Wichern war ältestes von sieben Geschwistern einer Familie, die in einfachen Verhältnissen lebte. Sein Vater hatte sich vom einfachen Schreiber zum vereideten Übersetzer emporgearbeitet. Wichern teilte mit seinem Vater die Liebe zur Musik. 1818 ging er auf das Johanneum. Als sein Vater 1823 starb, musste er sich um den Lebensunterhalt der Familie kümmern, indem er Geld mit Privatstunden verdiente. 1826 verließ er das Johanneum und wurde Erzieher an einer privaten Internatsschule. Nebenbei belegte er Vorlesungen am sog. Akademischen Gymnasium und holte das Abitur nach.
Von 1828 bis 1831 studierte er mit Hilfe eines Stipendiums in Berlin Theologie und begegnete Baron von Kottwitz, der die Beschäftigungsanstalt am Alexanderplatz leitete, und Nikolaus Heinrich Julius, der eine Arbeit über die Reformen im Gefängniswesen verfaßt hatte.
1832 kehrte er nach Hamburg zurück, wurde Lehrer an einer Sonntagsschule, deren Entstehung auf den späteren Begründer der deutschen BaptistengemeindenJohann Gerhard Oncken zurück ging. Wichern trat auch einem Besuchsverein bei, der die Eltern der Sonntagsschulkinder zu Hause besuchte. Dabei erkannte er das Maß der Verwahrlosung und beschloss den Bau eines Rettungshauses in Hamburg nach Vorbildern in Beuggen und Düsselthal.
1833 begründete er in dem nach dem Vorbesitzer Raue so genannte Rauhe Haus eine Gemeischaft, die familienähnliche Strukturen und später Werkstätten und auch einen Betsaal bot. Ab 1839 bildete er intensiv Gehilfen ("Brüder") aus, 1842 eröffnete er eine eigene Druckerei.
Beim Kirchentag in Wittenberg, der Kirchenversammlung zur Vereinigung der Landeskirchen, hielt Wichern eine programmatische Rede zur Gründung des Zentralausschusses für Innere Mission, der sich am 11. November1848 konstituierte.
1857 wurde Wichern zum ev. Oberkirchenrat in Berlin berufen.
Während der Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 kümmert er sich um die Auswahl und Ausbildung von Felddiakonen.
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