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Wilson, Ernest
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Ernest Wilson (* am 15. Februar 1876 in Chipping Campden, Großbritannien; † 1930) war Botaniker und Pflanzenjäger.


Er erforschte vor allem Chinas Pflanzenwelt und brachte den Taubenbaum (Davidia involucrata, engl. "handkerchief tree") nach England sowie Kirschbäume und Azaleen aus Japan.


Biografie

Wilson wurde in Chipping Campden geboren, einem Dorf in den Cotswolds, und begann mit sechzehn Jahren eine Gärtnerlehre in Solihull, wechselte zum Birmingham Botanic Garden in Edgbaston und kam am Birmingham Technical Vollege schließlich näher mit der botanischen Theorie in Kontakt.


Der "Queen's Prize for Botany" ermöglichte ihm ein Diplom in Kew Gardens, und obwohl er eigentlich Lehrer werden wollte, wurde er von seinem Vorgesetzten Thiselton-Dyer als Botaniker für eine China-Expedition empfohlen. Der Auftraggeber war die Gärtnerei Veitch in Coombe Wood, die auf ihren bisherigen Entdeckungsfahrten sehr erfolgreich gewesen war. Sie hatte Kontakt zu dem schottischen Amateurbotaniker Augustine Henry (1857-1930), der als Medizinalbeamter in Ichang stationiert war und aus Langeweile mit der Pflanzenjadg begonnen hatte. Er hatte über 500 neue Arten, 25 neue Gattungen und eine neue Familie entdeckt und als Herbarbelege nach Kew verschickt. Er bot jedem Pflanzensammler an, ihm vor Ort behilflich zu sein.


An Bord der "Pavonia" segelte Wilson nach Amerika, mit der Eisenbahn nach San Francisco und von dort weiter per Schiff nach China. Ab Hanoi im damaligen französischen Indochina ging es mit dem Schiff weiter nach Hongkong, wo er Henry traf. Doch die vollmundig versprochene Hilfe erwies sich als Papierfetzen, darauf war eine einfache Landkarte gekritzelt, die ein Gebiet von 52.000 Quadratkilometer umfaßte. An einer Stelle war ein einzeln stehender Taubenbaum eingezeichnet.


Trotz allem plante Wilson seine Reise, schließlich fand er auch die entsprechende Stelle - dort stand ein neugebaute Holzhaus neben dem Stumpf des Taubenbaumes.


Wilson war 21.000 Kilometer vergebens gereist und zog sich resigniert nach Ichang zurück. Er entdeckte eine Kletterpflanze mit eßbaren Früchten ("Actinida chinensis", die Kiwi), und schließlich, etwa einen Monat nach dem Taubenbaum-Fiasko, schließlich ein Exemplar in voller Blüte. Er konnte viele Samen nach England schicken, dazu auch die anderer Gehölze wie Ahorne ("Acer griseum" und "A. oliverianum"), "Abies fargesii", "Betula albosinensis", "Viburnum"-Arten, mehrere Clematis, die heute beliebte Kletterpflanzen in heimischen Gärten sind, "Lonicera tragophylla", Rhododendren und Kamelien.


1902 traf er wieder in England ein, und Veitch war zunächst so begeistert, daß er ihm eine goldene Uhr schenkte. Leider wurde bekannt, daß der Franzose Paul Guillaume Farges bereits 1897 Taubenbaum-Samen nach Paris mitgebracht und immrhin einen von ihnen zum Keimen gebracht hatte. Das verkaufsfördernde Prädikat "Eingeführt von..." mußte zurückgezogen werden.


Nach seiner Heirat mit Helen Ganderton brach Wilson schon 1903 wieder nach China auf. Er hatte sich vorgenommen, den gelben Scheinmohn "Meconopsis integrifolia" im tibetischen Gebirge ausfindig zu machen und begab sich von Kiating (heute Leshan) aus ins Wa-Shan-Gebirge. Er sammelte rund 200 Arten, reiste weiter Richtung Lhasa und stieß eines Morgens auf große Felder gelber "Meconopsis"-Blüten. Eine große Sensation in den Gärten wurde die Königslilie ("Lilium regale"), die er darauf entdeckte, schließlich auch den roten Scheinmohn "Meconopsis henrici", weitere Rhododendren und "Rosa moyesii".


