Weizenbaums Vater war der Kürschnermeister Jechiel Weizenbaum. 1936 emigrierte die Familie in die USA. Dort studierte Weizenbaum zunächst Mathematik. Das Studium an der Wayne-University in Detroit (Michigan, USA) - unterbrochen während des Krieges durch Dienst in der meteorologischen Abteilung der Luftwaffe - beendete er mit den Abschlüssen BS (1948) und MS (1950), danach wurde er Mitarbeiter bei einem Computer-Projekt.
Von 1955 bis 1963 arbeitete Joseph Weizenbaum als Systems Engineer im Computer Development Laboratory der General Electric Corporation und war dort u.a. an der Konzeption des ersten Computer-Banksystems beteiligt.
1966 veröffentliche Weizenbaum das Computer-Programm ELIZA, mit dem er die Verarbeitung natürlicher Sprache durch einen Computer demonstrieren wollte; Eliza wurde als Meilenstein der "künstlichen Intelligenz" gefeiert und sollte menschliche Psychologen bald ablösen. Weizenbaum war entsetzt über die Wirkung seines relativ einfachen Programms, das nie zum Ersetzen eines Therapeuten konzipiert gewesen war, und wurde durch dieses Schlüsselerlebnis zum Computer- und Medienkritiker.
Seit dieser Zeit mahnt Weizenbaum den kritischen Umgang mit Computern und die Verantwortung des Wissenschaftlers für sein Tun an. Er ist Mitbegründer der Computer Professionals for Social Responsibility in den USA und des Forums der Informatiker für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIFF) in Deutschland. Weizenbaum lebt derzeit in Berlin.
Publikationen
2002: Vom Handeln im Netz. Dimensionen der Globalisierung (mit Omar Akbar und Anne Helfensteller; 2. Auflage). form+zweck Verlag. ISBN_3935053010
2001: Computermacht und Gesellschaft. Frankfurt am Main:Suhrkamp. ISBN_3518291556
1994: Wer erfindet die Computermythen? (3. Auflage). Freiburg: Herder. ISBN_3451041928
1991: Kurs auf den Eisberg. Die Verantwortung des Einzelnen in der Diktatur der Technik (Serie Piper; 3. Auflage, 19. Tsd) . ISBN_3492105416 (Erstveröffentlichung: 1987)
1984: Der Kurs auf den Eisberg oder das Wunder wird uns retten, sagt der Computerexperte. Zürich: Pendo-Verlag. ISBN_3858420875
1978: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft, Frankfurt am Main: Suhrkamp. ISBN_3518278746 (auch: Frankfurt am Main: Suhrkamp 1977. ISBN_3518574566 - gebundene Ausgabe)
1976: Computer power and human reason: from judgment to computation. San Francisco: W. H. Freeman
1966: "ELIZA - A Computer Program for the Study of Natural Language Communication between Man and Machine", Communications of the Association for Computing Machinery 9 (1966): 36-45
Erkenntnis und Information (mit Johannes Hartkemeyer). LIT Verlag Dr. Wilhelm Hopf.
Die so genannte Ohnmacht des einzelnen ist vielleicht die gefährlichste Illusion, die ein Mensch überhaupt haben kann.
Der meiste Schaden, den der Computer potenziell zur Folge haben könnte, hängt weniger davon ab, was der Computer tatsächlich kann oder nicht kann, als vielmehr von den Eigenschaften, die das Publikum dem Computer zuschreibt.
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