Unter Wüstungen versteht man aufgegebene Siedlungen oder Wirtschaftsflächen, die weitgehend verfallen und von Pflanzen überwuchert sind. Im weitesten Sinne zählt man auch aufgegebene Straßen, Almen, Militärflächen und industrielle oder handwerkliche Anlagen dazu. (Demnach unterscheidet man zwischen Siedlungswüstung (Ortswüstung), Wegwüstung, Feldwüstung (Flurwüstung) und Anlagenwüstung. Zusätzlich wird eine Unterscheidung in partielle und totale Wüstung getroffen.) Im Meer untergegangene Ortschaften (z.B. Eidum) bezeichnet man hingegen nicht als "Wüstung".
Mit Siedlungswüstungen bezeichnet man völlig aufgegebene dörfliche Siedlungen, die vom Kulturland wieder zur "Wildnis" wurden. Ausgeprägte Wüstungsvorgänge gab es während des frühen und späten Mittelalters und in der Keltenzeit. Auch in der Antike gab es solche Wüstungen, ohne dass man sie für gewöhnlich als solche bezeichnet. Auch im 20. Jahrhundert kam es in den Alpen und anderen Gebirgen zur Auflassung von Almgebieten als einer Form der Wüstung von Kulturland.
Die letzten Wüstungen in Mitteleuropa entstanden aus militärischen Gründen, die größten in der Zeit der Völkerwanderung.
Durch die Ausweisung von Truppenübungsplätzen nach 1933 im Deutschen Reich wurden größere Landstriche entvölkert. Die dort lebende Bevölkerung wurde entschädigt und umgesiedelt. Die Ortschaften sind z.T. heute noch als Ruinenfelder erkennbar.
Truppenübungsplätze mit größeren Wüstungen sind Grafenwöhr, Hohenfels in der Oberpfalz und Allentsteig in Niederösterreich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden durch den Eisenen Vorhang weitere Wüstungen auf dessen östlichen Seite, da grenznahe Ortschaften aus militärischen Gründen geschleift wurden.
Viele Wüstungen werden nur zufällig entdeckt, weil sie von Wald oder Buschwerk überwachsen sind bzw. durch Erosion eingeflacht wurden. Manchmal machen sich verborgene oder eingeebnete Wüstungen in Luftbildern bei flachem Sonnenstand durch ihren Schattenwurf bemerkbar. Andere Arten sind aus der Luft oder mit Satelliten-Fotogrammetrie erkennbar, weil sie - wie auch antike Grundmauern) - Farbanomalien im Boden oder bei Bewuchs und Ackerpflanzen verursachen.
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