Die Einwohnerzahl der Stadt Witten überschritt mit der letzten Eingemeindung 1975 die 100.000-Grenze und machte Witten zur Großstadt. Sie ist heute eine der kleinsten Großstädte Deutschlands.
Witten liegt am Übergang vom unteren Sauerland zum niederbergischen Hügelland im Westen und dem Emscherland im Norden, zwischen Bochum und Hagen in Westfalen, am nördlichen Ausgang des engen tiefen Ruhrdurchbruchs durch das waldbedeckte Ardey-Sandsteinplateau zu beiden Seiten des Flusses Ruhr. Das Flusstal mit dem aufgestautenKemnader See prägt neben den bewaldeten Hügeln des Ardeygebirges, das ein Teil des Rheinischen Schiefergebirges darstellt, das Bild der Stadt. Die Berge bestehen im wesentlichen aus Sandstein, hinzu kommen kohleführende Schichten, die mancherorts offen zutage treten und die im Bergbaurundweg Muttental zu besichtigen sind.
Der höchste Punkt im Stadtgebiet ist der Arenberg und misst 269 m, der niedrigste ist an der Wittener Straße, östlich vom Bahnhof Blankenstei und beträgt 71 m ü. NN. Die Stadtgrenze ist insgesamt 52 km lang. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 13,8 km und in West-Ost-Richtung 10,5 km.
Die Ortszeit in Witten "hinkt" der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) um 30 Minuten und 39 Sekunden hinterher.
Nachbargemeinden
Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Witten. Sie werden im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten genannt:
Das Stadtgebiet Wittens ist in 8 Stadtteile eingeteilt. Diese sind weiter in mehrere "Stadtteilbezirke" unterteilt. Jeder dieser Stadtteilbezirke hat einen eigenen Namen und wird mit einer zweistelligen Nummer gekennzeichnet.
Die älteste Erwähnung des Stadtteils Herbede (seit 1975 eingemeindet) geht auf das Jahr 851 zurück. Witten selbst wurde erstmals 1214 erwähnt. Die früheste Erwähnung des Wittener Bergbaus datiert aus dem Jahr 1578. Im Jahre 1675 erhält Witten das Marktrecht durch den Kurfürsten von Brandenburg. Bis 1806 gehört Witten zur preußischen Grafschaft Mark, von 1807 bis 1813 zum Ruhrdepartement des Großherzogtums Berg, , dann vorübergehend zum preußischen Gouvernement zwischen Weser und Rhein und ab 1815 endgültig zu Preußen (Provinz Westfalen). Der Ort wird dem Kreis Bochum zugeordnet. Die Bürgermeisterei Witten umfasst neben Witten die Gemeinden Langendreer, Stockum, Düren, Somborn und Werne. 1823 erhält Witten die Stadtrechte und 1899 scheidet die Stadt aus dem Kreis Bochum aus. Sie wird eine Kreisfreie Stadt. Am 1. Juli1921 wird die Gemeine Heven und am 1. August1929 werden die Gemeinden Annen (mit dem am 1. April1922 eingemeindeten Rüdinghausen), Stockum, Düren, Teile von Bommern sowie Teile von Langendreer (Krone) eingegliedert. Im Zweiten Weltkrieg wird Witten Ziel zerstörerischer Bombenangriffe.
Im Rahmen der jüngsten nordrhein-westfälischen Gebietsreform muss Witten 1975 seine Kreisfreiheit aufgeben und wird dem Ennepe-Ruhr-Kreis eingegliedert. Gleichzeitig wird sie durch Eingliederung der Stadt Herbede vergrößert. Damit erreicht das Stadtgebiet Wittens seine heutige Ausdehnung.
Religionen
Witten gehörte seit der Gründung zum Erzbistum Köln und war dem Archidiakonat des Kölner St.-Georgs-Stifts unterstellt. 1582 wandte sich die Bevölkerung der Reformation zu. Danach war die Stadt über viele Jahrhunderte eine überwiegend protestantische Stadt. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis. Mit der Übergang an Preußen gehörte auch die evangelische Gemeinde in Witten zur Evangelischen Kirche in Preußen bzw. dessen westfälischen Provinzialkirche. Sie wurde der Superintendentur Hattingen zugeordnet. Heute heißt diese Verwaltungseinheit Kirchenkreis Hattingen-Witten und umfasst die evangelischen Kirchengemeinden der Städte Hattingen, Sprockhövel, Velbert, Wetter und Witten. Die 10 evangelischen Kirchengemeinden der Stadt Witten sind Annen, Bommern, Christuskirche, Herbede, Heven, Johanniskirche, Martin-Luther-Kirche, Rüdinghausen, Stockum und die Anstaltsgemeinde des Diakoniewerks Ruhr.
