Als Wunder gilt in einem magisch-mythischen Verständnis und auch in vorwissenschaftlicher Sicht all das, was über das Alltägliche und Gewöhnliche herausgeht und in diesem Sinn als "wunderbar" hervorragt. Philosophisch-theologische Reflexion wird präziser formulieren und als Wunder all jene Ereignisse und Geschehnisse anführen, die sich durch Gottes Wirken außerhalb der geltenden Ordnung der natürlichen Gesetze ereignen.
Gegenüber der Möglichkeit von Wundern sind verschiedene Standpunkte möglich: Der weltanschauliche Agnostizismus und Skeptizismus, der sich mitunter als Rationalismus, aber auch als Empirismus ausgibt, stellt die Möglichkeit von Wundern grundsätzlich in Frage; ebenso der Atheismus. TheistischeReligionen und damit kompatible Philosophien rechnen grundsätzlich mit der Möglichkeit von Wundern. Bestimmte religiöse Gruppen und Strömungen können als ausgesprochen "wundersüchtig" bezeichnet werden, indem hier das Spektakel und die Sensation sowie die gefühlsmäßige Ergriffenheit im Vordergrund stehen, während rationale Überlegungen zurückgedrängt werden und die Wahrheitsfrage ungelöst bleibt.
Die Frage, ob durch Wunder wirklich die Naturgesetze außer Kraft gesesetzt werden, ist kontrovers. Die traditionelle Antwort lautet "Ja", da man darin einen Beweis für die Größe und Freiheit Gottes sieht, des Herrn seiner Schöpfung, der die Macht hat, der Natur ihre Gesetze zu geben und auch Ausnahmen zu verfügen. Eine moderne Antwort, die sich teilweise vom veränderten Begriff des Naturgesetzes durch die moderne Physik (z.B. HeisenbergsUnschärferelation) inspirieren läßt, nimmt an, dass die Naturgesetze als solche schon eine gewisse Offenheit aufweisen, die der Einwirkung geistiger Realitäten und letztlich Gott gegenüber nicht grundsätzlich fremd sein können.
In biblischer Deutung gelten die Wunder Jesu (Naturwunder, Heilungswunder, Dämonenaustreibungen) als "Zeichen" für die Größe Jesu und seine göttliche Sendung. Wenn Menschen (im uneigentlichen Sinn) Wunder wirken, so wirkt Gott in ihnen, denn er allein hat die letzte Macht über seine Schöpfung. Wunder geschehen also immer durch Gott. Sie sollen den Glauben nicht ersetzen, sondern zu ihm hinführen. Wundertaten werden auch zu den Gaben des Heiligen Geistes gezählt.
Josef Imbach: Wunder. Eine existenzielle Auslegung. Echter, Würzburg 1995 ISBN_3-429-01675-4
Ernst Keller, Marie-Luise Keller: Der Streit um die Wunder. Kritik und Auslegung des Übernatürlichen in der Neuzeit. Gütersloh 1968
Ulrich Mann: Das Wunderbare. Wunder, Segen und Engel, Gütersloh 1979 (Handbuch Systematischer Theologie Bd. 17)
Bela Weissmahr, Otto Knoch: Natürliche Phänomene und Wunder, in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, Teilband 4, Freiburg i. Br. 1982
Fritz Fenzl: Wahre Wunder. Aufzeichnungen aus dem geheimen Archiv des Pater Frumentius über das Wirken von Engeln und Dämonen. Nymphenburger, München 2000 ISBN_3-485-00853-2
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