer aus, d.h. die Körperverletzung von Jungen wird nach wie vor größtenteils nicht wichtig genommen, wie auch die Tatsache, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit unabhängig vom Geschlecht gilt. Darüberhinaus wird auch die Beschneidung von Knaben in Ländern der Dritten Welt, etwa in Afrika, Vorderasien und Indonesien oder bei den Aborigines in Australien, oft nicht mit Betäubung und sterilisierten chirurgischen Instrumenten, sondern unter sehr primitiven Bedingungen vorgenommen, was zu bleibenden Schäden oder gar zum Tod führen kann. Problematisch bei der Gegnerschaft zur männlichen Beschneidung ist, dass diese unter Umständen den Eindruck einer antijüdischen Haltung erwecken kann.


Bei strenger Auslegung des Gesetztes ist auch die Beschneidung von Jungen in den meisten Ländern verboten und wird lediglich geduldet. Gegen die Duldung wenden sich in den USA inzwischen mehrere Gruppen und auch einzelne Betroffene mit teils prominenter anwaltlicher Hilfe, so dass sie dort langsam zu wackeln beginnt, zumal einige Personen meinen, die Glaubwürdigkeit der Aktionen für Frauen in den afrikanischen Ländern würde leiden.


Hanny Lightfoot-Klein, ursprünglich eine der Vorkämpferinnen ausschließlich gegen die weibliche Beschneidung, ruft inzwischen dazu auf, das Thema als Ganzes zu sehen und die Genitalverstümmelung als eng verwandt mit der Beschneidung im engeren Sinn zu betrachten.


Der Glaube an eine therapeutische Notwendigkeit, die Vorhaut zu entfernen, wird inzwischen in den meisten Ländern mit hohem medizinischem Standard, wie etwa Norwegen, Frankreich, Schweden, Finnland, Dänemark, Japan und England bestritten.


In Großbritannien erschien 1949 im British Medical Journal die Abhandlung "The Fate of the Foreskin" von Dr. Douglas Gairdner, die zum erstem Mal die Funktionen der Vorhaut beschrieb und die routinemäße Beschneidung als überflüssig und nachteilig darstellte. Daraufhin lehnten die britischen Krankenkassen es ab, weiterhin für unnötige Beschneidungen zu zahlen. In der Folge sanken die Beschneidungsraten in Großbritannien innerhalb kurzer Zeit drastisch von ursprünglich 50% im Jahre 1950 auf heute unter 0,5%.


1996 ist in den Richtlinien der British Medical Association unter "Beschneidung männlicher Neugeborener" zu lesen: "Zu therapeutischen Zwecken eine Beschneidung vorzunehmen, obwohl die medizinische Forschung andere Techniken erbracht hat, die mindestens so effektiv und weniger einschneidend sind, wäre unangebracht und unethisch."


Auch in Kanada zahlen die Krankenkassen den für überflüssig erachteten Eingriff nicht mehr. Die Beschneidungsrate ist entsprechend stark gesunken.


In den USA lehnen seit den 80er Jahren immer mehr Eltern die in den amerikanischen Krankenhäusern früher routinemäßig durchgeführten Beschneidungen ab. Gegenwärtig liegt der Anteil der Beschneidungen bei Neugeborenen, die auch heute noch überwiegend ohne Betäubung vorgenommen werden, in den USA im Durchschnitt bei 57%, mit stark fallender Tendenz.


1999 sprach sich, nach dem kanadischen, auch der amerikanische Verband der Kinderärzte gegen die routinemäßige Beschneidung von Jungen aus.


Ende des gleichen Jahres hat das Parlament in Finnland eine Erklärung bezüglich ritueller Beschneidung abgegeben. Ombudsman Riitta-Leena Paunio bemerkte, dass diese Operation ohne medizinische Begründung nicht zu empfehlen ist, die betroffenen Kinder sollten vorher befragt werden und ihre Zustimmung dazu geben. Sie sagte, das Finnische Parlament müsse die religiösen Rechte der Eltern abwägen gegen die Verpflichtung der Gesellschaft, ihre Kinder vor rituellen Operationen ohne unmittelbaren Vorteil für sie zu schützen. Dort ist seither die schriftliche Zustimmung beider Elternteile erforderlich.


Am 1. Oktober 2001 trat in Schweden - nach einer längeren öffentlichen Debatte wegen des Todes mehrerer Babys durch Beschneidungen - ein neues Gesetz in Kraft, das Beschneidungen ohne medizinische Begründung bei Jungen, die älter als 2 Monate sind, generell verbietet. Beschneidungen an jüngeren Babies dürfen nur noch unter Betäubung und in Anwesenheit eines Arztes vorgenommen werden. Schweden ist damit das erste Land der Welt, das rituelle Beschneidungen, die ohne Zustimmung der Betroffenen vorgenommen werden, per Gesetz eingeschränkt hat.


Siehe auch



Weblinks



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