Xenophon aus Athen gehörte in seiner Jugend zum Schülerkreis um den PhilosophenSokrates. Mit einem griechischen Söldnerheer zog er weit in das von einem Bürgerkrieg erschütterte Perserreich. Nahe Iskenderun verloren "die Zehntausend" durch Meuchelmord ihr gesamtes Offizierskorps, Xenophon (der eher aus Abenteuerlust einen Freund begleitet hatte) ermutigte jedoch die Truppe zum Abmarsch auf die gefährliche Nordroute durch Anatolien und führte sie als gewählter strategos (~ "Oberst") mit an. Berühmt als literarischer und historischer Topos für eine Rettung nach langer Mühsal wurde, wie das ganze Heer auf der letzten Hügelkette vorm Schwarzen Meer in den Ausruf "Thálatta! Thálatta!" (griechisch: "das Meer!") ausbrach und auf ein Mal zu laufen begann.
Nach dem Justizmord an Sokrates wandte sich Xenophon von seiner Vaterstadt ab und wurde ein Freund des spartanischen Königs Agesilaos, kämpfte auch mit ihm gegen seine Heimat Athen, in die er lange nicht zurückkehren durfte. Sein reifes Leben verbrachte er als Autor und Gutsherr auf der Peloponnes; daher auch seine vorzüglichen Kenntnisse von Landwirtschaft und Viehzucht.
Werke
Anábasis (wörtlich: "Hinaufmarsch"), Bericht über den "Zug der 10.000" in das Perserreich und zurück
Helleniká, Geschichte Griechenlands von 411 (direkter Anschluss an das Werk des Thukydides) bis 362 v. Chr.
Agesiláos, Lobschrift auf den spartanischen König
Apologie des Sokrates, hypothetische Verteidigungsrede des Philosophen vor seinen Richtern
Memorabilien, Erinnerungen an Sokrates
Oikonomikós, Lehrbuch der Hauswirtschaft
Sympósion, Dialog ähnlich dem gleichnamigen Werk Platons
Kyrupädie ("Erziehung des Kyros"), Bildungsroman über den als idealen Herrscher dargestellten persischen König Kyros II.
Der Staat der Lakedaimonier, Beschreibung der - von ihm geschätzten - spartanischen Verfassung und Lebensweise
Kynegetikos, Abhandlung über die Jagd, vor allem mit Hunden
Hipparchikós, Abhandlung über die Aufgaben eines Reiteroffiziers
Über die Reitkunst
Über die Staatseinkünfte, Vorschläge zur Verbesserung der angeschlagenen Volkswirtschaft Athens
Fortleben
Xenophons Werke, insbesondere die sokratischen Schriften und die Anabasis, waren unter anderem wegen ihrer nüchtern-klaren Sprache lange Zeit eine beliebte Lektüre (letztere etwas beeinträchtigt, das sie als erster Lesetext des Griechischunterrichtes der Gymnasien diente). Da Xenophon teilweise Augenzeuge der berichteten Ereignisse war, ist er eine wichtige (wenn auch stets kritisch zu betrachtende) Quelle für die griechische Geschichte des 4. Jahrhunderts v. Chr. Auch für die Philosophiegeschichte ist er wichtig als kritische Ergänzung zur Darstellung des Sokrates in den Werken Platons. Seine Werke Hipparchikos und Über die Reitkunst werden heute vielfach als Grundlage der Hippologie gesehen. Die dort zu findenden Hinweise haben auch heute noch unverändert Gültigkeit.
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