An Waldorfschulen (auch Rudolf-Steiner-Schulen) wird nach dem Pädagogik-Verständnis von Rudolf Steiner gelehrt. Grundlage der Reformpädagogik an Waldorfschulen ist der Anspruch, jedes Kind nach seinem individuellen Entwicklungsstand. Die Waldorfpädagogik ist der bekannteste Teil der von Rudolf Steiner begründeten Lehre der Anthroposophie.
In der Bundesrepublik existieren 187Waldorfschulen, in Europa 632 und weltweit 881. Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart als Betriebsschule durch den Direktor der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik Emil Molt gegründet. Von der Zigarettenfabrik erbte die pädagogische Bewegung Rudolf Steiners ihren Namen. Zwischen 1933 und 1945 wurde der Lehrbetrieb an Waldorfschulen in Deutschland verboten.
Die Waldorfschulen sind private Ersatzschulen im Rahmen der Schulgesetzgebung der Bundesländer in Ausgestaltung des Grundgesetzartikels 4 (Glaubens- und Bekenntnisfreiheit). Die Anerkennung der Waldorfschulen als Bekenntnis-/Weltanschauungsschulen bedeutet einerseits die staatliche Sicherung des finanziellen Grundbedarfs der privaten Waldorfschulen, andererseits darüber hinausgehend auch das Erheben von Schulgeld von den Eltern. Die Waldorfschulen sind dazu gehalten, die Erhebung von Schulgeld von sozialen Gesichtspunkten wie dem Elterneinkommen abhängig zu machen und dennoch möglichst keinem Kind aus finanziellen Gründen den Schulbesuch zu versagen.
Lehrformen an deutschen Waldorfschulen
Ab der ersten bis zur achten Klasse (Klassenlehrerzeit) wird der Klassenverband von einem Lehrer geführt, der alle Pflichtfächer gleichermaßen unterrichtet. Der Unterricht erfolgt in Blockform, dem sogenannten Epochenunterricht. Mehrere Wochen wird jeden Tag mehrere Stunden das gleiche Fach gelehrt, ergänzt um weitere Fächer außerhalb des Epochenunterrichtes.
Zu den Regelfächern wie Deutsch, Mathematik, Geschichte, Biologie, Physik, Chemie, Musik, Religion und Sport wird zusätzlicher Unterricht vor allem im künstlerischen und handwerklichen Bereich angeboten. So gehört neben Handarbeit, Schreinern, Gartenbau, Plastizieren und Malerei auch das umstrittene Fach Eurythmie zum Lehrplan an Waldorfschulen. Zur jeweiligen Unterrichtsepoche wird von den Schülern ein Epochenheft angefertigt, das nach der Epoche dem Lehrer abgebenen wird und der Leistungsstandskontrolle dient. Bücher für die Schüler sind im Unterricht nicht vorgesehen. Nach der achten Klasse wird an Waldorfschulen der Blockunterricht beibehalten, der Unterricht jedoch von Fachlehrern übernommen. Ab der ersten Klasse werden den Schülern mindestens zwei Fremdsprachen nahegebracht. Englisch ist Pflichtfach, oft wird nach Russisch oder Französisch als Zweitfremdsprache ab der Oberstufe eine weitere Fremdsprache angeboten.
Notengebung ist an Waldorfschulen verpönt, stattdessen wird im Zeugnis der jeweilige Leistungsstand und -fortschritt ausformuliert niedergelegt (sog. Textzeugnis). Hier sollen individuelle Defizite und Leistungen im Vergleich zu Klassenfortschritt und Lernziel den Schülern und Eltern aufgezeigt werden. Diese Praxis wird bis zur zwölften Klasse beibehalten, jedoch zum Ende der Schulzeit aus Gründen der Vergleichbarkeit und Leistungskontrolle bei Klassenarbeiten aufgeweicht. Eine Nichtversetzung (Sitzenbleiben) ist in der Waldorfpädagogik nicht vorgesehen, jedoch nach Absprache mit den Eltern nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
Die Regelschulzeit beträgt zwölf Schuljahre, nach denen die Schüler mit dem Waldorfschulabschluss (Oberschulreife bzw. Fachoberschulreife, ggf. mit Qualifikationsvermerk) die offizielle Waldorfschulzeit beenden. Binnen der Regelschulzeit an Waldorfschulen soll keine Diversifikation aus Leistungsgründen stattfinden, was in der Praxis dennoch meist ab etwa der neunten Klasse - und damit fast fünf Jahre nach der Schullaufbahnentscheidung im dreigliedrigen staatlichen Schulsystem - geschieht. Bestandteil des Waldorfschulabschlusses ist neben den gewöhnlichen schulischen Leistungen und mehreren Praktika auch das Anfertigen der sogenannten Jahresarbeit, einer Facharbeit die sich aus theoretischem und praktischem Teil zusammmensetzt und für die der Schüler insgesamt ein Jahr Zeit erhält, in der er sich neben dem normalen Schulbetrieb der Jahresarbeit widmen soll.
Zusätzlich bieten die meisten Waldorfschulen eine dreizehnte Jahrgangsstufe an, in der die Schüler das Abitur machen können. Dieses wird von externen, von den Landeskultusministern hiermit beauftragten Prüfern abgenommen.
Kritik an der Waldorfpädagogik
Waldorfpädagogik ist aus verschiedenen Gründen in der Vergangenheit in die Kritik geraten: So ist zum einen das Vokabular Rudolf Steiners und seine dem Zeitgeist entsprechende Weltsicht im Rahmen seiner Anthroposophie-Lehre immer wieder Gegenstand der Kritik geworden. So wurde und wird den Waldorfschulen z.B. Antisemitismus, die Verwendung abstruser und geschichtsverfälschender Lehrwerke und geistige Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut vorgeworfen. Auch das "Heile Welt"-Image und die "Kuschelpädagogik" wird - ähnlich der Kritik an der Pädagogik nach Maria Montessori - gelegentlich als Anwurf vorgebracht. Waldorfschulen müssen sich zudem mit dem Vorwurf der Technikfeindlichkeit auseinandersetzen.
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