Auf Grund von Komplikationen bei seiner Geburt wurde sein linker Arm verkrüppelt. Seitens der Kaiserlichen Familie wurde versucht, den Behinderungen entgegen zu wirken. So musste sich der kleine Wilhelm schmerzhaften Elektroschocktherapien unterziehen, auch wurde versucht, seinen verkrüppelten Arm zu strecken, was jedoch nicht erfolgreich war. Diese Behinderung prägte ihn sehr und machte ihn zu einem Menschen mit einem sehr geringen Selbstbewusstsein; schließlich sollte der zukünftige König von Preußen ein ganzer Mann und kein Krüppel sein.
Er verbrachte eine unglückliche Kindheit, hatte mit Georg Ernst Hinzpeter einen äußert strengen Lehrer, das Verhältnis zu seiner Mutter war schlecht, und er wartete auf den Tag, sich profilieren zu können.
Der Prinz
Mit der Gründung des Kaiserreiches1871 wurde der 12-jährige Wilhelm Anwärter auf den deutschen Kaiserthron. Die strenge Erziehung führte zu einer Entfremdung zwischen Wilhelm und seinen politisch eher liberal eingestellten Eltern. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Kassel trat er als Leutnant in die preußische Armee ein und fand im Kreise des konservativen Offizierscorps die Wärme, den Zuspruch, den er vor allem von Seiten seiner Mutter stets vermisst hatte. Bereits in jungen Jahren bildete sich bei ihm so ein Verständnis von seiner monarchischen Rolle, das den konstitutionellen Vorstellungen seiner Eltern diametral entgegengesetzt war. Seine Vorstellung vom Königtum war extrem konservativ und orientierte sich eher am Gottesgnadentum des Absolutismus anstatt an den Bedürfnissen seiner Zeit. Bestärkt wurde er in dieser Haltung sowohl von Reichskanzler Otto von Bismarck als auch von seinem Großvater Wilhelm I.
Herrschaftsantritt
Nach dem Tode Wilhelms I. regierte Friedrich III. aufgrund eines Krebsleidens nur für 99 Tage. So wurde Wilhelm II. schon am 15. Juni des Dreikaiserjahrs1888 im Alter von nur 29 Jahren Deutscher Kaiser und König von Preußen.
Entlassung Bismarcks
Im März 1890 entließ er den ReichskanzlerOtto von Bismarck (den er als Kind noch über die Maßen verehrt hatte), nachdem er zu ihm seit seiner Thronbesteigung in sich ständig verschärfenden Gegensatz in der Sozialpolitik geraten war. Eine der ersten Fehlentscheidungen war die Nichterneuerung des Rückversicherungsvertrag mit Russland durch den neuen Reichskanzler Leo von Caprivi.
Flottenpolitik
Das Deutsche Reich geriet aufgrund einer unruhigen, expansiven Außenpolitik (Bau einer Flotte (Kaiserliche Marine), sowie zahlreicher unbedachter und kriegerischer Reden Wilhelms in einen Gegensatz zu Großbritannien und in die außenpolitische Isolation, was wesentlich zu der für Deutschland ungünstigen Konstellation bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges beitrug (Zweifrontenkrieg). Der Anteil des Kaisers an der deutschen Außenpolitik ist umstritten. Während John C. G. Röhl in ihm die entscheidende Persönlichkeit sah, die die Politik des Reiches eigenständig führte, sehen andere Historiker wie Wolfgang Mommsen die zivile Reichsleitung im Zentrum der Verantwortung.
Wegen der Novemberrevolution1918 musste er abdanken. Am 9. November1918 gab Reichskanzler Prinz Max von Baden eigenmächtig Wilhelms Rücktritt bekannt. Am 10. November1918 emigrierte der Kaiser aus seinem Hauptquartier in Spa in die Niederlande und verzichtete dort am 28. November1918 auf seinen Thron (er bestätigte damit die eigenmächtige Handlung des Max von Baden als Verweser). Bis 1920 lebte Wilhelm II. in Amerongen, danach bis zu seinem Tod in Huis Doorn in den Niederlanden im Exil, wo er sich trotz seiner Behinderung als Holzfäller betätigte und seine Memoiren verfasste.
Im Jahre 1940 verfasste er ein Glückwunschtelegramm an Adolf Hitler zu dessen Sieg über Frankreich. Mit diesem äußerst umstrittenen Telegramm wollte der Kaiser wohl seine Rehabilitierung und eine Rückkehr in die deutsche Heimat erreichen. Beides wurde von den Nationalsozialisten aber nicht gewährt.
Kaiser Wilhelm II. wurde in einem nach seinen Zeichnungen erbauten Mausoleum im Schlosspark von Doorn begraben, seine beiden Gattinnen ruhen im Antikentempel am Neuen Palais in Potsdam.
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