Weiblichkeit (auch seltener: Fraulichkeit) steht als Schlagwort oder Begriff immer einem anderen Begriffspol, der "Männlichkeit", gegenüber; entweder konträr (dann gibt es Zwischenformen) oder kontradiktorisch (dann schließt Eines das Andere aus: Was "nichtweiblich" ist, ist dann immer "männlich") - vgl. auch Yin und Yang.
"Weiblichkeit" lässt sich biologisch als "die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht" definieren. Dann ist "weiblich" im Kern, wer gebären und stillen kann. Zoologisch vgl. "Weibchen".
Soziologisch bzw. sozialpsychologisch gesehen kommt neben dem biologischen Geschlecht ein weiterer Faktor hinzu: die Geschlechtsrollenkonformität (vgl.: Soziale Rolle). Als weiblich, fraulich oder feminin gelten die - und nur die - Frauen, die den Vorstellungen des jeweiligen soziokulturellen Umfeldes von "Weiblichkeit" entsprechen. Auf diese Weise entstehen vermeintliche Paradoxa wie das Attribut "unweibliche Frau". Eine männlichere körperliche Grunddisposition dieser Frauen ("Virago", vgl. Rainer Knußmann, Lehrbuch der vergleichenden Anthropologie und Humangenetik) kann ebenfalls den Eindruck der "Unweiblichkeit" hervorrufen.
Darüber hinaus ist "Weiblichkeit" jedoch auch die Projektion eines Bündels von Normen, die von der Gesellschaft oder Gruppen einer Gesellschaft für Mädchen und Frauen gesetzt werden. Wie andere Normen kann man sie für sich zum Beispiel auch anders definieren, sich mit ihnen sogar vollkommen identifizieren oder sie ganz ablehnen.
Diese Normen bezüglich der Weiblichkeit betreffen Aussehen, Verhalten, Fähigkeiten, Bedürfnisse, Rechte und Funktionen in der Gesellschaft usw. und leiten sich aus den Geschlechtermodellen, Frauenbild usw. ab.
Definition von "Weiblichkeit" (zumal im mitteleuropäischen Kulturraum)
Folgende Charakteristika gelten im Kulturraum Mitteleuropas als "besonders weiblich":
Konformität mit dem jeweils (oft nur teilweise) geltenden Schönheitsideal:
Aussehen: Tadelloser Teint, gepflegte Magerkeit, jedoch Figurbetonung (vgl. Diät): prominenter Busen (vgl. Brustvergrößerung), schmale Taille (bis hin zur "Wespentaille"), eher üppiger Po, kleine Füße; Langhaarigkeit bei sonst sparsamer Körperbehaarung (vgl. dazu Locken, Dauerwelle, Zopf) - siehe auch: Lifting,Schönheitschirurgie, Sexbombe
Kleidung: Kleid (aber auch: Schürze), Bikinis, Korsagen, Brillenlosigkeit, schmale, ggf. spitz zulaufende Schuhe, (jedoch keine chinesische Fußbandagen), bei Säuglingen lange noch Rosa als Farbe (gegenüber dem Hellblau männlicher Babies) u.a.m.
Konformität mit dem gesellschaftlich erwarteten Geschlechtsrollenverhalten:
Verhalten: Freundlichkeit (auch: Mitleid), Fügsamkeit (vgl. Zwangsheirat), Heiterkeit (bereitwilliges Lächeln in der Konversation), "soziale" eher als "technische" Fähigkeiten, Handfertigkeit und feinmechanisches Geschick (gegenüber 'männlicher' Kraft und grobmechanischer Patentheit), Spontaneität (gegenüber 'männlichem' Organisationsgeschick), Zaghaftigkeit (gegenüber 'männlichem' Mut)
Gesellschaftliche Stellung: Tendenzielle Unterordnung gegenüber "männlichen" Autoritäten - merklich in der Politik (s.u.), Zugangserschwernis bei vielen Berufen (vgl. hier auch: Hausfrau).
Dem gegenüber tritt - im Kontrast zu den meisten anderen bekannten Kulturen - "Fruchtbarkeit" (Kinderreichtum - vgl. Fertilität, Fruchtbarkeitssymbole, Venus von Willendorf) zurück.
Der SoziologeFerdinand Tönnies (der übrigens die Frauenbewegung begrüßt hat) hielt in "Gemeinschaft und Gesellschaft" 1887 die Beobachtung fest, dass gerade zu seiner Zeit, aber auch sonst in vielen Kulturen das "Weibliche" der Gemeinschaft, das "Männliche" der Gesellschaft zugeordnet wird. Die frühe deutsche Soziologie ümging dann dies umstrittene Thema lieber, ungeachtet subtiler Beiträge z.B. von Georg Simmel.
Politik
Oft gehören Desinteresse an der und Unbegabtheit zur Politik zu den unausgesprochen zugeschriebenen weiblichen Merkmalen (vgl. hier: Wahlrecht, Quotenfrau und generell viele faktische und rechtliche Herrschaftsformen, wie etwa die Erbmonarchie).
Dies wurde und wird insbesondere von der Frauenbewegung politisch in Frage gestellt. Doch gibt es auch radikal feministische Auffassungen, die eine "Gynaikokratie" (Frauenherrschaft) an Stelle der Herrschaft 'der Männer' propagieren.
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