Der herausnehmbare Zahnersatz ist unterteilt in bedingt und unbedingt herausnehmbar. Der Unterschied ist einfach am Beispiel einer Türe zu erklären; die Schwingtüre geht "unbedingt" ohne vorherige Aktionen auf, die Haustüre nur durch vorheriges Aufschließen mit einem Schlüssel, also bedingtes Öffnen. Beim Zahnersatz ist es ein winziger Riegel, ähnlich einem Türriegel oder Scharnier, der vorher mit dem Finger oder z.B. einer aufgebogenen Büroklammer zu öffnen, bzw. zu entriegeln ist, bevor der Zahnersatz herausgenommen werden kann.
Der "unbedingt" herausnehmbare Zahnersatz ist entweder in der einfachsten und preisgünstigsten Ausführung durch eine Kunststoffprothese mit aus Draht gebogenen Klammern über eine Modellgussprothese mit gegossenen Klammern bis hin zur komfortablen Ausführung als Teleskopprothese einfach durch Zug am Zahnersatz herauszunehmen.
Festsitzender Zahnersatz
Unter festsitzendem Zahnersatz versteht man Kronen, Brücken, Inlays aus Metall, Keramik oder Kunststoff, die im Mund auf die beschliffenen Zahnstümpfe mittels eines Spezialklebers oder Zements befestigt werden. Aus diesem Grund nennt man ihn festsitzend. Für die Herstellung von festsitzendem Zahnersatz wird vom Zahnarzt kranke Zahnsubstanz abgeschliffen und Abformungen von den Zähnen hergestellt. Diese werden anschließend an ein Dentallabor geschickt. Dort wird dann von Zahntechnikern mit erheblichem technischen Aufwand feinhandwerklich Zahnersatz hergestellt und an den Zahnarzt als fertiges Produkt geliefert.
Ein mittlerweile weit verbreitetes und lange bewährtes Verfahren in der Zahnheilkunde ist das Implantat. Es wird verwendet, wenn ein einzelner Zahn fehlt und die Nachbarzähne gesund sind und deshalb nicht beschliffen werden sollen, oder bei zahnlosen, sehr flachen Kiefern, wenn eine normale Prothese alleine nicht hält.
Der Kieferchirurg oder der Zahnarzt implantiert künstliche Wurzeln, z.B. aus einer Titanlegierung, in den Kieferknochen, was je nach Anzahl der Implantate ein bis drei Stunden dauert. Nach einigen Monaten Einheilzeit (Verwachsen des Titans mit der Knochensubstanz) wird dann vom Zahnarzt eine Abformung mittels Silikonmaterials im Mund angefertigt, der dann zur Herstellung des Zahnersatzes (Krone oder Brücke) in das Dentallabor geschickt wird. Der fertige Zahnersatz wird vom Zahnarzt entweder einzementiert oder im Implantat verschraubt, was ein bedingtes Herausnehmen durch den Zahnarzt zwecks Kontrolle oder Reinigung ermöglicht.
(Anmerkung: Kronen, Teilkronen und Einlegefüllungen (Inlays) sind, da sie keinen fehlenden Zahn ersetzen, kein Zahnersatz im eigentlichen Sinn, werden aber wegen des gleichen Herstellungsverfahrens trotzdem oft dazugerechnet.)
Neue Methoden in der Zahntechnik
Seit einiger Zeit wird Zahnersatz auch im CAD/CAM-Verfahren hergestellt. Dies garantiert hohe und gleichbleibende Materialqualität bei unveränderten Kosten.
Neue Materialien für Zahnersatz sind Zirkonoxid und Titanlegierungen, wobei letztere schon relativ lange im Gussverfahren hergestellt werden. Die maschinelle Fertigung ermöglicht nun eine fehlerlose Herstellung in sehr guter Qualität und gleichzeitig günstige Preise, weil die Rohmaterialien für Titanprodukte, nämlich Ilmenit, Rutil, Anatas und Brookit, weltweit in großen Mengen verfügbar sind.
Zirkonoxid ist eine sehr harte Keramik, die mehrere positive Eigenschaften für Zahnersatz aufweist:
die weiße Farbe
die richtige Menge an Lichtdurchlässigkeit
die Biokompatibilität.
Zirkonoxid wird als Unterbau für Kronen und Brücken verwendet, darauf wird eine kiefergelenkfreundliche weichere Keramik in der passenden Zahnfarbe aufgebrannt. Damit ist eine deutlich verbesserte Nachahmung natürlicher Zähne möglich, wie sie bei Kronen und Brücken mit Metallanteil nicht erreichbar waren. Die Kosten sind etwas höher als die herkömmliche Art, Kronen und Brücken herzustellen (Kombination Gold-Keramik). Da Goldlegierungen in den letzten Jahren jedoch teurer geworden sind, fällt die Entscheidung heute oftmals auf Zirkonoxid.
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