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Zionismus

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Der Zionismus (von Zion) ist eine während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert entstandene jüdische National-Bewegung, die sich für einen eigenen jüdischen Staat einsetzt. Der Begriff wurde 1890 von dem jüdischen Wiener Journalisten Nathan Birnbaum geprägt.


Der Zionismus entstand unter den Juden in der europäischen Diaspora. Er sieht sich selbst als die moderne Form des Jahrtausende alten Traums der Juden von Freiheit und einem eigenen Staat im Land Israel. Diese Idee gibt es in der jüdischen Gemeinschaft schon, seit das römische Reich das Land Judäa vor 2000 Jahren zerstörte. In den Anfängen war der Zionismus religiös geprägt und oft mit starken sozialistischen Einflüssen; später erweiterte sich seine Basis.


Geschichte des Zionismus und der Palästina-Auswanderung

1822 veröffentlichte Leo Pinsker sein Werk Autoemanzipation, das nach mehreren emotionalen, aber faktisch wirkungslos gebliebenen kleinen Bewegungen mit ähnlichem Ansinnen erstmals über ein eigenes Land der Juden nachdachte. Es folgten weitere Werke diverser Autoren, wie 1862 Moses Hess' Rom und Jerusalem.


Erst Theodor Herzls Buch Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage 1896, das im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre entstand, expliziert das Streben nach staatlicher Organisation. Diesem so genannten "politischen Zionismus" war dabei weniger Palästina als Gelobtes Land wichtig (auch Argentinien und Uganda waren mögliche Länder), als mehr die formelle staatsrechtliche Autonomie, in welchem Land auch immer. Die "Perspektive Palästina", auch ohne eigenen Staat, hatte hingegen der so genannte "Kulturelle Zionismus", wie ihn Ascher Ginsberg (Ahad Ha'am) vertrat, im Auge. Erst Chaim Weizmann gelang es dann, den Ausgleich zwischen beiden Tendenzen herbeizuführen.


1897 konnte so der 1. Zionistenkongress in Basel stattfinden und Herzl, der bis zu seinem Tod 1904 Vorsitzender des Aktionskommitees blieb, eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina fordern. Während Herzl jedoch noch seine und des Kongresses Hauptaufgabe in vor allem diplomatischen Bemühungen sah, verlangte sein Nachfolger David Wolffssohn (1905-1911) bereits die praktische Umsetzung der Kolonisation Palästinas.


1901 wurde der Jüdische Nationalfond (JNF) gegründet (hebräisch: (קרן קימת לישראל) Keren Kajemet (Lejisrael), "Dauernder Fonds für Israel") gegründet, dies umzusetzen. 1907 wurde das (jüdische) Palästina-Amt in Jaffa geschaffen, das Arthur Ruppin leitete. 1909 wurde die Jüdische Kolonialbank ("Jewish Colonial Trust") gegründet - wie auch der erste Kibbuz am Tiberiassee und die Stadt Tel Aviv, die bis 1938 bereits 150.000 Einwohner zählte. Allein bis 1914 waren bereits 85.000 jüdische Einwanderer in Palästina zu verzeichnen, von denen jedoch etliche nicht längerfristig im Land blieben.


Am 2. November 1917 signalisierte die britische Regierung ihre Unterstützung des Zionismus mit der Balfour-Declaration zur Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk, kurz bevor 1918 Palästina als Mandat an Großbritannien übertragen (und dort dem Colonial Office untergeordnet) wurde.


1920 wurde die zionistische Gewerkschaft Histadrut (�"סת�"ר�·ת "General Union of Hebrew Workers in the Land of Israel") gegündet, die die Strategie verfolgte, die von privaten Investoren gemiedenen Branchen zu besetzen und so im Laufe der Zeit größter Arbeitgeber in Palästina werden sollte. 1923 wurde dann Palästina aufgeteilt und der eine (kleinerer) Teil ab da nun »Palästina« genannt, während aus dem anderen (grösserer) Transjordanien (erst als Sultanat, dann als Königreich Jordanien) entstand. Seit der Mitte der der 1920er Jahre fand sich dann die zionistische Hachschara ("Vorbereitung" auf die Auswanderung) in Deutschland.