Die wenigen Katholiken in Witten nach der Reformation gehörten bis 1821 noch zum Erzbistum Köln, dann zum Bistum bzw. Erzbistum Paderborn. 1834 konnten die Katholiken wieder eine eigene Gemeinde gründen, die zunächst zum Dekanat Hattingen gehörte. 1921 wurde Witten Sitz eines eigenen Dekanats, die heute zur Region Ruhr-Mark des Erzbistums Paderborn gehört. Pfarrgemeinden im Stadtgebiet Wittens sind u.a. Bommern, St. Josef Annen, St. Marien, St. Maximilian Kolbe Stockum, St. Pius Rüdinghausen und St. Vinzenz.
Die beiden islamischen Gemeinden mit Moscheen in der Innenstadt und im Ortsteil Annen wurden Ende des 20 Jh. durch türkische Einwanderer gegründet.
Einwohnerentwicklung
Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind entweder Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).
Die Verwaltung Wittens lag bis Ende des 18. Jahrhunderts in den Händen des Patrimonialgerichtsherrn, des Besitzers des Hauses Witten. Diese Struktur wurde 1806 aufgehoben und 1809 erhielt Witten eine bürgerliche Verwaltung. An der Spitze der Stadt stand danach der Bürgermeister. Nachdem Witten 1823 die Stadtrechte erhalten hatte wurde 1841 die revidierte Städteordnung, 1842 jedoch die Landgemeindeordnung eingeführt. 1850 wurde die westfälische Städteordnung eingeführt. Nach Erlangung der Kreisfreiheit trug der Bürgermeister den Titel Oberbürgermeister.
Während der Zeit der Nationalsozialisten wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Militärregierung der Britischen Besatzungszone einen neuen Oberbürgermeister ein und 1946 führte sie die Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein. Danach gab es einen vom Volk gewählten "Rat der Stadt", dessen Mitglieder man als "Stadtverordnete" bezeichnet. Der Rat wählte anfangs aus seiner Mitte den Oberbürgermeister als Vorsitzenden und Repräsentanten der Stadt, welcher ehrenamtlich tätig war. Desweiteren wählte der Rat ab 1946 ebenfalls einen hauptamtlichen Oberstadtdirektor als Leiter der Stadtverwaltung. Mit der Wiedereingliederung in den Ennepe-Ruhr-Kreis1975 trugen die Stadtoberhäupter die Titel Bürgermeister bzw. Stadtdirektor. 1999 wurde die Doppelspitze in der Stadtverwaltung aufgegeben. Seither gibt es nur noch den hauptamtlichen Bürgermeister. Dieser ist Vorsitzender des Rates, Leiter der Stadtverwaltung und Repräsentant der Stadt. Er wurde 1999 erstmals direkt vom Volk gewählt. Erster direkt gewählter Bürgermeister war Klaus Lohmann, der sein Amt zum 31.03.2004 aus Altersgründen aufgeben musste. Bis zur Bürgermeisterwahl am 26.09.2004 wird er nun vom Ratsmitglied Dietrich und vom Ersten Beigeordneten Frank Schweppe vertreten.
Dr. Daniel Sodenkamp vertritt die Stadt Witten und den Ennepe-Ruhr Kreis im Landtag von NRW.
Wappen
Das Wappen der Stadt Witten zeigt in von Rot und Silber geteiltem Schild oben zwei abgekehrte, doppelschwänzige, silberne Löwen. Als Vorlage für das Wappen diente das Siegel der Everhards von Witten-Steinhausen aus dem Jahre 1283. Ursprünglich war neben den Löwen, dem Wappentier der Everhards, auch deren Leitspruch "Sigillum Hermanni de Wittene" abgebildet.
