Zählen bedeutet umgangssprachlich, als gleich vorausgesetzte Objekte (Gegenstände, Menschen) durch zu nummerieren, so dass man ihre Anzahl erfährt. Vgl. dazu Zählung.
Zur Biosoziologie des Zählens
Zählen ist eine sprachliche Fertigkeit, die im strengen Sinn vermutlich erst der "Mensch" im Lauf seiner biosozialen Phylogenese erworben hat. Tiere, etwa Vögel, können nach dieser Annahme wohl bemerken, dass bei kleinen Anzahlen (z.B. ihrer Eier) etwas 'fehlt', aber sie noch nicht durchzählen. Da - nach Dieter Claessens (Das Konkrete und das Abstrakte, 1980) - für den Menschen diesseits des Tier-Mensch-Übergangsfeldes zunächst buchstäblich "kein Ei wie das andere aussah", gehört zum Zählen ein geschärftes Abstraktionsvermögen.
Dass etwas paarweise auftritt (Augen, Ohren, Hände), musste noch nicht notwendig dazu führen, dass Menschen auf das "Zählen" kamen. Denn als Erstes musste sich ihnen die Doppelung - die Zwei - körperlich und konkret aufdrängen. Eine sprachliche Alternative zum Zählen ist hier der Dual, die "Zweizahl", die neben den Singular (die "Einzahl") tritt und alle Substantiv- und Verbformen entsprechend durchzieht. Die (zunächst anzunehmende) enge Bindung dieser Form der Zweizahl an den achsensymmetrischen menschlichen Leib und das allgemeine Auftreten des Duals in allen insoweit erschlossenen indoeuropäischen Sprachen lassen darauf folgern, dass man in seiner Entstehungszeit noch nicht oder nur mühsam über die Zwei hinaus "bis Drei zählen konnte". Vielerlei gleich zu setzen, um es dann zu zählen, erfordert eine neuartige Abstraktionsleistung. Daraus folgt wiederum, dass vermutlich der Dual historisch älter als der Plural (die "Mehrzahl") ist.
Auch liegt, wenn sich die "Zweizahl" in der Überlebenspraxis als unzureichend bemerkbar macht, die alsbaldige 'Erfindung' des "Plurals" immer noch nicht zwingend nahe. In einigen Sprachen wurden als Numerus analog zum Dual erst noch die "Dreizahl" (der Trial), sogar dann noch die "Vierzahl" (der Quadral) und der 'kleine Plural' (der Paukal) entwickelt.
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