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Wale

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Tabelle


Die Wale (Cetacea) sind eine Ordnung der Säugetiere mit knapp 80 Arten, die alle vollständig im Wasser leben. Bis auf die Flussdelfine und einige Delfine leben alle Wale im Meer. (Die umgangssprachliche Bezeichnung Walfisch ist irreführend, da Wale nicht zu den Fischen zählen.)


Obwohl Wale zu den Säugetieren (bzw. genauer zu den Placentatieren) gehören, werden sie (z.B. die Grönlandwale) bis zu 211 Jahre alt.


Inhaltsverzeichnis


1 Merkmale

2 Evolution der Wale

3 Lebensweise

  3.1 Fortpflanzung

4 Bedrohung

  4.1 Walfang

  4.2 Fischerei

  4.3 Umweltgefahren

5 Systematik

6 Literatur

7 Weblinks


Merkmale

Wale sind Meeressäuger, deren Körper äußerlich den Fischen ähnlich sieht. Sie teilen jedoch mehrere wesentliche Merkmale mit allen Säugetieren:


  • Wale haben Lungen statt Kiemen und müssen Luft atmen. Da ihr Atemsystem hervorragend angepasst ist, können sie aber minutenlang untergetaucht bleiben. Einige Arten können auch bis zu zwei Stunden tauchen.
  • Wale sind gleichwarm und nicht wechselwarm wie Fische.
  • Alle Wale gebären lebende Kälber.
  • Zudem ist die Schwanzflosse waagerecht statt senkrecht wie bei den Fischen.


Wale sind neben den Seekühen die einzigen vollständig an das Leben im Wasser angepassten Säugetiere. Sie verbringen ihr ganzes Leben im Wasser, und sind auch nicht in der Lage, an Land zu überleben, da sie sich sonst selber durch ihr schweres Gewicht erdrücken, austrocknen oder wegen ihrer Wärmeisolation an Hitzschlag sterben würden.


Alle Wale haben einen langgestreckten Kopf, der besonders bei den Bartenwalen durch die weit ausladenden Kiefer extreme Ausmaße annimmt. Die Nasenlöcher der Wale bilden das Blasloch, eines bei Zahnwalen, zwei bei Bartenwalen. Sie liegen auf der Oberseite des Kopfes, so dass der Körper beim Atmen untergetaucht bleiben kann. Beim Ausatmen kondensiert meist die Feuchtigkeit der Atemluft und bildet den so genannten Blas. Der Körper ist stromlinienförmig. Wale besitzen zwei flossenartige vordere Gliedmaßen, die den Vorderbeinen der Landsäuger entsprechen und Flipper genannt werden. Die Schwanzflosse - die Fluke - ermöglicht durch vertikales Schlagen die Fortbewegung. Auf dem Rücken befindet sich die senkrechte Finne, die je nach Art verschiedene Formen annimmt. Bei einigen Arten fehlt sie völlig.


Zu den Walen gehören die größten lebenden Tiere der Erde.


Der Blauwal ist möglicherweise sogar das größte jemals lebende Tier überhaupt, der Pottwal ist das größte Fleisch fressende Wesen in der Geschichte der Erde.


[Bild extern:] Skelett eines Wals


Das Walskelett hat einen charakteristisch verlängerten Schädel (gut bei dem hier dargestellten Bartenwal ersichtlich). Die Halswirbel sind bei den meisten Walen miteinander verschmolzen, was Stabilität beim Schwimmen auf Kosten der Beweglichkeit verschafft. Die vorderen Gliedmaßen sind paddelförmig, um die Fortbewegung zu unterstützen. Da eine Fortbewegung des Wals auf dem Land nicht mehr erforderlich (und aufgrund seines Eigengewichtes auch nicht mehr möglich) ist, sind die hinteren Gliedmaßen stark verkümmert.


Evolution der Wale

Erdgeschichtlich haben sich die Wale vor etwa 50 Millionen Jahren aus Verwandten der Huftiere entwickelt, die vor allem aus Pakistan fossil erhalten sind.


Heute gilt das Flusspferd als nächster lebender Verwandter der Wale.


Fossil lässt sich die graduelle Wandlung vom Land- zum Meerlebewesen an den folgenden Merkmalen verfolgen.


