Wilhelm wurde als dritter Sohn in eines der ältesten AdelsgeschlechterDeutschlands geboren. Der Prinz war Rittmeister in der preußischen Armee, als er für das Amt des Fürsten (albanisch princ) vorgeschlagen wurde. Nach langem Zögern und Verhandeln hatten die Großmächte 1913 auf der Botschafterkonferenz von London den albanischen Staat anerkannt, den die Albaner nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs ausgerufen hatten. Die Großmächte zweifelten aber daran, dass die Albaner sich selbst regieren könnten, und behielten sich deshalb das Recht vor, selber einen Fürsten ernennen zu dürfen. Die Wahl war schlussendlich auf einen deutschen Protestanten. Man wollte vermeiden, dass ein Land zu viel Einfluss erlangte, das Interesse an Albanien hatten (darunter Österreich-Ungarn, Italien und Serbien). Zudem glaubte man, dass ein Fürst, der keiner der in Albanien vertretenen Religionen angehörte, besser akzeptiert würde. Wilhelm zu Wied stimmte nach reiflichem Überlegen zu. So reisten 1914 18 Vertreter Albaniens nach Neuwied, um an einer Zeremonie am 21. Februar dem Prinzen zu Wied die albanische Krone anzubieten.
Am 7. März1914 betrat der Fürst Wilhelm I. mit seiner Frau und den beiden Kindern in Durrës, wo er residieren sollte, erstmals albanischen Boden. Das Volk feierte seinen neuen Fürsten enthusiastisch. Das Reich, das ihm anvertraut worden war, war sehr arm und verfügte über keine namentliche Infrastruktur oder Verwaltung. Auch wenn für albanische Verhältnisse recht luxuriös, waren die Verhältnisse im königlichen Schloss im Vergleich zu anderen europäischen Residenzen und dem Elternhaus bescheiden. Es handelte sich um ein zweistöckiges Haus mit einigen Zimmern rund um einen Innenhof mitten in der Stadt.
Vom Land und den lokalen Verhältnissen wusste er sehr wenig, so dass er auf Berater angewiesen war. Es gelang ihm nicht, schnell beim Volk und den albanischen Machthabern Ansehen zu gewinnen, so dass die Machtkämpfe von albanischen Lokalherren und ausländischen Staaten, von deren finanziellen, politischen und militärischen Unterstützung er abhängig war, bald einmal den Alltag beherrschten: Im Süden versuchten die Griechen, an Einfluss zu gewinnen, einige Albaner schielten auf Wieds Thron und Muslime aus Mittelalbanien griffen die Hauptstadt an. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Lage noch auswegsloser. Als der Fürst am 3. September1914 das Land verließ, hatte er es laut Meinung einiger Beobachter schon überraschend lange ausgehalten. Ähnlich urteilte auch der spätere albanische Ministerpräsident und Bischof Fan Noli mit den Worten, dass Fürst Wilhelm nur kritisiert werden könne, weil es ihm nicht gelungen sei, Wunder zu vollbringen.
Wilhelm Prinz zu Wied hatte nie als Fürst von Albanien abgedankt. 1917 forderte er noch immer seine Wiedereinsetzung. Damals kämpfte er aber bereits wieder als Offizier in der deutschen Armee. Im April 1918 trat er aus der Armee aus. Seit 1925 lebte er in Rumänien, wo er 1945 verstarb.
Literatur
Salleo, Ferdinando: Albania : un regno per sei mesi. - Palermo : Sellerio, 2000
Tullius, Wilhelm: Die wechselvolle Geschichte des Hauses Wied. - Neuwied : Kehrein, 2002
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