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Zach, Franz Xaver von
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Biografie / Biographie / Biography

* 4. Juni 1754 - † 1832

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Freiherr Franz Xaver von Zach (* 4. Juni 1754 in Preßburg, † 1832 in Paris) war der bekannteste deutsch-österreichische Astronom der Goethezeit, aber auch Geodät, Mathematiker, Wissenschaftshistoriker und Offizier. Er machte sich vor allem um die Erforschung des Sonnensystems und die Organisation der internationalen Astronomie verdient, was unter anderem durch die Benennung eines Mondkraters nach Zach gewürdigt wurde.


Baron Zach lebte und arbeitete in mehreren Staaten Europas. Seine bedeutendste Wirkungsstätte war Gotha, wo er die erste Sternwarte Deutschlands gründete. Vorher hatte er Vermessungsarbeiten in Österreich geleitet und längere Zeit in London gelebt, ab 1909 hielt er sich vornehmlich in Marseille sowie in Genua und Paris auf.


Er war ein sehr kontaktfreudiger Mensch von "farbigem Charakter" und äußerst effektvoller Organisator der im Umbruch befindlichen Wissenschaften. Er hatte Beziehungen zu zahlreichen Kollegen und Personen der Zeitgeschichte. Sein reger Briefwechsel mit Persönlichkeiten wie Gauß und Bessel, den Astronomen J.Schröter oder Wilhelm Olbers, und vielen politischen Entscheidungsträgern ist eine Fundgrube für Historiker und für Zusammenhänge zwischen Gesellschaft, Forschung und Politik.


Inhaltsverzeichnis


1 Astronom und Manager der Wissenschaft

2 Sternatlas

3 Eine modern anmutende Operation

4 Literatur und Weblinks


Astronom und Manager der Wissenschaft

Das Observatorium auf dem Seeberg bei Gotha, das Zach von 1787 bis 1806 leitete, gründete er im Dienste von Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha; in heutigem Sprachgebrauch würde man ihn dessen "Wissenschaftsminister" nennen. Als Professor für Astronomie an der Universität Gotha war er akademischer Lehrer von zahlreichen bedeutenden Wissenschaftern, unter anderem von Alexander von Humboldt, den er in aktuelle Methoden der Naturwissenschaften und den präzisen Umgang mit Messinstrumenten und deren Datenverarbeitung einführte.


Freiherr von Zach gründete die ersten astronomischen Fachzeitschriften (Zachs Monatliche Correspondenz, Allgemeine Geogr. Ephemeriden und Correspondance Astronomique) und veranstaltete den ersten Kongress für Astronomie, der 1798 in Gotha die internationale Astronomie versammelte. Aus Anlass einer weiteren Tagung gründete er 1800 mit J.H. Schröter (1745-1816) die Vereinigte Astronomische Gesellschaft, um die Verbreitung von Fachwissen und Entdeckungsdaten zu fördern. Auch die "Himmelspolizey" von 24 europäischen Sternwarten zur Suche nach Asteroiden geht maßgeblich auf seine Initiative zurück - siehe die Wiederauffindung der Ceres 1801 und die Entdeckungen der nächsten drei Planetoiden Pallas, Juno und Vesta in den Jahren 1802 bis 1807.


Als geodätisch tätiger Astronom hat Zach junge Fachkollegen in die Technik der Beobachtung eingearbeitet und bei der präzisen Auswertung der Daten beraten, die vor der Erfindung der Ausgleichungsrechnung durch Gauß um 1810 sehr viel Erfahrung erforderte. Den wissenschaftlichern Nachwuchs beriet und motivierte er fast im Sinne modernen Managements und empfahl ihn bei der Besetzung freier Stellen. Nur ganz selten wurden Zachs Empfehlungen mißachtet - so bei Charles Rümker, der dann statt an Hamburgs neuer Sternwarte ein berühmter Astronom Australiens wurde (siehe Komet Encke und Brisbane).


Zachs eigene Sternwarte auf dem Gothaer Seeberg war eine der modernsten Forschungsstätten um 1800. Im Sommer 1801 stattet ihr Goethe einen langen Besuch ab, den er als "angenehmen und lehrreich" beschrieb und 1829 im Roman "Wilhelm Meisters Wanderjahre" literarisch verarbeitete.


Baron Zach begründete in Gotha neben der Sternkunde auch die wissenschaftliche Geografie, die dort später von Perthes und Petermann fortgeführt wurde.