Am 30. Januar 1933 wurde Hitler nach einem betont judenfeindlichen Wahlkampf Reichskanzler. Nach dem als idealer Vorwand für staatlichen Terror herhaltenden Reichstagsbrand vom 27. Februar fanden sich erste gezielte Maßnahmen gegen jüdische Deutsche. In rascher Folge kam es unter anderem zur Notverordnung (28. Januar); Bücherverbrennungen; »Ermächtigungsgesetz« (5. März); dem so genannten "Juden-Boykott" (1. April) und dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" (7. April). Daher wanderten schon 1933 etwa 150.000 Juden aus, viele jedoch nicht nach Palästina, sondern in die europäischen Nachbarstaaten.


Entscheidender verschlechterte sich 1935 die Situation in Deutschland. Nach blutigen antisemitischen, von den Reden Goebbels' angefachten Straßenkrawallen (Juli) und den Nürnberger Gesetzen (15. September) wuchs die Bereitschaft zur Palästina-Emigration, obwohl konservative jüdische Verbände weiterhin zur Zurückhaltung mahnten.


Bereits 1933 trat das so genannte Ha'vara-Abkommen (»Transfer«) zwischen der Jewish Agency und dem Deutschen Reich in Kraft. Das Abkommen, das bis 1938 Bestand hatte, war der gezielte Versuch der NS-Politiker, die Ausbürgerung jüdischer Mitbürger zu befördern. Teils unter erheblichem, teils unter geringerem finanziellen Aufwand gelangten so Zionisten nach Palästina.


Dennoch erreichte die Zahl der Palästina-Einwanderer bis 1938 gerade 130.000 Juden. Von 1933 bis 1941 kamen nur ca. 55.000 Juden aus dem Deutschen Reich nach Palästina (was ca. 25% Anteil an der Gesamteinwanderung entspräche). Von 1933 bis 1938 wanderten sogar über 100.000 Juden in die USA, über 50.000 nach Großbritannien, über 30.000 nach Frankreich, über 60.000 nach Argentinien und über 25.000 nach Südafrika, jedoch nur ca. 33.000 nach Palästina aus. Hinzuzurechen wären ca. 15.000-20.000 illegale Einwanderer, da ab 1934 die Alijah Beth ("Illegale Einwanderung", eigentlich soviel wie "sekundärer Aufstieg") begann.


Palästina selbst wurde nicht nur durch die Besatzungsmacht, sondern auch durch die 1936 einsetzenden arabischen Aufstände, die dann in Generalstreik mündeten, zunehmend unattraktiv. 1937 (Juli) schließlich lehnte die britische Peel-Kommission die Teilung Palästinas zwischen Arabern und Juden ab.


1938, kurz nach dem deutschen Einmarsch in �-sterreich (12. März), verschärfte sich dann in Reichsdeutschland aber noch einmal die Situation für Juden. Mit der so genannten Reichskristallnacht, einer Nacht voller Pogrome vom 9. November auf den 10. November, ging bei vielen die vielleicht letzte Hoffnung auf ein "vorübergehendes Phänomen Hitler" verloren. In Palästina nahmen 1938 die arabische Aufstände weiter zu, es begannen nun aber auch die von der illegalen jüdischen Organisation Etzel gegen die Briten verübten Anschläge.


