Die Bezeichnung Westfalen (West-Falen= Westmenschen, gemeint Westsachsen) geht zurück auf den westlichen Teil des Siedlungsgebietes der Sachsen und bezeichnet sowohl das Land Westfalen als einen Teil des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, als auch den dort lebenden Menschenschlag.
Westfalen war seit 1180 ein ausgedehntes Herzogtum im Westen des vormaligen Herzogtums Sachsen. Die Bezeichnung wurde auch auf ein Territorium im Sauerland übertragen, das unter unmittelbarer Herrschaft des Herzogs, des Erzbischofs von Köln, stand. Die übrigen Gebiete des Herzogtums waren kirchliche Herrschaftsgebiete und Grafenterritorien.
In Napoleonischer Zeit war Westfalen Teil eines von Frankreich abhängigen Königreichs. Das Gebiet dieses Staatsgebildes erstreckte sich vom heutigen Niedersachsen bis nach Hessen.
Im 8. Jh. befanden sich wichtige Zentren der Sachsen in Westfalen. In Marklo bei Porta Westfalica wurden die zentralen Stammesversammlungen abgehalten. Die heilige Irminsul war ein bedeutende religiöse Stätte.
Entscheidende Ereignisse des 30 Jahre dauernden Sachsenkrieges der Franken Ende des 8. Jh. wurden auf westfälischem Boden ausgetragen. In den Annalen Karls des Großen wird unter anderem von der Eroberung der Syburg über der Ruhr im Süden des heutigen Dortmunder Stadtgebiets berichtet. 794 fand die wahrscheinlich bedeutendste Schlacht dieses grausamen Fränkischen Eroberungszuges auf dem Sindfeld bei Bad Wünnenberg in der Gegend von Paderborn statt.
Beim demonstrativen Reichstag der siegreichen Franken von 799 im westfälischen Paderborn fand ein Treffen von Karl dem Großen und Papst Leo III statt. Dabei wurde die römischen Kaiserkrönung für das Folgejahr vereinbart.
Es folgte die gewaltsame, systematisch durchgeführte Christianisierung Westfalens. Am alten Glauben festzuhalten galt den neuen Machthabern als Widerstand gegen die Frankenherrschaft und bedeutete die Todesstrafe für die Gläubigen. Die christliche Religion war Teil der Herrschaftsstrategie der Eroberer. Erster Bischof von Münster wurde Liudger, der dort in einer Domburg residierte. Weitere Bischofsitze wurden Minden und Paderborn. Corvey entwickelte sich zu einem der mächtigsten Klöster und wichtigem religiösem Zentrum. Mit der fränkischen Herrschaft begann die Vermittlung des antik-mediterranen Kulturerbes ("karolingische Renaissance") in Westfalen.
Politisch wurde Westfalen Teil des dem Fränkischen Reich eingegliederten Herzogtums Sachsen mit Grafenverwaltung. Die Zahl der Thinge (Gerichtstage) wurde erheblich eingeschränkt. Doch blieb ein eigens Recht in der Karolingerzeit: Lex Saxonum.
Mit dem Hellweg durchzog einer der wichtigsten Wege des Reisekaisertums der Ottonischen Zeit Westfalen in West-Ost-Richtung. Dortmund, am Hellweg gelegen, war eine der bedeutendsten Kaiserpfalzen, in der die Könige und Kaiser wiederholt Ostern, als höchstes christliches Fest, verbrachten.
Hochmittelalter
Nach der Entmachtung des Sachsenherzogs Heinrich der Löwe durch Barbarossa wurde die Herzogswürde in Sachsen geteilt. Herzog von Westfalen und Engern wurde der Erzbischof von Köln.
Zwar übten die Erzbischöfe die herzogliche Gewalt für ganz Westfalen aus, doch die politische Macht der einzelnen Territorien war zwischen Grafen und Bischöfen aufgeteilt. Eine besondere Entwicklung erfuhr die Grafschaft Mark, mit ihrem Territorium in Süd-Westfalen, die nach der Schlacht von Worringen1288 zu weitgehender politischer Unabhängigkeit gelangte. Das als Herzogtum Westfalen bezeichnete Territorium war zunächst ein relativ kleines Gebilde von Besitzungen um Werl, Rüthen und Brilon vom Hellweg entlang der Möhne, sowie Winterberg und Attendorn im Sauerland. Sie gelangten seit 1102 in den unmittelbaren Besitz der Kölnischen Erzbischöfe und waren zum großen Teil 1180 aus Besitzungen Heinrichs des Löwen übertragen worden.
Seit Mitte des 13. Jh. bildeten sich in Westfalen Städtebünde heraus. Mit Dortmund und Soest befanden sich, nach Köln, in Westfalen die beiden größten Städte des Hochmittelalters auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik. Dortmund entwickelte sich zur (einzigen) Reichsstadt in Westfalen. Sein Großes Turm-Siegel des 13. Jh. verkündete stolz: Sigillum Tremonie Civitatis Westfalie.
Beiden Städten, Soest wie Dortmund, kam eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Stadtrechten zu. Dortmund war darüber hinaus Vorort für alle Westfälischen Städte im Hanseverbund.