Nach seiner Heimkehr, er litt mittlerweile unter starker Erschöpfung, bedachte sein dankbarer Auftraggeber ihn mit einer goldenen, diamantbesetzten Anstecknadel in Form einer Scheinmohnblüte.


1906 machte er sich wieder auf den Weg - diesmal in Auftrag des Arnold Arboretums in Boston unter Charles Sargent - der ihn auch drängte, einen Fotoapparat mitzunehmen. Seine Bilder von Menschen und Landschaft belegen bis heute, daß er tatsächlich Talent zum Fotografieren hatte. Mit seiner bewährten Crew in Iching brach er auf, um in Jianxi zu sammeln. In einem Hofgarten in Chengdu fand er prächtige Lagerströmien ("Lagerstroemia indica"), zu seiner weiteren Ausbeute gehörten Koniferen, Magnolien-Arten, "Acer Wilsonii" und ein Hartriegel ("Cornus kousa" var. "chinensis")


Mit der transsibirischen Eisenbahn trat er den Heimweg an, und siedelte dann mit seiner Familie nach Boston über, um die Organisation seiner Herbarsammlung am Arnold Arboretum zu überwachen. In der Bostoner Gesellschaft war man sehr stolz auf ihn und nannte ihn "Chinese Wilson", worauf er sehr stolz war.


1910 trat er zu seiner vierten Reise an, diesmal waren besonders Koniferen und Königslilien gefragt (die Ausbeute der zweiten Reise waren leider stark verschimmelt in England angekommen).


In Nordchina fand er "Syringia julianae", im Mintal riesige Felder blühender Königslilien. Auf einem schmalen Bergpfad wurde er von Steinschlag getroffen und verletzte sich schwer am Bein, er war nun mehrere Monate außer Gefecht und schickte sein Team ohne ihn los. Sie brachten unter anderem die Min-Tanne ("Abies recurvata") mit, die Schuppentanne ("A. squamata"), einen Ahorn ("Acer maximowiczii") und einen Bambus ("Sinarundinaria murielae", nach Wilsons Tochter Muriel benannt).


Nach der Identifikation der Herbarbelege ergab sich, daß er vier neue Gattungen, 382 neue Arten und 323 Varietäten entdeckt hatte. Er arbeitete wieder für Singer in Boston und schrieb ein Buch über seine Reisen, "A Naturalist in Western China", 1913.


Die nächste Reise führte Wilson aufgrund seines etwas kürzeren verletzten Beines nach Japan, er wollte Kirschbäume und Koniferen sammeln - und diesmal begleiteten ihn auch seine Frau und seine Tochter, die der vielen Trennungen offenbar überdrüssig geworden waren: Helen war die erste Frau eines englischen Pflanzensammlers, die ihren Mann auf einer Expedition begleitete.


Da Wilson nach seiner Rückkehr aufgrund seiner Verletzung nicht zum Kriegsdienst in den Ersten Weltkrieg eingezogen wurde, konnte er weiterarbeiten und Bücher schreiben.


Familie Wilson brach im Januar 1917 zur sechsten und letzten Reise auf, wieder nach Japan und weiter nach Korea. Ahorn- und Fliederarten, die koreanische Scheinkamelie "Stewartia koreana", der Koreanische Lebensbaum "Thuja koraiensis" und weitere Ziergehölze. In Kurume besichtigte er eine Azaleengärtnerei und war angesichts der 250 Sorten überwältigt.


Die Kurume-Azaleen waren der größte Erfolg, der Wilson gelang, wenn es nach der Beliebtheit in den Gärten der Bürger geht. "Wilson's Fifty", genaugenommen eine Sammlung von 51 Varietäten, wurden auch in Großbritannien berühmt.


1927 wurde Wilson der Nachfolger Sargents als Direktor des Arboretums in Boston. 1930 heiratete Muriel, auf der Heimfahrt von der Hochzeit kamen Helen und er bei einem Autounfall ums Leben.


Literatur

  • Musgrave, Gardner: Pflanzensammler und -entdecker, Christian Verlag


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