Vaughan Williams, Sohn eines Geistlichen, der bereits 1875 starb, wuchs in Leith Hill Place (Surrey) auf und erhielt von einer Tante ersten Musikunterricht. Ab 1890 studierte er an der Royal Academy of Music in London bei Hubert Parry und Charles Villiers Stanford, dann 1892-95 bei Charles Wood am Trinity College in Cambridge und 1896 nochmals in London, wo seine enge Freundschaft mit Gustav Holst begann. Zusätzlich nahm er 1897 Unterricht bei Max Bruch in Berlin, im gleichen Jahr heiratete er Adeline Fisher.
1896-99 wirkte Vaughan Williams in London als Organist. Bald schon beschäftigte er sich intensiv mit dem Sammeln und Veröffentlichen englischer Volkslieder (Bushes and Briars, 1903) und entdeckte auch die englische Musik der Renaissance für sich. Beides beeinflusste seinen Kompositionsstil erheblich. 1905 wurde er musikalischer Leiter des Leith Hill Musical Festival (bis 1953), 1906 gab er ein neues Kirchengesangsbuch, The English Hymnal, heraus. 1908 hielt er sich in Paris auf, um bei Maurice Ravel noch einmal weiteren Unterricht zu nehmen.
1910 erschien dann sein erstes großes Werk, A Sea Symphony, in der späteren Zählung seine erste Sinfonie, eigentlich aber eine gewaltige Kantate für Soli, Chor und Orchester nach Worten Walt Whitmans. Im gleichen Jahr wurde eines seiner beliebtesten Werke veröffentlicht, die Fantasia on a Theme by Thomas Tallis. 1911 folgte der Liederzyklus On Wenlock Edge, 1913 dann seine zweite Sinfonie, A London Symphony.
Im Ersten Weltkrieg diente Vaughan Williams in Frankreich als Soldat. Seine tief empfundenen Eindrücke dieser Jahre finden ihren Niederschlag vor allem in der dritten Sinfonie, der Pastoral Symphony für Sopran und Orchester, die bereits 1916 skizziert, aber erst 1922 aufgeführt wurde. 1919 wurde er Kompositionslehrer am Royal College of Music in London (bis 1938), 1920-28 leitete er den Londoner Bach-Chor. Immer häufiger trat er auch als Dirigent seiner eigenen Werke auf.
Vaughan Williams erhielt in den folgenden Jahren zahlreiche Auszeichnungen. Seinen Ruhm mehrten das BallettJob (1930) nach der biblischen Ijob-Geschichte, die vierte Sinfonie (1935) sowie die in den Jahren des Zweiten Weltkriegs entstandenen Sinfonien Nr. 5 (1943) und 6 (1947). 1940 schrieb Vaughan Williams mit The 49th Parallel auch seine erste Filmmusik. Weniger erfolgreich waren jedoch seine Opern. Weder der 1924 uraufgeführte, aber bereits 1910 begonnene Hugh the Drover, noch Sir John in Love (1929), eine weitere Vertonung von Shakespeares Falstaff-Stoff, hielten sich im Repertoire.
Die größte Enttäuschung seiner Komponistenlaufbahn war für Vaughan Williams jedoch die schlechte Aufnahme der oratorischen Oper The Pilgrim's Progress (1951) nach Paul Bunyan, an der er über vierzig Jahre gearbeitet hatte. Im gleichen Jahr starb seine Frau Adeline nach langer schwerer Krankheit. 1953 heiratete er Ursula Wood. Unter den Werken der letzten Jahre ragen die siebte Sinfonie Sinfonia Antarctica (1952), die nach der Filmmusik Scott of the Antarctic entstand, und die späte neunte Sinfonie (1957) heraus.
Werke
Opern
The Shepherds of the Delectable Mountains (1921, UA 1922; eingearbeitet in The Pilgrim's Progress)
Hugh the Drover, or Love in the Stocks. Romantic ballad opera (1910-14, UA 1924)
On Christmas Night. Masque with dancing, singing and miming (1926, UA 1926)
The 100th Psalm c-moll für Chor und Orchester (1929)
Three Choral Hymns für Bariton (Tenor), Chor und Orchester (1929)
Magnificat für Alt, Frauenchor und Orchester (1932)
Five Tudor Portraits. Choral Suite für Alt (Mezzosopran), Bariton, Chor und Orchester (1935)
Dona nobis pacem. Kantate für Sopran, Bariton, Chor und Orchester (1936)
Festival Te Deum für Chor und Orchester (Orgel) (1937)
Serenade to Music für 16 Solisten (oder 4 Solisten und Chor) und Orchester (1938)
A Song for Thanksgiving für Sopran, Sprecher, Chor und Orchester (1944)
An Oxford Elegy für Sprecher, kleinen Chor und kleines Orchester (1947-49)
The Sons of Light. Kantate für Chor und Orchester (1950)
Hodie. Weihnachtskantate für Sopran, Tenor, Bariton, Chor und Orchester (1953-54)
zahlreiche weitere Chorwerke, teils mit Orchester-, Orgel- oder Klavierbegleitung, teils unbegleitet, nach weltlichen und geistlichen Texten, auch viele Carols und Bearbeitungen englischer Volkslieder
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