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Zarathustra

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Zarathustra oder, in der griechischen Namensform, Zoroaster, war ein altiranischer Priester und Prophet. Sein möglicher Geburtsort bzw. seine Wirkungsstätte wird mittlerweile auf drei Gebiete beschränkt. Einmal die Gegend um Baktra (Baktrien), zum Zweiten die Gegend um Sistan und zum Dritten in der Gegend des Urmia-Sees (Medien). Über seine Lebenszeit herrscht bis heute keine Einigkeit in der Forschung.


Inhaltsverzeichnis


1 Lebenszeit

2 Ausbreitung

3 Grundzüge der Lehren Zarathustras

4 Avesta

5 Schöpfungsgeschichte

6 Bekannte Parsen

7 Literatur

8 Weblinks


Lebenszeit

Schon in der Antike wurde seine Lebenszeit auf 6.000 Jahre vor Plato vermutet (Plinius der Ältere).


Im Wesentlichen kann man drei Ansichten unterscheiden.


  • 1. Zarathustra lebte um 1800 v. Chr., genauer 1768 v. Chr.. Diese Ansicht vertreten insbesondere iranische Wissenschaftler (Behrūz, Derakhshani) und Boyce. Im Kontext der Besiedlung Irans wäre Zarathustra's Auftreten bereits mit der ersten Einwanderungswelle anzusetzen. Die Erwähnung des Gottes Mithra in den Gathas birgt damit Datierungsprobleme, da gesicherte Hinweise dieses Gottes erst zu späterer Zeit vorliegen und dessen Kult Zarathustra laut dem Avesta verdammt hat.
  • 2. Zarathustra lebte um 1000 v. Chr.. Diese Ansicht vertreten u.a. Eilers, Wiesehöfer, Strausberg. Diese mittlere Datierung wäre mit dem gesicherten Auftreten der iranischen Stämme der Meder und Perser kaum in Übereinstimmung zu bringen. Diese Datierung setzt das Auftreten Zarathustra's im Gebiet um Baktrien voraus. Aus diesem Grunde datiert Frye die Zeit um 800 v. Chr., da Zarathustra vor seinem "Berufungserlebnis" schon als Priester bzw. Magier tätig gewesen sein soll.
  • 3. Zarathustra lebte um 600 v. Chr.. Diese späte Variante basiert auf der Überlieferung des islamischen Gelehrten al-Biruni, der nach sassanidischer Tradition den Zeitpunkt der Berufung Zarathustra's auf 258 Jahre vor Alexander festgelegt hat. Diese Ansicht vertreten Lommel, Altheim, Hinz und Herzfeld. Damit definiert man seine Lebenszeit auf * 630 v. Chr. - † 553 v. Chr.. Nach Hinz vermutet man ein Zusammentreffen von Zarathustra und Kyros II., der dessen Lehre nicht übernahm sondern tolerant gegenüber den anderen Religionen auftrat. Eine Bestätigung des von Zarathustra genannten obersten Gottes (Ahura Mazda), wurde erst unter Dareios I. sicher nachgewiesen.


Neben unterschiedlichen wissenschaftlichen Methoden und Argumenten spielen auch ideologische Motive eine Rolle in dieser Auseinandersetzung.


Ausbreitung

Zu Zeiten des persischen Weltreiches war der Zoroastrismus (= Zarathustrismus) die Staatsreligion. Neben dem Manichäismus blieb dieser Glaube bis zur islamischen Eroberung stark verbreitet. Das "Frühlingsfest" (auf Zarathustra zurückreichend) wird heute noch im schiitischen Iran gefeiert. In der griechischen Welt (Herodot) waren die Zoroastrer als "Feueranbeter" bekannt, weil in ihren Heiligtümern immer Feuer brannten.


Zarathustra schuf das neue Weltbild des Zoroastrismus (auch Mazdaismus oder Parsismus genannt). Es gibt heute weltweit etwa 120.000


Mitglieder dieser Religion, die meisten in Indien.


Grundzüge der Lehren Zarathustras

Die Religion ist stark dualistisch (Gut/Böse) geprägt. Die Lehre Zarathustras beeinhaltet drei Grundsätze:


  • gute Gedanken
  • gute Worte
  • gute Taten


Der Gute Geist (Ahura Mazdā) und der Böse Geist (Ahriman) waren zunächst Zwillinge. Während die Welt am Anfang nur geistiger Natur war, entwickelte sich später bei der Umwandlung in die materielle Welt aus dem Geist der gute Gott und der Lügenknecht/Dämon. Dem guten Gott unterstellt sind sieben Götterwesen (Engel):


  • der gute Sinn
  • die beste Wahrheit
  • das wünschenswerte Reich
  • die segensbringende Frömmigkeit
  • Wohlfahrt
  • Nicht-Sterben
  • der segenbringende Geist


Gott hält sich an die von ihm geschaffene Ordnung, er greift in das Weltengeschehen nicht ein. Würde Gott eingreifen, könnte er das Böse sofort vertilgen; dadurch wäre aber die Verantwortung des Menschen aufgehoben.