  • Mit Verschwinden der Hinterbeine entwickelt sich eine flexible Wirbelsäule, die den Schwimmantrieb mit einer Schwanzflosse erlaubt.
  • Die Vorderbeine verwandeln sich langsam in Flossen, und verlieren dabei ihre ursprüngliche Beweglichkkeit.
  • Das Ohr ist nicht mehr nach außen offen. (Hier gehört ein eigenes Kapitel hin.)
  • Die Nasenlöcher wandern von der Kopfspitze nahe der Mundöffnung nach oben, so dass der Wal das Atmen 'im vorüberschwimmen' erledigen kann.
  • Die Zähne, bei den ursprünglichen Landbewohnern differenziert (Schneide-, Eck-, Backenzähne), gleichen sich aneinander an. (Barten sind eine relativ späte Entwicklung in der Unterordnung der Bartenwale.)


Das älteste als direkter Walvorläufer identifizierte Fossil ist Pakicetus, ein vor 50 Millionen Jahren an Gewässern lebendes Tier, das noch vier deutlich ausgeprägte Beine besitzt.


Als wichtigstes Zwischenglied vom Land- zum Meerleben gilt der 49 Millionen Jahre alte Ambulocetus natans, der bis zu 3 m lang wurde.


Auch diese Art besitzt noch vier zur Fortbewegung an Land geeignete Beine.


[Bild extern:] 1. Grönlandwal, 2. Orca (Schwertwal), 3. Nordkaper (Glattwal),4. Pottwal, 5. Narwal, 6. Blauwal, 7. Furchenwal, 8. Belugawal (Weißer Wal)Alle Wale sind im gleichen Maßstab gezeichnet.


Aus der Zeit um etwa 45 Millionen Jahren finden sich eine Reihe von Arten (Indocetus, Rodhocetus, Kutchicetus, Andrewsiphius), die deutlich an das Leben im Wasser angepasst sind. Die Hinterbeine sind stark zurückgebildet, und die Körperform erinnert an Robben.


Seit etwa 40 Millionen Jahren bevölkern Arten die Ozeane, die keine Verbindung zum Land mehr haben (z.B. Basilosaurus).


Der Übergang vom Land zum Meer war also in 10 Millionen Jahren vollzogen.


In Folge traten viele verschiedene Formen von Walen auf (man kennt etwa 1000 fossile Arten), die in der Mehrzahl verschwanden, und deren Nachfolger heute alle Meere bevölkern.


Lebensweise

Fortpflanzung

Wale bringen immer nur ein Junges zur Welt. Die Säugezeit ist meistens lang (bei vielen Arten über ein Jahr), was mit einer engen Bindung der Mutter an ihren Nachkommen einhergeht. Die meisten Wale werden spät geschlechtsreif, typischerweise mit sieben bis zehn Jahren. Diese Fortpflanzungsstrategie erbringt wenige Nachkommen, die dafür eine hohe Überlebensrate haben.


Die Geschlechtsorgane sind während des Schwimmens in Vertiefungen innerhalb des Körpers verborgen, was den Widerstand senkt. Zur Paarung gehen die meisten Wale keine festen Bindungen ein, bei vielen Arten haben die Weibchen dagegen mehrere Partner je Saison. Die Geburt erfolgt mit dem Schwanz voran, so dass die Gefahr des Ertrinkens für das Neugeborene minimal ist. Beim Säugen spritzt die Walmutter die fettreiche Milch aktiv in das Maul des Jungen.


Bedrohung

Walfang

Hauptartikel: Walfang


Im Mittelalter waren die Gründe für den Walfang die enormen Mengen Fleisch, der als Brennstoff verwertbare Waltran und die Kieferknochen, die man im Hausbau verwendete.


Am Ende des Mittelalters fuhren bereits ganze Flotten aus, um die großen Wale (mehrheitlich Glattwale und Grönlandwale) zu jagen.


Ungefähr in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten Wale Bedeutung als Rohstofflieferant für die Industrie. In dieser Zeit wurde intensiv gejagt.


Die meisten bejagten Walarten sind in ihrem Bestand bedroht. Einige Großwalarten wurden bis ins späte 20. Jahrhundert stark bejagt, wodurch ihre Populationen teilweise bis an den Rand der Ausrottung ausgebeutet wurden. Heute sind sie stark dezimiert, ein Zuwachs ist nur langsam möglich ist. Vollständig ausgerottet wurden bereits der Atlantische Grauwal, der koreanische Grauwal und der Biskayawal.