Seiner Neigung zur Organisation und Geschichte der Wissenschaften folgte Zach noch in späteren Jahren.


Sternatlas

Zach zählt auch zu den ersten Forschern der Neuzeit, denen die Verbreitung astronomischen Wissens für die Allgemeinheit am Herzen lag. Als bemerkenswertestes Beispiel dieser Bestrebungen sei der mit C.F.Goldbach herausgegebene Sternatlas genannt:


"NEUESTER HIMMELS-ATLAS zum Gebrauche für Schul- und Akademischen Unterricht", nach Flamsteed, Bradley, Tob.Mayer, De la Caille, Le Français de la Lande und v.Zach, in einer Manier, mit doppelten schwarzen Stern-Charten bearbeitet; durchgehend verbessert, und mit den neuesten astronomischen Entdeckungen vermehrt von C. F. Goldbach. Revidirt auf der Sternwarte Seeberg bey Gotha; und mit einer Einleitung begleitet vom Hrn. Obristwachtmeister von ZACH.


Der Sternatlas erschien 1799 im Verlage des Industrie-Comptoirs Weimar und beinhaltete 52 Kupferstiche "in Schwarzerkunst" (was eine bis dahin unübliche, aber didaktisch eindrucksvolle Darstellungsmanier mit hellen Sternen auf dunklem Hintergrund bedeutet), und weitere (übliche) Kupfer auf weißem Grund.


Zum Anliegen dieser Publikation schreibt F. v. Zach in der Einleitung: "Bey gegenwärtiger Unternehmung war es daher Hauptzweck, Liebhabern und Anfängern in der Sternkunde eine Reise durchs zahllose Stern-Heer zu erleichtern. Der unterscheidende Charakter gegenwärtiger Karten, vor allen andern dieser Art, ist vorerst, dass alle Umrisse der Sternbilder, alle Sternzeichen, Buchstaben und Benennungen auf schwarzen Grunde weiss dargestellt werden. Eine Probe und Ankündigung dieser Karten habe ich in dem September-Hefte der Allgemeinen geographischen Ephemeriden 1798 S. 212 mitgetheilt, und ich hegte damals schon die Meinung, dass solche Himmelskarten in Schwarzerkunst für angehende Astrognosen, für Kinder, unverkennbare Vorzüge vor den gewöhnlichen haben müssten, weil Karten dieser Manier den gestirnten Himmel viel deutlicher versinnlichen, die Aehnlichkeiten, Gestalten, Lagen und Configurationen der Sterngruppen weit fasslicher dem Auge darstellen, dasselbe bei nächtlicher Erleuchtung nicht blenden und ermüden, wie dies der Fall bei den gewöhnlichen Karten auf weissen Grunde ist. [...]"


Eine modern anmutende Operation

Nach längerem Wirken in Frankreich (ab 1809) und in Italien schloss er 1821 in Genua Freundschaft mit dem Berner Arzt und Chirurgen von Schiferli (1775-1837), der als Oberhofmeister der russischen Grossfürstin Anna Feodorowna während eines Kongresses in Verona weilte. Vom folgenden regen Briefwechsel sind einige Schreiben nach Bern erhalten, in deren Themen von 1826 bis zu Zachs Tod dessen Blasensteine einen "gewichtigen" Platz einnehmen. Nach Schiferlis Diagnose ließ sich Zach in Paris vom Urologen Jean Civiale (1792-1867) nach einer neuen Methode behandeln: mit dem «Lithotriptor», der durch die Harnwege eingeführt wurde, konnten die Steine zerbohrt und anschließend unblutig ausgespült werden.


Selbstironisch und wissenschaftlich akribisch schildert der Astronom dem Arzt seine Leidensgeschichte und lässt den heutigen Leser der Briefe die Krankheitsphasen emotional miterleben - mit ihrer Bewältigung, Entmutigung, Hoffnung auf die neue Behandlungsmethode, die Freude über die (leider nur scheinbare) Genesung und die Ergebung ins Geschick. Zach dokumentiert in den Briefen (siehe 5.Weblink) diese bahnbrechende Neuerung der Urologie und stellt einen schillernden und gleichzeitig exakten Zeitzeugen der damaligen Medizin und der Zustände im Königreich Sardinien und im Paris der Restauration dar. Zachs Mut, sich der Vorgängermethode der Lithotripsie zu unterziehen, entspricht jener Entscheidungsfreude, die auch sein wissenschaftliches Leben prägte.


Literatur und Weblinks



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