San Carlos (Nicaragua), seit 1990 - Städtefreundschaft
Wirtschaft und Infrastruktur
Das Erscheinungsbild Wittens ist geprägt von der Schwerindustrie, die durch zahlreiche Groß- und Kleinunternehmen geprägt ist. In Witten befindet sich Deutschlands einziger Betrieb zum Bau von Eisenbahn-Weichen.
Dank einer ausgedehnten Fußgängerzone mit zahlreichen Geschäften kann sich Witten als Mittelzentrum in der Region behaupten.
Verkehr
Witten hat zwei Bahnhöfe (Witten Hauptbahnhof und Witten-Annen Nord), sechs Autobahnanschlüsse an die A 43, die A 44 und die A 45, dazu ein breit gefächertes Angebot an Bus- und Straßenbahnverbindungen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR).
Ansässige Unternehmen
Edelstahl Witten-Krefeld GmbH, Hersteller von Spezialstählen
Ostermann GmbH & Co.KG, Möbeleinzelhandel
Ardex GmbH, Hersteller von Spezialwerkstoffen für das Bauhandwerk
VOGT electronic, Produktion von Telekommunikationstechnik und Autoelektronik
Weichenwerk Witten der Bahn AG
Brill Gartengeräte GmbH, Produktion von Rasenmähern, Vertikulierer, Rasentrimmern, Häckslern und elek. Heckenscheren
Lohmann & Stolterfoht, Getriebebau und Antriebstechnik
Möbel Weber GmbH & CO. KG, Möbelhandel
Medien
Der WAZ-Konzern ist mit den TageszeitungenWestdeutschen Allgemeine und Westfälische Rundschau sowie mit dem AnzeigenblattWitten Aktuell vertreten.
RuhrnachrichtenTageszeitung des Lensing-Wolff Verlags Dortmund
Der unabhängige Sonntagskurier ist von Hause aus ein wöchtenlich erscheinendes Anzeigenblatt. Er hat seinen redaktionellen Teil im Laufe der Zeit soweit ausgebaut, dass er heute für viele Bürger eine wichtige Ergänzung zur Mainstreamberichterstattung der Medienkonzerne ist.
Lokalradio: Der kreisweite und zu Radio NRW gehörende Sender Radio EN informiert über die Geschehnisse in der Stadt.
Fernsehen: Witten gehört zum Redaktionsgebiet des Studio Dortmund, dem Lokalsender des WDR
Märkisches Museum für zeitgenössische Kunst - Im Museum befindet sich eine Sammlung der Stadt Witten über deutsche Kunst aus den Bereichen Malerei und Grafik von 1900 bis zur Gegenwart. Dem Museum angeschlossen ist auch das Heimatmuseum der Stadt. Das Museum befindet sich in der Innenstadt.
Hebezeugmuseum/Windenschmiede - Das Museum ist eine private Ausstellung der Firma J.D. Neuhaus Hebezeuge GmbH & Co. Hier sind, neben der Windenschmiede, zahlreiche historische Maschinen ausgestellt. Das Museum befindet sich im Stadtteil Heven.
Museum des Diakoniewerks Ruhr - Das Museum zeigt medizinische Geräte der letzten 100 Jahre.
Zeche Theresia - Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Theresia befindet sich das Zechenbahnmuseum. Es ist zur Zeit jedes zweite Wochenende geöffnet und bietet neben der Besichtigung zahlreicher Exponate von Zechenbahnen auch die Möglichkeit mit einer Zechenbahn zu fahren. Die betriebene Strecke führt vom Wanderparkplatz an der Nachtigallstraße über das Gelände der Zeche Theresia zur Zeche Nachtigall. Das Museum befindet sich im Stadtteil Bommern Gruben- und Feldbahnmuseum
Zeche Nachtigall - Die ehemalige Zeche "Nachtigall" ist ein Standort des Westfälischen Industriemuseums. Hier hat man die Möglichkeit, die Zeche "Eimerweise", einen historischen Lastkahn, das Maschinenhaus der Zeche und eine Ringofen-Anlage (in der Backsteine bzw. Ziegel gebrannt wurden) zu besichtigen. Das Museum befindet sich im Stadtteil Bommern.
Bethaus der Bergleute im Muttental - Im ehemaligen Bethaus dokunentiert die Dauerausstellung »Vom Bethaus zur Kohle« das Alltagsleben der Bergleute. Der Bergbauwanderweg Muttental führt hier vorbei.
