Geboren im kleinasiatischen Kolophon, führte Xenophanes ein unstetes Wanderleben; mit 25 wurde er aus seiner Heimatstadt vertrieben (Diogenes Laertios IX 18) und wanderte 76 Jahre durch die griechischen Lande. Wir wissen nicht genau, wohin er kam und was er tat. Vertreter einer Zeit des Wandels, der Morgenröte des klassischen Hellas, hebt Xenophanes ganz im Hegelschen Sinne das Erbe der vorklassischen Welt auf; er ist der Erste, der dies auf eine greifbar systematische Art tut, der "Sturmvogel der griechischen Aufklärung". Nicht zufällig ist Xenophanes auch, wie Werner Jaeger sagt, "der erste griechische Denker, der als Persönlichkeit fassbar ist."
Xenophanes Lehre war schon den 'Sokratikern', also Platon und Aristoteles, recht unklar. Bereits Heraklit hatte über ihn gesagt, dass das Kennenlernen vieler Dinge ihn nicht Verstehen gelehrt habe, und Aristoteles hielt ihn für etwas schlicht (Metaphysik 986b 26). Aus der Antike haben wir sonst kaum Testimonia; auch zu seiner Philosophie gibt es nur wenige einzelne Bemerkungen. In der modernen Debatte änderte sich das radikal, wenn diese auch komplex und kontrovers geführt wurde und teilweise auch noch wird. Die Faszination des Fragmentarischen steigert natürlich die Möglichkeit zu 'kreativer Interpretation' mit all ihren Gefahren.
Xenophanes schrieb satirisch unter anderem über die Vielzahl und Menschenähnlichkeit der griechischen Götter. Nach ihm schufen nicht die Götter die Menschen, sondern die Menschen die Götter (Wenn die Pferde Götter hätten, sähen sie wie Pferde aus). In seinem philosophischen Hauptwerk ("Über die Natur") vertritt er einen Monotheismus, dessen Gott ewig, einheitlich, unbeweglich und von vollkommener Gestalt sei, wobei das Pantheon der (nunmehr lokalen) Gottheiten aber durchaus erhalten bleibt.
Bis in die 1950er Jahre hinein wurde - aufgrund falscher doxographischer Überlieferung schon seit der Antike, unter anderem des Aristoteles, häufig angenommen, Xenophanes sei ein Eleatischer Philosoph gewesen, da er auch in Elea (römisch: Velia) an der Küste Lukaniens (Unteritalien) gewirkt hat. Mit den Eleaten ist er aber nach heutiger genereller Ansicht überhaupt nicht verbunden, auch nicht mit Parmenides (oder gar Zenon von Elea) - wie Friedrich Nietzsche bereits erkannt hatte, muss ihre Anwesenheit am gleichen Ort Zufall gewesen sein.
Xenophanes hat aus Fossilienfunden auf einem Berg unter anderem geschlossen, dass das Wasser einst die ganze Erde bedeckt haben muss.
Bibliographie
Ausgaben
H. Diels and W. Kranz (eds.), Die Fragmente der Vorsokratiker, 6. Aufl. Zürich 1968 (Standardausgabe)
B. Gentili and C. Prato (eds.), Poetarum Elegiacorum Testimonia et Fragmenta 1, Leipzig 1988 (bester Griechischer Text)
J.H. Lesher (ed.), Xenophanes. Fragments, Toronto 1992 (gute Englische Ausgabe)
H. Fränkel, "Xenophanesstudien", Hermes 60 (1925), 174-192
E. Heitsch, Xenophanes und die Anfänge kritischen Denkens. Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Abh. d. Geistes- und Sozialwiss. Kl., 1994, H. 7
W. Jaeger, The Theology of the Early Greek Philosophers, Gifford Lectures 1936, repr. Westport, Ct. 1980
K. Jaspers, The Great Philosophers 3, New York etc. 1993
R. Kattel, "The Political Philosophy of Xenophanes of Colophon", Trames 1(51/46) (1997), 125-142
O. Kaiser, "Der eine Gott und die Götter der Welt", in: Zwischen Athen und Jerursalem. Studien zur griechischen und biblischen Theologie, ihrer Eigenart und ihrem Verhältnis, Berlin - New York 2003, 135-152
K. Ziegler, "Xenophanes von Kolophon, ein Revolutionär des Geistes", Gymmasium 72 (1965), 289-302
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