Spätmittelalter
In der zweiten Hälfte des 14. Jh. bildete das Herzogtum Westfalen ein vollständig geschlossenes Territorium. Der Ankauf der Grafschaft Arnsberg 1368 fügte die bis dahin getrennten nördlichen und südlichen Besitzungen der Erzbischöfe im Sauerland zusammen. Arnsberg entwickelte sich zum Hauptort des Herrschaftsgebietes.
Dortmund konnte sich Ende des 14. Jahrhunderts in der Großen Dortmunder Fehde gegen kriegerische Angriffe der benachbarten Grafschaft Mark und des Erzbistums Köln durchsetzen. Die Souveränität als Reichstadt konnte verteidigt werden. Ende des 15. Jh. löste sich Soest, ebenfalls in Fehde, vom Erzbistum Köln. Zeitgleich gewann innerhalb der Hanse die Stadt Münster an Bedeutung.
Frühe Neuzeit und Glaubenskriege
Reformation in den Städten
Bereits 1525 fasste die Reformation in Dortmund Fuß. Bald folgte Soest. Protestantische Bildethik fand hier ihren Ausdruck in den Kupferstichen Heinrich Aldegrevers.
Wiedertäufer
Eine eigenartige Entwicklung nahm Münster mit der Herrschaft der Wiedertäufer (= Gegner der Kindertaufe). Diese radikal-reformatorische religiöse Bewegung hatte in den Niederlanden eine breite Anhängerschaft gefunden. Von dort erreichte sie 1534 Münster, das sich bereits zwei Jahre zuvor der lutherischen Reformation geöffnet hatte. Die Wiedertäufer erlangten solche Macht, dass schließlich der Bischof von Münster sowie alle Andersdenkenden vertrieben wurden und eine straffe Theokratie ("neues Jerusalem") errichtet wurde. Erst nach Ablauf eines ganzen Jahres der Belagerung gelang den Truppen des Bischofs und seiner Verbündeten die Rückeroberung der Stadt nach Verrat. Es folgten grausige Hinrichtungen der Anführer der Täuferbewegung um Jan van Leyden. In der Folge war der Katholizismus im Bistum Münster gefestigt.
Auch in anderen Städten Westfalens waren Wiedertäufer aktiv. Doch begnügte man sich im allgemeinen mit deren Vertreibung, wenn sie nach politischer Macht strebten. In Dortmund wurde 1538 der Wiedertäufer Peter von Rulsem hingerichtet
Geschichte der ehemaligen Preußischen Provinz Westfalen
Die Provinz Westfalen wurde 1815 gebildet, Provinzhauptstadt wurde Münster (Westfalen). Sie umfasste im Wesentlichen die bereits vor 1800 zu Preußen gehörigen Gebietsteile Minden, Grafschaft Mark, Ravensberg und Tecklenburg sowie die nach 1803 an Preußen gelangten Fürstbistümer Münster und Paderborn und einige kleinere Herrschaften, darunter Nassau-Siegen und Limburg/Lenne. Vor 1815 waren Großteile dieses Gebiets Bestandteil des von Napoleon1808 gebildeten Königreichs Westfalen (Hauptstadt Kassel), das bis ins heutige Sachsen-Anhalt reichte.
Die Provinz Westfalen bestand aus einem nahezu geschlossenen Gebiet und war verwaltungsmäßig in die Regierungsbezirke Arnsberg, Minden und Münster gegliedert. 1816 (Essen geht an die Rheinprovinz über) und 1851 und auch während der Weimarer Republik wurden die Grenzen der Provinz geringfügig verändert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Provinz Westfalen mit dem Land Lippe und dem nördlichen Teil der Rheinprovinz zum Land Nordrhein-Westfalen vereinigt und der Sitz des Regierungsbezirks Minden nach Detmold verlegt. Die beiden anderen Regierungsbezirke wurden unverändert beibehalten. Bei der Kreisreform der 1970er Jahre wurden die Grenzen erneut verändert.
Inzwischen wurde diskutiert, die westfälischen Teile des Ruhrgebietes von den Regierungsbezirken Arnsberg und Münster zu lösen und als eigenen Landesteil mit dem rheinischen Teil der Städtelandschaft zu vereinigen. Weiter würden die Regierungsbezirke Münster und Detmold verbunden. Die Verwaltungsfunktion des Regierungspräsidiums, aus der preußischen und lippischen Tradition noch in Münster und Detmold lokalisiert, würde nach Bielefeld verlagert, um dem Zuschnitt des neuen Regierungsbezirkes Rechnung zu tragen.
Detmold gehörte ursprünglich nicht zur preußischen Provinz Westfalen, sondern gehörte zum Fürstentum Lippe, welches nach 1945 aufgelöst wurde.
Die lippische Rose findet man noch im Wappenfuß von NRW.
Verwaltungsgliederung der Provinz Westfalen (Stand: 1946)
1975 wurden durch die Kommunalreform alle ehemaligen Amtsbezirke und Städte des Landes Lippe im Kreis Lippe zusammengefasst.
Wissenswert
Eine Westfälische Symbolfigur ist der Kiepenkerl, ausgestattet mit weitem, blauem Hemd, rotem Halstuch, Holzschuhen und seiner Kiepe, einem Tragkorb. Mit ihrer Kiepe auf dem Rücken zogen früher Krämer über Land und boten auf den Höfen wie in den Städten ihre Waren an. In Münster hat man dem Kiepenkerl ein Denkmal aufgestellt.
Ebenfalls symbolbeladen sind das Westfalenlied und das Westfalenpferd.
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