1939 wurde in Deutschland die Reichszentrale für die jüdische Auswanderung bei der Gestapo eingerichtet. Mit dem Einmarsch in Nachbarländer, wie Polen (1. September), waren auch die sich schon in Sicherheit wähnenden wieder gefährdet. Mit dem Einmarsch in die neutralen Niederlande am (10. Mai 1940) wurden allein ca. 20.000 jüdische Emigranten aus Deutschland zur erneuten Flucht gezwungen, in Belgien dann 25.000, in Frankreich (Juni) 35.000. (nach: Laqueur 1972, S.528)


1941 fanden sich weitere Verschärfungen der Diskriminierung in Deutschland, wie die Pflicht, den Davidstern zu tragen (9. Januar). Mit dem Angriff auf Russland (22. Juni) begannen auch die Deportationen (Oktober). Ein Emigrationsverbot für Juden, das Himmler am 23. Oktober erließ, schnitt nun zudem die Möglichkeit ab, das Land legal zu verlassen. Es folgte die Anordnung, dass mit der Deportation der Vermögenseinzug und Verlust der Staatsangehörigkeit einherginge (November).


1941 wurde in Palästina mit dem Palmach eine jüdische "Elite-Einheit" der Haganah gegründet, derweil sich Hai Amin Al-Husseini, der Mufti von Jerusalem, in Berlin mit Hitler solidarisierte und Rommels Afrikakorps sich bereits in Libyen befand. Mit dem Beginn des Jahres 1942 (20. Januar) beschloss dann die so genannte Wannsee-Konferenz die Endlösung der Judenfrage, die in praktischer Umsetzung den gezielten und organisierten Massenmord an allen deutschen Juden meinte. Erste Versuche, die "Endlösung" praktikabel zu gestalten, wie Erschiessungen, Vergiftung mit Autoabgasen in geschlossenen LKWs etc. wurden sofort begonnen. Sowohl das Ansinnen als auch die spätere Ausführung des Holocaust scheinen recht schnell auch außerhalb Deutschlands bekannt geworden, aber ignoriert worden zu sein. Trotz jüdischer Freiwilligenbrigade in der Britischen Armee und der Biltmore Konferenz vom (9. Mai-11. Mai) in den USA, auf der gefordert wurde, die "die Tore Palästinas zu öffnen", blieben die britischen Mandatsträger angesichts der weiterhin schwelenden arabischen Unruhen bei ihrer ablehnenden Politik. Lediglich Rommel konnte vor El Alamein gestoppt werden, bevor er jüdische Siedlungen erreichte.


Im Januar 1943 kam es zum Warschauer Ghetto Aufstand. Im Februar hielt Goebbels seine Sportpalast-Rede (»Wollt ihr den totalen Krieg?«) (18. Februar). Die britische Regierung deportierte die anwachsende Zahl illegaler Palästina-Einwanderer nun nach Zypern. Siedlungsdurchsuchungen und Verhaftungen häuften sich. Zionistische Zeitungen wurden verboten. 1944 vermehrten die Organisationen Etzel und Lechi ihre Anschläge gegen die Briten, währenddessen sich der Palmach zu einer Befreiungsexpeditionen in Europa fand. Etzelmitglieder wurden von der Haganah festgesetzt und teilweise den Briten ausgeliefert.


1945 befreite die Rote Armee Auschwitz (27. Januar). Mit dem 8. Mai war der 2. Weltkrieg in Europa zu Ende. Die Alijah Beth nach Palästina verstärkte sich aber weiter - nun zunehmend mit Shoa-Überlebenden ("Bericha"), die von Hagana und Mossad geleitet wurden. Flüchtende aus Russland, dann (allein 95.000) aus Polen (wo es bereits am 4. Juli 1946 mit dem Pogrom von Kielce wieder zu ersten antisemitischen Ausschreitungen der Bevölkerung kam) kamen hinzu. Allein 1945-1946 wurden von den Briten 50.000 Illegale aus Palästina als "Displaced Persons" zurück nach Deutschland (in die US-Zone) deportiert.


Ab 1946 nahmen dann Etzel-Angriffe, vor allem auf britische Eisenbahnlinien, weiter zu. Palmach-Einheiten sprengten (vom 16. Mai - 17. Mai) zehn Brücken. Im Gegenzug vehafteten die Mandatsträger alle zionistischen Führer (29. Juni). Irgun sprengte schließlich einen Seitenflügel des King David Hotels in Jerusalem, in dem sich das britische Hauptquartier befindet (22. Juli). Die Eskalation der Unruhen zog sich dann durch das ganze Jahr 1947 - bis die Vereinten Nationen am 29. November für die Teilung Palästinas und die Gründung eines jüdischen und eines arabischen Staates stimmten.


