1894 begab er sich nach Athen, wo er sich unter Wilhelm Dörpfeld an den Grabungen auf der Akropolis beteiligte. 1895 ging er als Assistent des Archäologen Carl Humann nach Priene, ein antikes kleinasiatisches Städtchen. Als jener nach drei Wochen erkrankte, führte er die Grabungskampagne fort. Nach Humanns Tod 1896 wurde er zu dessen Nachfolger als Ausgrabungsleiter in Priene und als Direktor der Berliner Museen mit Sitz in Smyrna ernannt. Nachdem er 1899 die Freilegung Prienes, das wegen der Geschlossenheit der Stadtanlage und des guten Erhaltungszustandes der Häusergrundrisse auch das "griechische Pompeji" genannt wird, erfolgreich abgeschlossen hatte, grub er von 1899 bis 1911 die antikeWeltstadt und Handelsmetropole Milet aus. Hier waren bedeutende Vorarbeiten zu leisten, da der Grabungsplatz besiedelt war und das sumpfige Gelände erst trocken gelegt werden musste. Die Hoffnung Wiegands, die archaische Stadt, das Milet der NaturphilosophenThales und Anaximander wiederzufinden, das 494 v. Chr. während des Ionischen Aufstandes durch die Perser zerstört worden war, sollte sich nur bedingt erfüllen. Stattdessen stieß er auf die hellenistisch-römische Schicht mit ihren prächtigen Repräsentationsbauten, darunter das berühmte Markttor von Milet, heute eines der Hauptwerke des BerlinerPergamonmuseums.
Weitere Ausgrabungen fanden in Didyma (1905-1911) und auf Samos (1910-1911) statt. Wiegands letzten Grabung war 1927 die Wiederaufnahme der Untersuchung von Pergamon, wo er die Arsenale auf der Burg entdeckte und das vor der Stadt gelegene Heiligtum des Asklepios freilegte.
Theodor Wiegand war von 1899 bis 1911 auswärtiger Direktor der Berliner Museen in Konstantinopel und darüber hinaus wissenschaftlicher Attaché bei der deutschen Botschaft in Konstantinopel. Als somit diplomatischer Arm der Museen vertrat er die archäologischen Interessen Deutschlands im Osmanischen Reich und koordinierte die immer umfangreicheren deutschen Grabungen im Orient, u.a. auch in Mesopotamien.
Von 1912 bis 1930 war Wiegand Direktor der Antikenabteilung der Museen in Berlin. Hierbei war er für den Aufbau und vor allem die Einrichtung des Pergamonmuseums auf der BerlinerMuseumsinsel zuständig. 1916 hat er die Thronende Göttin aus Tarent für die Berliner Museen erworben und 1925 die hocharchaische Berliner Göttin aus Keratea, Attika.
Von 1932 bis 1936 war er Präsident des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches. In dieser Funktion hat er während des "Dritten Reiches" eine ideologische Einflussnahme seitens der Nationalssozialisten (Amt Rosenberg) auf die Klassische Archäologie verhindert.
siehe auch:
Wiegand - Bedeutung und Herkunft des Namens "Wiegand"
Literatur
Johannes Althoff: Ein Meister des Verwirklichens. Der Archäologe Theodor Wiegand. In: Peter Behrens, Theodor Wiegand und die Villa in Dahlem. Hrsg. von Klaus Rheidt und Barbara A. Lutz. Mainz 2004, 147-172.
Olaf Matthes: Theodor Wiegand und der Erwerb der "Thronenden Göttin" für das Berliner Antikenmuseum. In: Mäzenatisches Handeln. Studien zur Kultur des Bürgersinns in der Gesellschaft. Festschrift für Günter Braun zum 70. Geburtstag. Hrsg. von Thomas W. Gaehtgens und Martin Schieder. Berlin 1998, 82-104.
Carl Watzinger: Theodor Wiegand. Ein deutscher Archäologe. München 1944.
Gerhard Wiegand (Hrsg.): Halbmond im letzten Viertel. Briefe und Reiseberichte aus der alten Türkei von Theodor und Marie Wiegand 1895 bis 1918. München 1970.
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