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Geschichte

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Berlin bereits eine europäische Industriemetropole von internationalem Rang. Lokomotiven der Maschinenbaufabrik Borsig (gegründet 1837) fuhren durch ganz Europa, in der Elektroindustrie waren Siemens & Halske (gegründet 1847) und AEG (gegründet 1883), bereits weltbekannt. In der chemischen Industrie hat sich die 1864 gegründete Schering AG einen Namen gemacht. Unternehmen, die auch am Ende des Jahrhundert noch einen klangvollen Namen haben. 1902 wird die Industrie- und Handelskammer zu Berlin gegründet.


Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur Not und Elend über die Bevölkerung, sondern auch über viele mittelständische und handwerkliche Betriebe der Stadt. Ein Teil der Großunternehmen ging dagegen sogar gestärkt aus dieser Zeit hervor, was in erster Linie an der enormen Kriegsproduktion lag. Aber das Bruttosozialprodukt erreichte erst 1927 wieder den Stand von 1913.


Die galoppierende Inflation Anfang der 1920er Jahre trieb die Bevölkerung zur Verzweiflung. Am 4. November 1923 kostete ein einziges Brot 420 Milliarden Mark. Die Ausgabe der Rentenmark ab 15. November 1923 für das wertlos gewordene Papiergeld leitete das vorläufige Ende der Krise ein. 1925 arbeiteten in der Berliner Metallindustrie in 15.000 Betrieben rund 400.000 Menschen.


Der Börsenkrach an der New Yorker Börse am 25. Oktober 1929 löste jedoch eine Weltwirtschaftskrise aus, die auch für Europa schlimme Folgen hatte. In Berlin stieg die Zahl der Arbeitslosen auf bis zu 600.000 im Jahr 1932 an. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit damals gleich Null war. 1932 war die industrielle Produktion in Berlin auf die Hälfte von 1928 zurückgefallen. Die Arbeitslosigkeitsquote betrug 30,8 Prozent. Auch dies war der Nährboden für die Nationalsozialisten, die aber noch bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung von Berlin am 17. November 1929 nur 5,8 Prozent der Stimmen erhielten. Im März 1933 waren es dann schon 38,5 Prozent für die NSDAP, wenn auch nicht die von ihnen erhoffte absolute Mehrheit.


Nach der Machtergreifung Hitlers wurden die jüdische Unternehmer zum Verkauf gezwungen, enteignet, verfolgt und, soweit sie Deutschland nicht rechtzeitig verlassen konnten, in die Vernichtungslager gebracht. Die Nachfolger in jüdischen Unternehmen bereicherten sich zum größten Teil an dem ihnen nicht zustehenden Vermögen der Verfolgten. Die Verbände wurden gleichgeschaltet.


Im Zweiten Weltkrieg wurde Berlin mit seiner Elektro- und Maschinenindustrie zur Waffenschmiede Hitlerdeutschlands, in der auch viele Zwangsarbeiter zur Arbeit gezwungen wurden. Wegen der Bombardements verlegten die Konzerne ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen und später auch die Führungsabteilungen in ungefährdetere Gebiete des Landes, häufig nach Bayern. Der Bombenkrieg und der Kampf um Berlin ließ von den Produktionskapazitäten in der Stadt nicht viel übrig. Der Rest wurde nach der Befreiung vom Faschismus durch Demontage ganzer Fabrikanlagen weiter dezimiert.


Der Wiederaufbau Berlins in seinen Wohngebieten, der Infrastruktur und den Arbeitsstätten begann vielerorts buchstäblich bei Null. Die politische Teilung der Stadt und die Blockade West-Berlins erschwerten den Neuanfang in den ersten fünf Jahren nach Kriegsende. Eine große und nicht zu unterschätzende Hilfe war damals der Marshall-Plan der USA und die Hilfe der Bundesrepublik Deutschland für die Westsektoren Berlins. Viele Jahre war die Berliner Wirtschaft auf Hilfe und Subventionen angewiesen. Vor allem die Subventionen brachten aber auch Mitnahmeeffekte mit sich. Das Wort von der »verlängerten Werkbank« westdeutscher Unternehmen, die in Berlin nur geringste Teile ihrer Fertigung vornehmen ließen, dafür aber die volle Berlin-Subvention einstreichen konnten, machte die Runde.


Die nächste Zäsur kam mit dem Bau der Mauer am 13. August 1961. Die Menschen in Ost-Berlin und der DDR waren nun quasi eingesperrt und West-Berlin zur politischen und wirtschaftlich Insel geworden. 50.000 Pendler aus Ost-Berlin konnten nicht mehr in West-Berlin in ihre Betriebe zur Arbeit gehen. Der Industriestandort Berlin wurde in den Folgejahren permanent durch den Weggang ganzer Betriebe oder die drastische Reduzierung der Arbeitsplätze (nicht nur durch Rationalisierung) geschwächt. Berlin wurde zu einer Stadt des Öffentlichen Dienstes, der Forschung und Lehre und der Dienstleistungen.


Ost-Berlin war weiterhin Schwerpunkt der industriellen Produktion für die DDR-Wirtschaft. Allerdings konnte die unflexible, zentralistische und ebenfalls hochsubventionierte Planwirtschaft der DDR keinen wirtschaftlichen Aufschwung erreichen. Veraltete Anlagen, Rohstoff- und Devisenmangel verhinderten, dass die DDR-Wirtschaft den Anschluss an die technologische Entwicklung im internationalen Maßstab halten konnte. Nach der Wende 1989 brachen die Absatzmärkte dieser Betriebe, die fast ausschließlich im Ostblock lagen, gleichsam mit den politischen Systemen zusammen und die westdeutsche Wirtschaft konnte und wollte auch nicht als Abnehmer dieser Produkte auftreten. Ganz im Gegenteil wurde Ostdeutschland als riesiges neues Absatzgebiet für West-Produkte genutzt. Es dauerte Jahre, bis in den Supermärkten der damals neuen Bundesländer wieder Produkte aus heimischer Produktion auftauchten. Hier sind Tausende von Betrieben und Hunderttausende von Arbeitsplätzen einer »Go West«-Mentalität (auch der Verbraucher selbst) zum Opfer gefallen.


Mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Oktober 1990 ist Berlin nun wieder eine wirtschaftliche Einheit mit einem natürlichen Umland (dem Land Brandenburg) geworden. Diese neue Rolle muss Berlin erst noch ausfüllen, genau wie diejenige der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Die Industriemetropole Berlin gehört endgültig der Vergangenheit an, die Dienstleistungsmetropole ist erst im Entstehen und die Innovationszentren der Stadt haben trotz großer Fortschritte nicht die enormen Arbeitsplatzverluste in anderen Bereichen kompensieren können. Die so genannte New Economy, auf die auch in Berlin so große Hoffnungen gesetzt wurden, konnte die wohl häufig auch weit überzogenen Erwartungen bisher nicht erfüllen.


Aber dennoch bleibt festzuhalten, dass gerade in Berlin, dem einzigen Bundesland, in dem Ost und West miteinander vereint wurden, seit 1990 eine enorme Aufbauleistung vollbracht worden ist. In die Sanierung der Ost-Berliner Infrastruktur und der Wohnungsbestände sind viele Millionen an öffentlichen Geldern geflossen. Mit dem Ergebnis, dass sich die Lebensqualität im Ostteil Berlins nachhaltig verbessert hat und im Vergleich zum Westteil der Stadt vergleichbar gut, manchmal sogar besser ist.


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