Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Volksbezeichnung Wenden. Die Gemeinde Wenden in Nordrhein-Westfalen siehe unter:Wenden (Gemeinde).
Wenden (lat. Venedi, auch Elbslawen) ist der alte deutsche Name für alle Slawen.
Er leitet sich von dem Name der Veneter ab, der für verschiedene Völker Verwendung fand und mit dem Erscheinen der Slawen von mittelalterlichen Autoren auch für das ihnen unbekannte Volk verwendet wurde. Wie auch der "Völkername" "Welsche" zeugt er von einem gewissen Distanzbewusstsein von Germanen und später Deutschen gegenüber ihren Nachbarn.
Seit dem späten 6. Jahrhundert und im 7. Jahrhundert wanderten Slawen in die oben genannten Gebiete der Germania Slavica ein. Dabei wurden in der Zeit um 600 und in der ersten Hälfte des 7. Jh. zunächst die Gebiete entlang der Elbe und unteren Saale aufgesiedelt. Ab dem Ende des 7. Jh. und verstärkt im 8. Jahrhundert erfolgte die Besiedlung der nördlich davon liegenden Regionen bis zur Ostsee. Zu einer Herausbildung von "Stämmen" und "Stammesverbänden" (Ethnogenese) kam es erst im der Folge der Landnahme in den neu erschlossenen Siedlungsräumen.
Bis in das 11. und 12. Jahrhundert hinein waren die nördlichen Elbslawen von heidnischen (nicht-christlichen) Kulten dominiert. Während zunächst Heilige Haine und Gewässer als Kultorte verehrt wurden, bildeten sich im 10. und 11. Jahrhundert allmählich ein Priestertum und Kultstätten heraus, die oft auch überregionale Bedeutung hatten. Beispiele sind hier die Tempelburgen in Kap Arkona (Rügen) und Rhetra. Wichtige slawischen Gottheiten waren Radegast und Triglaw.
Die Götter der Götterwelt anderer slawischer Völker existierten auch hier, jedoch bildeten sich stärker als anderswo Stammesgottheiten heraus. Oftmals veränderten alte Götter ihre Bedeutung.
Die Slawen im Elb-Saale-Gebiet und in der Lausitz gerieten schon früher unter den Einfluß der christlichen Kirche. 968 wurde das Erzbistum Magdeburg mit den Suffragen Zeitz, Merseburg und Meißen eingerichtet und die Christianisierung weiter vorangetrieben.
In Quellen aus dem ostfränkisch-deutschen Reich werden eine große Zahl von Stämmen und Stammesverbänden insbesondere seit dem 8. Jahrhundert genannt. Die größten Verbände waren die der Abodriten, Wilzen und die Sorben (von Nord nach Süd). Jedoch bleibt häufig unklar, was sich hinter diesen Namen verbirgt. Es dürfe sich jedoch nicht um festgefügte, homogene und scharf umrissene Gruppierungen gehandelt haben, wie im 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert zumeist angenommen wurde. Vielmehr ist von recht mobilen Gruppierungen auszugehen, die in ihrer Zusammensetzung und Abgrenzung relativ flexibel waren.
In der Beschreibung des so genannten Bayrischen Geographen (Geographus Bavarus) aus der Mitte des 9. Jahrhunderts mit späteren Überarbeitungen und Zusätzen werden die zu dieser Zeit bekannten Stämme und die Zahl der ihnen zugehörigen civitates - Siedlungskammern mit einer zentralen Burganlage und zugehörigen Siedlungen und kleinere Befestigungen - genannt (Völkertafel von St. Emmeram).
Abodriten/Obodriten mit mehreren Teilstämmen; zwischen Kieler Förde und mittlerer Warnow
Obodriten im engeren Sinne von der Wismarer Bucht bis südlich des Schweriner Sees, HauptburgenDobin, Mecklenburg, Schwerin)
Sorben im Elb-Saale-Gebiet mit mehreren "Teilstämmen" wie Colodici und Suisler bzw. Kleinregionen (pagi) wie Chutici und Plisni (um Altenburg), Neletici (um Wurzen), Quesici (um Eilenburg) und Neletici (um Torgau), die aber erst im 10. Jh. in den Quellen begegnen. Das Gebiet der Sorben umfasste laut dem Bayrischen Geographen (etwa) 50 civitates.
In den mittelalterlichen Quellen deutlich von den Sorben geschieden werden die
Daleminzier/Glomaci an der Elbe und in der Lommatzscher Pflege und die Nisanen um Dresden
Christian Lübke, Das östliche Europa. Die Deutschen und das europäische Mittelalter (Berlin 2004) ISBN_3886807606
Sebastian Brather, Archäologie der westlichen Slawen. Siedlung, Wirtschaft und Gesellschaft im früh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa. Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde 30 (Berlin u.a. 2001), ISBN_3110170612
Alfried Wieczorek / Hans-Martin Hinz (Hrsg.), Europas Mitte um 1000 (Stuttgart 2000), ISBN_3806215456, 3806215448
Christian Lübke, Slaven zwischen Elbe/Saale und Oder. Wenden - Polaben - Elbslaven? Beobachtungen zur Namenwahl. Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 41, 1993, 17-43.
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