Mit dem UN-Beschluss nahmen nun die arabischen Unruhen und Anschläge wieder zu. Der Überfall auf zwei (Egged-)Busse (30. November) gilt als Beginn des »israelischen Unabhängigkeitskrieges«. Das Ende des britischen Mandates wurde auf den 15. Mai gesetzt. Erste arabische Anschläge auf Jerusalem finden statt.


Am 14. Mai 1948 proklamierte David Ben Gurion in Tel Aviv den Staat Israel und erfüllte damit den zionistischen Traum eines eigenen Judenstaates. Ein Angriff der arabischen Anrainer (Jordanien, �,,gypten, Irak, Syrien und Libanon) misslang. Es folgte die Anerkennung des Staates Israel durch die USA und (drei Tage darauf) die Sowjetunion - und es begann die legale Masseneinwanderung aus Europa.


Seitdem befindet sich der Staat Israel aber auch in ständigem Konflikt mit den Arabern, welche meist eine Position einnehmen, die als Antizionismus bezeichnet wird. Ein Höhepunkt war die UN-Resolution 3379 der UN-Generalversammlung, in der Zionismus als eine Form des Rassismus bezeichnet wurde. Europäischer Antizionismus wird häufig mit Antisemitismus gleichgesetzt.


Literatur

  • Wolfgang Benz (Hg.), Das Exil der kleinen Leute. Alltserfahrungen deutscher Juden in der Emigration; München 1991 (Sammlung von Aufsätzen zum Alltag in der Emigration in Lateinamerika, den USA, Palästina, Schweden, Frankreich, England, den Niederlanden, Shanghai usw.)
  • Michael Brenner, Geschichte des Zionismus; München 2002 (ISBN_3-406-47984-7) (kurze und gute Darstellung der Geschichte des Zionismus von den Anfängen bis zur Gründung des Staates Israel mit weiterführenden Literaturangaben)
  • John V.H. Dippel, Die grosse Illusion. Warum deutsche Juden ihre Heimat nicht verlassen wollten; Weinheim und Berlin 1997 (gelungene Darstellung der Beweggründe, nicht auszuwandern, anhand sechs parallel erzählter Biographien (Leo Baeck, Bella Fromm, Hans-Joachim Schoeps, Max Warburg, Robert Weltsch, Richard Willstätter))
  • Norman Finkelstein, Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, München 2002 (ISBN_3720523683)
  • Sawi Hadami, Bittere Ernte. Palästina 1914-1967; (=Palästina Monographien, Band 5); Rastatt 1969 (durch eine arabisch-marxistische Sicht geprägte Monographie zur Palästinabesiedlung von den Anfängen bis zum Sechs-Tage-Krieg)
  • Rudolf Hirsch, Exil in Palästina; in: Ludwig Hoffmann u.a. (Hrsg.): Exil in der Tschechoslowakei, in Grossbritannien, Skandinavien und Palästina; (=Kunst und Literatur im antifaschistischen Exil, 5); 2. erweit. Aufl., Leipzig 1987; 605-670 (deutlich marxistisch geprägter Überblick über die Palästina-Emigration)
  • Walter Laqueur, Der Weg zum Staat Israel. Geschichte des Zionismus; Wien 1972 (israelisch-zionistisch geprägte, aber um Objektivität bemühte Darstellung bis zur Staatsgründung)
  • Amnon Rubinstein, Geschichte des Zionismus. Von Theodor Herzl bis heute, 2001 (ISBN_3-423-24267-1)
  • Leny Yāhîl, Die Shoah. Überlebenskampf und Vernichtung der europäischen Juden; München 1998 (umfangreiche, aber dennoch übersichtliche und flüssig lesbare Darstellung des Holocaust und der Rettungs- und Auswanderungsversuche)


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