Das Töten von Walen zu kommerziellen Zwecken ist seit 1985 weltweit verboten. Allerdings werden mit anderen Begründungen auch heute Wale gejagt.


Fischerei

Auch die für den Walfang uninteressanten Kleinwale - vor allem einige Delfinarten (gehören zu den Zahnwalen - sind teilweise stark dezimiert. Sie fallen sehr häufig der Thunfischerei zum Opfer, weil sie sich oft in der Nähe von Thunfischschwärmen aufhalten. Dies ist auch den Fischern bekannt, wodurch sie oft nach Delfinen Ausschau halten, um Thunfische zu fangen. Delfine sind wesentlich leicheter auszumachen als Thunfische, da sie regelmäßig an der Oberfläche Luft holen müssen. Die Fischer ziehen mit ihren Netzen hunderte Meter große Kreise um die Delfingruppen herum, in der Erwartung, dass sie auch einen Thunfischschwarm eunschließen. Die Netze werden zusammengezogen, die Delfine vefangen sich unter Wasser und ertrinken.


Umweltgefahren

Die zunehmende Meeresverschmutzung stellt auch für die Meeressäuger ein ernst zu nehmendes Problem dar. Schwermetalle und Reste vieler Pflanzen- und Insektengifte sind biologisch nicht abbaubar. Über die Meerespflanzen und Beutetiere gelangen sie dann in den Körper der Wale. In Folge werden die Tiere anfälliger gegenüber Krankheiten und bekommen weniger Junge.


Auch die Zerstörung der Ozonschicht wirkt sich auf die Wale aus, denn Plankton reagiert sehr empfindlich auf Strahlung und vermehrt sich weniger stark. Dadurch schrumpft das Nahrungsangebot für viele Meerestiere, besonders betroffen sind aber die Bartenwale. Auch das Nekton wird, neben der intensiven Befischung, durch die intensivere UV-Einstrahlung geschädigt und ist als Futterquelle quantitativ und qualitativ eingeschränkt.


Vor allem militärische und geologische Aktivitäten bedienen sich starker Sonare und erzeugen zusammen mit Sprengungen und Schiffsverkehr in zunehmendem Maße Lärm in den Ozeanen. Meeressäuger, die Biosonare zur Orientierung und Kommunikation verwenden, werden dadurch behindert. Es konnten auch bereits tödliche Schäden an Organen der Meeressäuger durch Lärm festgestellt werden. Meeresbiologen vermuten, dass die Verlärmung der Ozeane eine Ursache für das Stranden von orientierungslos gewordenen Walen und Delphinen ist.


Systematik

Die Ordnung Cetacea wird in zwei Unterordnungen aufgeteilt:


  • Bartenwale (Mysticeti) verdanken ihren Namen den Barten, kammartigen, an den Enden aufgefaserten Hornplatten, mit denen sie Kleintiere wie Plankton aus dem Meerwasser filtern, indem sie eine große Menge Meerwasser ins Maul nehmen und es durch die Barten auspressen. Beim Grönlandwal können die Barten über 4 Meter lang werden. Zu dieser Gruppe gehören die größten lebenden Tiere.
  • Zahnwale (Odontoceti), zu denen auch die Delfine zählen, haben eine Reihe kegelförmiger Zähne, in beiden Kiefern (z.B. Delfine) oder nur im Unterkiefer (z.B. Pottwal). Sie zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, ihre Umgebung mittels Echolokation wahrzunehmen.


Während es bis in die 1970er noch Meinungen gab, dass Zahn- und Bartenwale sich unabhängig voneinander entwickelt hätten, geht man heute von einem gemeinsamen Vorfahren aus und hält die Wale für monophyletisch.


Elf Walarten werden als Großwale bezeichnet. Dies ist jedoch keine systematische Kategorie, sondern eine zusammenfassende Bezeichnung für die Kolosse der verschiedenen Walfamilien.


Siehe auch: Systematik der Wale, Moby Dick


Literatur

  • Wally Lamb / Heinz Zwack: Die Musik der Wale. Ullstein-Taschenbuch Verlag, 2004
    ISBN_3-548-84013-2
  • Maurizio Würtz / Nadia Repetto: Wale & Delphine Sonderausgabe der Zeitschrift Tauchen, 1998 ISBN_3-86132-264-1
  • Mark Carwardine: Wale und Delfine. Reihe paletti, Verlag Karl Müller, 2003 ISBN_3-89893-501-9


Weblinks



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