Durch seinen Vater, der ein West Point graduierter US Air ForcePilot war, kam Ed White sehr früh mit Flugzeugen in Berührung. Im Alter von zwölf Jahren nahm ihn sein Vater mit in eine T-6 Trainingsmaschine und erlaubte ihm während des Flugs das Steuer zu übernehmen. Diese Erfahrung vergaß Ed White sein Leben lang nicht mehr.
Da sein Vater ein hochdekorierter Karriere-Offizier war, lernte Ed White viele verschiedene Militärbasen im ganzen Land kennen. Doch als er sich in der High School seiner Wahl in Washington, D.C. einschreiben wollte, stellte sich das Nichtvorhandensein eines festen Wohnsitzes als Hinderungsgrund heraus. Doch er schaffte seinen Schulabschluss und konnte, nachdem er mehrere Fürsprecher gefunden hatte, wie sein Vater, auf die West Point Akademie gehen.
In West Point kümmerte er sich nicht nur um seine akademischen Studien. Ed White war ein hervorragender Hürdenläufer und brach den West Point Rekord auf der 400 m Hürdenstrecke. Eine Nominierung für die olympischen Spiele 1952 verpaßte er nur knapp. Auch im Fußballteam war er als Abwehrspieler eine Größe.
Während eines Sportturniers lernte er Patricia Eileen Finegan kennen, die kurz darauf seine Frau wurde.
1952 graduierte Ed White mit einem Bachelor Abschluss im Wissenschaftsbereich und wechselte danach zur US Air Force. Nachdem er seinen Pilotenschein erworben hatte wurde er nach West-Deutschland versetzt, wo er die Air Force Schule in Bad Tölz absolvierte. Dort flog er die F-86 Sabre Jets wie auch die neueren F-100 Kampfjets.
Im Jahr 1957 las Ed White einen Zeitungsartikel, in dem von der zukünftigen Astronautengeneration die Rede war. Dies war der auslösende Moment, der ihn anhielt, seine Karriere genau in diese Richtung zu steuern.
Nach dreieinhalb Jahren kehrte die Familie White, jetzt mit zwei Kindern (Edward und Bonnie Lynn), aus Deutschland zurück in die U.S.A.. Um sich ein wenig von den anderen Bewerbern für den Astronautenjob abzuheben, studierte White an der University of Michigan. 1959 erwarb er dort seinen Abschluss als Flugingenieur.
Nachdem die sieben Mercury-Astronauten der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, war es Ed White klar, dass es unabdingbar ist, als Air Force Testpilot zu arbeiten. Sofort schrieb er sich in der Edwards Air Force Base zur Testpilotenschulung ein, die er 1959 abschloß._ Danach arbeitete er an der Wright-Patterson Air Force Base in Ohio. Er testete neueste Waffensysteme, schrieb technische Handbücher und half bei der Weiterentwicklung im Flugzeugbau.
Ed White hatte auch die Ehre die Flugzeuge zu fliegen, mit denen die Mercury-Astronauten auf die Schwerelosigkeit im Weltraum vorbereitet wurden. Dort lernte er John Glenn and Deke Slayton kennen. Aber er flog auch Ham und Enos, die beiden Schimpansen, die später vor den Astronauten mit der Mercury starten sollten.
Als das Gemini Projekt in der Startphase war, schrieb die NASA im April1962 die Antragsbedingungen für eine zweite Astronautengruppe aus. Ed White bewarb sich und wurde von der NASA angenommen.
Die Ausbildung für das Gemini Projekt war im Gegensatz zur Mercury-Ausbildung deutlich verschärft worden. Es waren nun nicht mehr reine Passagiere der Kapseln gefragt. Nein, die Gemini-Kapsel mußte gesteuert und an andere Raumschiffe angekoppelt werden und es waren Weltraumspaziergänge geplant. Zudem mußten sich die angehenden Astronauten mit wesentlich mehr Trägerraketen vertraut machen, da auch schon das Folgeprojekt, Projekt Apollo, in der Planung war. So wurden nacheinander die einzelnen Werks- und Montagestätten, sowie die Startrampen für die Titan-, Atlas-, Agena- und Saturn-Raketen besucht. Zudem standen wissenschaftliche Schulungen auf dem Programm, da während der Raumflüge auch Forschungsarbeiten durchgeführt werden mussten.