Sehenswürdigkeiten
Innenstadt
Haus Witten, ehem. Rittergut, heute: städtisches Kulturzentrum mit Szenelokal
Rathaus aus dem Jahr 1926 (Rathausturm zusammen mit dem Turm der benachbarten Johanniskirche bilden das Wahrzeichen der Stadt)
Wittener Werkstadt, Das Kulturzentrum wurde dorfartig in einer ehem. Produktionshalle der Mannesmann Röhrenwerke erbaut.
Helenenturm, Privatdenkmal des Justizrat Strohn zu Ehren seiner Frau aus dem Jahr 1858
Haus Herbede, historisches Rittergut, heute Kunsthandwerkszentrum und Gastronomie
Annen
Hotel Georg, Die von Herbert Antweiler gestalteten Innenräume sind vollständig im Stil der Organischen Architektur gehalten. Die farbliche Gestaltung der Fassade und der Innenräume ist von Robert Kaller.
St. Josefskirche (kath.)
Umgebung
Muttental, Hier führt der überregional bekannt Bergbauwanderweg_Muttental vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Bergbaus. Auf zahlreichen Schautafeln werden die sichtbaren Relikte des Bergbaus und deren Geschichte dokumentiert. Der Wanderweg liegt im Stadtteil Bommern.
Kemnader Stausee, Freizeitsee zwischen den Städten Witten, Bochum und Hattingen. Er ist ein beliebtes Naherholungsgebiet der Region und bietet vielfältige Möglichkeiten der Erholung. Auf ihm und der Ruhr verkehren auch Fahrgastschiffe. In Witten legt das Fahrgastschiff Schwalbe an folgenden Stellen an: Bommern Uferstraße, Zeche Nachtigal (ab Sommer 2004), Burgruine Hardenstein, Schleuse Herbede, Herbede Lakebrücke und Freizeitbad Heveney.
Hohensteinwiesen, generationsübergreifender Treffpunkt auf dem Wiesengelände vor dem Bergerdenkmal mit aller Art von Outdooraktivitäten, grosser Wasserspielplatz, angrenzendes Wildgehege
Berliner Platz, Outdoortreffpunkt in der Innenstadt, aufgrund seiner Gestaltung besonders bei Kindern beliebt
Kemnader Stausee, rund um den See stehen Liegewiesen zur Verfügung. Das Wiesengelände zwischen See und Haus Kemnade hat sich aufgrund seiner hervorragenden Windverhältnisse zum Treffpunkt von Flugdrachenliebhabern entwickelt.
Steinbruch Imberg Jugendtreffpunkt in Witten-Annen, Outdoor mit kleiner Halle
Sportvereine und -einrichtungen
94 Sportvereine mit über 30.000 Mitgliedern
23 Turnhallen
14 Sportplätze
6 Sporthallen
2 Reitschulen
6 Tennisanlagen
3 Gymnastikräume
1 Golfplatz
4 Minigolfanlagen
1 Beachvolleyballhalle
1 Mountainbikeschule
1 Segelhafen
5 Lehrschwimmbecken
2 Hallenbäder
1 Freibad
1 Freizeitbad mit Innen- und Außenbecken
Regelmäßige Veranstaltungen
Kinderflohmarkt jeden Dienstag ab 6.00 Kemnader Stausee, Parklatz Heveney, BAB A43, Ausfahrt Witten-Heven
Flohmarkt Ostermann einmal monatlich, meistens am 1. Sonntag im Monat auf dem Parkplatz des Möbelhaus Ostermann BAB A44, Ausfahrt Witten-Annen
Zwiebelkirmes Traditioneller Jahrmarkt am 1.Septemberwochenende in der Innenstadt
Paul von Hindenburg, Generalfeldmarschall und Reichspräsident
Adolf Hitler, Führer und Reichskanzler (Ehrenbürgerrecht nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aberkannt)
Literatur
Westfälisches Städtebuch; Band III 2. Teilband aus "Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte - Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages, hrsg. von Erich Keyser, Stuttgart, 1954
Grundriss zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, hrsg. von Walther Hubatsch, Band 8: Westfalen. Marburg an der Lahn, 1980
"Wittener. Biografische Porträts"; Band 1, hrsg. von Frank Ahland und Matthias Dudde. Witten 2000. Ruhrstadt-Verlag
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