Wülfrath ist eine Stadt im Niederbergischen Land gelegen an den Ausläufern des Bergischen Landes zwischen Rhein, Ruhr und Wupper. Der alte Ortskern liegt in einem kleinen Tal, welches vom Fluss Anger durchflossen wird. An den Hängen des Tales breiten sich die neueren Ortsteile aus.
Das Wülfrather Stadtwappen, das sich nach 1840 aus einem alten Kirchsiegel der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde entwickelte, wurde durch den Düsseldorfer Heraldiker und Kunstmaler Wolfgang Pagenstecher im Jahre 1938 neu gestaltet und durch den Oberpräsidenten der Rheinprovinz offiziell anerkannt. Es zeigt einen Hirten, der einem ihn angreifenden Wolf seinen Stecken (Stab) in den Rachen stößt. Diese Darstellung soll einerseits den Sieg des Guten über das Böse symbolisieren und andererseits auf das entstehen des Ortskernes verweisen. An den Siedler Wolf, von dem angenommen wird, dass er der Begründer der Stadt ist, erinnert sie allerdings kaum.
Geschichte
Wülfrath war eine der ersten Rodungssiedlungen im großen frühmittelalterlichen Reichforst. Die Grenzen wurden in einer Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs IV. vom 16. Oktober1105 mit den Flussläufen Rhein, Ruhr und Düssel (Tussella) eingegrenzt. Die Ostgrenze war der alte Höhenweg der "Kölnischen Straße" (strata colonensis). Dieser verlief von der Werdener Ruhrbrücke über Velbert und Wülfrath entlang der Düssel weiter in Richtung Köln. Das Zentrum des mittelalterlichen Dorfes war ein Herrenhof. Hierzu gehörte ein ausgedehnter Hofverband mit vielen Einzelhöfen in den Hohnschaften Erbach und Püttbach.
Das Dorf Wülfrath wurde gegen Ende des 11. Jahrhunderts als Wolverothe (= Rodung des Ansiedlers namens Wolf) erstmals schriftlich in einem Pergament des Stiftes Kaiserswerth erwähnt. Die Ursprünge liegen viel weiter zurück. Ausgehend von der Sage um den von seiner Sippe ausgestoßenen SiedlerWolf, der an der Stelle der heutigen Stadtmitte den damals reichlich vorhandenen Wald gerodet haben soll um sich dort niederzulassen, lässt sich die Stadtgeschichte bis etwa in das Jahr 713 zurück verfolgen.
Zu diesem Zeitpunkt muss in etwa der erste Kirchenbau (eine kleine, frühmittelalterliche Saalkirche mit Rechteckchor) an der Stelle des heutigen Kirchplatzes stattgefunden haben. Dort steht seit dem 11. Jahrhundert eine romanischeKirche, die im 15. Jahrhundert durch gotische Elemente erweitert wurde. Turm und Nordseitenschiff mit Scheidemauer zum Mittelschiff (romanisch - 12. Jh.). Mittelschiff (gotisch - um 14. Jh.). Südschiff (spätgotisch - 1524 vollendet). Die Kirche wurde mit Wohnhäusern und Geschäften ringförmig umbaut und ist seither Mittelpunkt eines in seiner Geschlossenheit einmalig schönen altbergischen Kirchplatzes. Diese Wohnhäuser bestehen zum größten Teil heute noch im Originalzustand und stehen unter Denkmalschutz, andere wurden wieder aufgebaut. Jedes dieser Häuser hatte (und hat auch heute noch) neben der Hausnummer einen Namen: Auf'm Keller (1678), Hamels (1678), Melanders (1678), Op der Ley (etwa 1600 - ausgebaut 1911), Auf'm Haus (1678), Großer Klaus (1686 - wiederaufgebaut 1964), Kleiner Klaus (1678), Scholle (1678), Hinter'm Turm (1678), Jostenhaus (erbaut etwa 1738), Hechtsteinhaus (1678), Op de Trapp (1678) und Leonhards (wiederaufgebaut 1955).
Im Jahr 875 lässt sich die erste urkundliche Erwähnung der Hohnschaften und heutigen Stadtteile Flandersbach (Flatmarasbeki = der Bach, an dem Flattmar sich niederließ) und Rützkausen (Hrotsteninghuson = bei den Häusern der Sippe des Hrotsen) in einer Urkunde des Klosters Werden an der Ruhr nachweisen. 1050 fanden der Erbau der katholischen Kirche in Düssel (Dussela) statt und das Bauerngut Hammerstein wird zum ersten mal in einer Urkunde genannt. Um das Jahr 1100 wurde schließlich der Ortsname Wülfrath (Wolverothe) in einem von Mönchshand geschriebenen Pergament des Stiftes Kaiserswerth erstmals genannt.
Bereits für das Jahr 1265 lässt sich anhand der Steuer- und Zinsregister ein Schmied bezeugen. Das Gut Püttbach in der gleichnamigen Wülfrather Hohnschaft ist im Jahr 1392 im Besitz des Deutschen Ritterordens. Es wurde der Oberhof für den Streubesitz des Ordens, in dem alljährlich auch das Hofgericht abgehalten wurde.