Nach Beendigung der Schulungen mußte sich jeder Astronaut auf ein bestimmtes Gebiet spezialisieren. Ed White wurde der Bereich der Flugkontrollsysteme zugewiesen, was ihm als begeisterten Testpiloten nur recht sein konnte. Eine seiner wichtigsten Innovationen war die Angleichung aller Handsteuerungen im gesamten Gemini- und Apollo-System.
Gemini 4
Zusammen mit seinem langjährigen Freund James McDivitt wurde Ed White für den Gemini 4 Flug eingeteilt. Ihr Flug sollte der este Langzeitflug einer amerikanischen Besatzung werden, auf dem dreizehn wissenschaftliche Experimente durchgeführt werden sollten. Im März1965 wurden dem Flugplan dann noch zwei weitere Komonenten hinzugefügt. McDivitt sollte als Pilot die Raumkapsel stets in gleicher Entfernung von der zweiten Titan-Raketenstufe in der Erdumlaufbahn halten und Ed White wurde auserkoren einen Weltraumspaziergang auszuführen.
White sollte für seine EVA einen neuen Raumanzug sowie eine Steuerungseinheit, die er in der Hand halten konnte, bekommen. Beides war noch in der Entwicklung, als der Flugplan für Gemini 4 bekannt gegeben wurde. Erst eine Woche vor dem Start publizierte die NASA Whites Weltraumspaziergang.
Am 3. Juni1965 startet Gemini 4 von Cape Canaveral. Schon kurz nach Erreichen des Erdorbits war klar, das McDivitt die Kapsel nicht auf der geforderten Distanz zur Titan-Raketenstufe halten konnte, da diesesehr stark ins Taumeln geraten war und auch nicht genau auf den Orbitkoordinaten der Gemini 4 flog. So konzentrierte sich die Besatzung voll auf Whites EVA.
Während sich die Kapsel auf der dritten Erdumrundung über Hawaii befand, öffnete Ed White die Luke und bewegte sich in den freien Weltraum hinaus. Mit seinem Handsteuergerät konnte er sich relativ problemlos im All bewegen. Er fotografierte mit seiner 35mm Kamera die Erde und die Raumkapsel, aus der heraus McDivitt wiederum ihn fotografierte. Nach mehr als zwanzig Minuten außerhalb der Kapsel stieg Ed White wieder in das Raumschiff ein.
Nach insgesamt 62 Erdorbits landete die Gemini 4 Kapsel im Atlantik.
Präsident Johnson beförderte nach dieser erfolgreichen Mission beide Astronauten in den Rang eines Oberstleutnants. In Chicago fand zu ihren Ehren eine Konfettiparade statt.
Ed Whites Erfolg auf dem Gemini Flug bewog die NASA, ihn für das erste Apollo-Projekt auszusuchen.
Das Apollo-Raumschiff war aber bei weitem noch nicht so ausgereift wie das Gemini-Vorgängermodell, so daß die Techniker und Astronauten unter Hochdruck an der Fertigstellung der ersten Apollo-Kapsel (012) arbeiteten. Als Apollo-Saturn204 (AS 204) sollte die Mission im Frühjahr1967 stattfinden.
Einer der wichtigsten Test fand am 27. Januar1967 auf der Startrampe in Cape Canaveral statt. Die komplette Besatzung, namentlich Gus Grissom, Roger B. Chaffee und Edward H. White nahmen in der Kapsel Platz um einen Drucktest auszuführen. Dabei wurde die Apollo-Kapsel mit reinem Sauerstoff befüllt. Während des Tests fing jedoch (wahrscheinlich durch einen Kurzschluss) das Innere der Kapsel Feuer. Alle drei Astronauten kamen dabei ums Leben.
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