Zarathustras Gottesdienst bestand in jeglicher Ablehnung von Opferhandlungen. Die Andachtshandlungen wurden im Freien abgehalten, bei denen der Priester um einen Feuer-Altar mit erhobenen Händen die Lobpreisungen sang.


Der Mensch hat im diesseitigen Leben die Wahl zwischen Gut und Böse. Sofern das Gute im Menschen überwiegt, gelangt der Mensch nach seinem Tode über die Činvat-Brücke (vergl. Mt 7,14 sowie Eschatologie im Islam) ins Paradies. Für den rechtschaffenen Menschen ist die Brücke breit wie ein Pfad, für den anderen schmal wie eine Messerschneide.


In einer späteren Umgestaltung, besonders unter den Sassaniden, wird die Zoroastrische Religion durch einen Zeitgott, genannt Zrvan, ergänzt. Dieser viergestaltige Gott (Ahura Mazdā, Güte, Religion und Zeit) steht über Gott und Teufel, die seine Söhne sind. Zrvan ist der unendliche Raum und die unendliche Zeit. Durch die Entstehung von Gott und dem Bösen wird das Licht von der Finsternis geschieden.


Avesta

Das religiöse Buch der Zoroastrier bestand ursprünglich aus 21 Büchern. Als Yasna bezeichnet man die überlieferten 72 Kapitel des Awesta (die heute noch bei den Parsen im Gottesdienst verwendet werden), wobei sich 16 Kapitel, die Gathas (Gesänge), direkt auf Zarathustra zurückverfolgen lassen. Niederschriften des Avesta lassen sich ab 1278 nachweisen.


Schöpfungsgeschichte

Der von Ahura Mazdā geschaffene Himmel (durch den langherrschenden Windhauch) hat die Gestalt eines Eies. Das Leben entstand danach in der Reihenfolge: Wasser, Erde, Pflanzen, Tiere und dann der Mensch.


Zarathustras Lehren sind über das Judentum (babylonische Gefangenschaft) auch in das Christentum eingeflossen und sind von ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen. Speziell die Begriffe Himmel und Hölle sind vorher im Judentum nicht bekannt. Die Ausbreitung des Engel-Wesens geht sicher auch auf Zarathustra zurück (Engelgestalten und der Glaube an sie finden sich bereits in den archaischen Hochkulturen, zum Beispiel in Babylonien und Assyrien). Siehe auch: Auferstehung.


Bekannt wurde Zarathustra in der westlichen Welt durch Friedrich Nietzsches philosophisch-dichterisches Werk "Also sprach Zarathustra" und Richard Strauss' gleichnamige symphonische Dichtung (hat aber kaum Bezug zum historischen Zarathustra).


Bekannte Parsen

Freddie Mercury (Rockband Queen) - eine musikalische Interpretation enthält "The Prophet's Song" von 1974.


Literatur

  • Boyce, Mary: A History of Zoroastrianism, 1975-
  • Boyce, Mary: Zoroastrians. Their Religious Beliefs and Practices. London: Routledge 2001 (orig. 1979)
  • Brentjes, Burchard: Die Iranische Welt vor Mohammed. Koehler & Amelang Verlag, Leipzig. 1967
  • Brünner, Elisabeth: Die Zarathustralegende in der zoroastrischen Tradition, Hamburg: Kovac 1999 (Studien zur Geschichtsforschung des Altertums 4)
  • Christensen, Arthur: Handbuch der Altertumswissenschaft. Kulturgeschichte des Alten Orients. 3. Abschnitt, 1. Lieferung. Kleinasien, Die Iranier. C. Beck Verlag, München. 1933.
  • Derakhshani, Jahanshah: Die Arier in den nahöstlichen Quellen des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. . Teheran 1998. ISBN_964-90368-1-4
  • Frye, Richard, N.: Zarathustra in: Die Stifter der großen Weltreligionen. Herder Verlag. 1998. ISBN_3-451-04669-5
  • Hinz, Walther: Zarathustra. W. Kohlhammer Verlag. 1961
  • Koch, Heidemarie: Es kündet Dareios der König. Philipp von Zabern Verlag, Mainz. 1992
  • Stausberg, Michael: Die Religion Zarathushtras: Geschichte - Gegenwart - Rituale, Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer 2002.
  • Widengren, Geo: Iranische Geisteswelt. Holle Verlag. Baden-Baden. 1961


Weblinks



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