1578 kam es im Dorf zu einem Großbrand, der die Siedlung in Asche legte und das Dach mitsamt dem Turmhelm der Kirche in Flammen aufgehen ließ. Um den schwer geschädigten Einwohnern zu helfen, erließ der Landesfürst, Herzog Johann Wilhelm IV. von Jülich-Kleve-Berg, im Jahr 1579 einen Marktbrief welcher seinem "Dorff und Kirspel Wulfrod" vier freie Jahrmärkte verlieh. Doch kaum war dieser Brand vergessen, wurde das Dorf genau einhundert Jahre später wieder von einem Großbrand verwüstet. Der gesamte Ortskern mit über 70 Häusern wurde in ein Trümmerfeld verwandelt.
Auch die Kriege hinterließen ihre Spuren in Wülfrath. 1805 bereitete Napoleon der bayerischen Regierung des Herzogtums Berg ein Ende und übernahm das alte Herzogtum. Nur ein Jahr später gründete er einen neuen Staat und übertrug diesen seinem Schwager Joachim Murat, der sich fortan Großherzog von Berg nennen durfte. Aus den sechs Hohnschaften Erbach, Püttbach, Flandersbach, Rützkausen, Ober- und Unterdüssel wurde die Bürgermeisterei (Mairie) Wülfrath gebildet. Im Jahr 1808 übernahm Napoleon selbst die Regierung des Großherzogtums. Nach den Befreiungskriegen kam der Ort - als Teil der neugebildeten Rheinprovinz - 1813 zu Preussen.
Durch Verordnung wurde Wülfrath 1827 zur Vertretung im Stande der Städte in den Rheinischen Provinziallandtag berufen. 1856 erhielt es durch die Verleihung der Städteordnung für die Rheinprovinz endgültig die vollen Stadtrechte.
Die kommunale Neugliederung im Jahr 1975 bescherte der Stadt einen großen Gebiets- und Bevölkerungsverlust. Die Einwohnerzahl sank um über 5.000. Gebietsteile der Oberen Flandersbach mussten nach Velbert, Gebietsteile der Düsseler Höhe und Hahnenfurth sowie der Ortsteil Dornap nach Wuppertal abgegeben werden.
Im Jahre 2001 wurde ein Teil der historischen Altstadt wieder ein Raub der Flammen. In der Nacht zum 21. Januar brach im Kern der Altstadt ein Feuer aus, dem drei alte Fachwerkhäuser zum Opfer fielen. Die völlig zerstörten Häuser mussten abgerissen werden und wurden mittlerweile durch moderne Neubauten ersetzt.
Industrie
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatten sich mehr als 100 Handels- und Gewerbebetriebe niedergelassen. Es handelte sich hierbei um größere Hausbetriebe - meistens Heimwebereien. Nach 1850 wurden die ersten größeren Betriebe mit Dampfkraft gegründet. Trotz der damaligen starken Industrialisierung ging der landwirtschaftliche Charakter nicht ganz verloren. Heute bestehen nur noch vereinzelte landwirtschaftliche Betriebe. Prägend für Wülfrath war die Gründung der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke Dornap im Jahre 1887 und der Rheinischen Kalksteinwerke Wülfrath im Jahre 1903. Bis heute sind diese Werke der Schwerpunkt der Wülfrather Industrie (größte Kalksteinbrüche Europas). Daneben gab es noch zahlreiche Webereien, Lederverarbeitungsbetriebe, einen Zweigbetrieb der Ford-Werke Köln, das aus dem 1889 gegründeten Karosseriewerk Josef Hebmueller Soehne hervorging und auch heute noch existiert (Visteon) und viele Kleinbetriebe.
Religionen
Evangelische Kirchen
Evangelisch reformierte Kirchengemeinde Wülfrath, Am Pütt 7
jeden Samstag von 7-12 Uhr Wochenmarkt mit über 50 Beschickern auf dem Parkplatz "Am Diek"
Rosenmontagszug der "Kalkstadtnarren"
jährliches Sommerfest der Kleingartenanlage "Erbacher Berg"
Schützenfest
jährliches Stadtfest, genannt "Kartoffelfest"; im September (25.09.2004 bis 26.09.2004)
jährlicher Weihnachtsmarkt auf dem Kirchplatz, genannt "Herzog-Wilhelm-Markt"; Ende November (27.11.2004 bis 05.12.2004)
Literatur
Ulrich Bauckhage: Zum Beispiel: Wülfrath 1919-1949 - Eine deutsche Kleinstadt auf dem Weg durch den Nationalsozialismus. FROHN Verlag, ISBN_3-8857-8108-5
Jutta de Jong: Wülfrath: Ein Streifzug um die Jahrhundertwende. Geigerdruck GmbH, ISBN_3-8926-4836-0
Horst G. Hütten: Wülfrath aus dem Nähkörbchen. Mit der Zeichenfeder und zeitgenössischen Zitaten aus der Geschichte einer alten Stadt erzählt. 1976, ISBN_3-9219-8634-6
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