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Wald

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Ökosystem Wald. Andere Bedeutungen unter Wald (Begriffsklärung)

Der Wald ist grundsätzlich ein Ökosystem, in dem Bäume das beherrschende Element darstellen.


Im engeren, wissenschaftlichen Sinne wird als Wald, in Abgrenzung zum von Menschen bewirtschaftetem und beeinflusstem Forst, jedoch nur natürlicher Urwald bezeichnet. Diese Unterscheidung ist im allgemeinen Sprachgebrauch allerdings wenig gebräuchlich.


Inhaltsverzeichnis


1 Rechtliche Definitionen

2 Geschichte und Funktionen

3 Begrenzende Faktoren

4 Ausprägungen

  4.1 Vegetationstypen

  4.2 Nutzung

    4.2.1 Nutzungsformen

  4.3 Sukzessionsstadien

5 Flächenverteilung

  5.1 Deutschland

  5.2 Österreich

  5.3 Schottland

6 Ökonomie oder Ökologie?

  6.1 Wilddichte

  6.2 Megaherbivoren

  6.3 Historische Nutzungsformen

7 Weblinks


Rechtliche Definitionen

Als juristischer Begriff ist Wald auch gesetzlich definiert:




Geschichte und Funktionen

Wälder stellen vielfältige Funktionen für Ökologie, Ökonomie und Erholung bereit und werden oft als grüne Lunge bezeichnet. Historisch betrachtet haben die Wälder weltweit, insbesondere aber im dichtbesiedeltem Mitteleuropa, einen starken Wandel bezüglich ihrer Nutzung und Ausprägung erlebt.


Siehe auch Hauptartikel: Geschichte des Waldes in Mitteleuropa


Begrenzende Faktoren


[Bild:] Laubwald mit umgestürztem Baum

Weltweit treten Wälder als Vegetationsformation natürlicherweise in Gebieten mit einer (je nach Temperatur) bestimmten minimalen Niederschlagsmenge auf.


Fällt weniger Niederschlag, geht der Wald in eine Savanne oder Steppe über. Das Gleiche gilt für Höhenlagen, die je nach den örtlichen Gegebenheiten ab einer bestimmten Höhe eine natürliche Waldgrenze aufweisen, oberhalb derer kein Wald mehr wachsen kann. Daneben spielen bestimmte Tiere, zum Beispiel Elefanten eine wichtige Rolle, da sie dafür sorgen, das beispielsweise Feuchtsavannen als offene Landschaften erhalten bleiben.


Innerhalb der thermischen Zonen (tropisch, meridional/austral, nemoral, boreal, arktisch/antarktisch) bilden sich je nach Humiditätsgrad (humid, semihumid, semiarid, arid) und Jahreszeit der Niederschläge verschiedene Waldformationen beziehungsweise Steppen, Halbwüsten, Wüsten und Tundren beziehungsweise Hochgebirgsvegetationen aus.


Ausprägungen

Vegetationstypen

Siehe Hauptartikel: Waldgesellschaften Mitteleuropas




Nutzung

Nicht nach den Pflanzengesellschaften oder dem vorherrschendem Klima, sondern danach, ob der Wald wirtschaftlich genutzt wird oder nicht, kann man den Wald unterscheiden in nicht genutzen Urwald, der sich wiederum unterscheiden lässt in:


  • Primärwald
  • Sekundärwald
  • und die bewirtschafteten Forsten.


Nutzungsformen

Diese lassen sich wiederum in verschieden Formen der Bewirtschaftung einteilen, obwohl, aufgrund der Forstwirtschaft des 19. Jahrhunderts, die meisten Menschen nur noch Hochwälder vor Augen haben:




Durch "historischen Waldnutzungsformen" wie Waldweide und Streunutzung kam es zu sehr negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit der Böden.


Sukzessionsstadien

Ökologisch lässt sich auch eine Einteilung nach Sukzessionsstadien vornehmen: das Mosaik-Zyklus-Konzept beschreibt die Formen der potentiell natürlichen Waldentwicklung. Auch die durch menschliche Nutzung eingestellten Bestandesformen lassen sich in natürlich vorkommende Sukzessionsstadien einordnen.


Flächenverteilung

Die ausgedehntesten Waldgebiete der Erde sind die tropischen Regenwälder um den Äquator und die borealen Wälder der kalten bis gemäßigten Gebiete der Nordhalbkugel (Sibirien, Kanada).


Deutschland

Die Waldfläche in Deutschland beträgt etwa 30 %, das sind ungefähr 10,7 Millionen Hektar, davon sind etwa 70 % Staats- oder Gemeindewald und 30 % Privatwald. Dieser vergleichsweise hohe Waldanteil ist den Aufforstungsbemühungen hauptsächlich des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Im Vergleich dazu sind 25 % der Siedlungsfläche zuzurechnen, davon sind 50 % vollständig versiegelt (täglich um 129 ha zunehmend).


Deutschland ist damit dennoch wieder eines der waldreichsten Länder in der EU. Dies gelang unter anderem durch die Entwicklung der Forstwirtschaft.


Österreich

In Österreich beträgt die Waldfläche etwa 47 %. Zwei Drittel sind auch nach den letzten Waldinventuren intakt. Probleme bilden nur die Schutzwälder. Es wächst auch um 30 % mehr Holz nach als verbraucht wird oder durch Windbruch oder Wildverbiss geschädigt wird. Nicht nur durch Aufforstungen, sondern auch durch Stilllegungen von landwirtschaftlichen Flächen erobert der Wald wieder Gebiete zurück. Da teure Holzbringung im Wettbewerb zu billigeren Importen stehen, wird oft das Holz im Wald nicht geschlagen.


Größter Waldeigentümer sind die österreichischen Bundesforste. Der waldreichste Bezirk in Österreich ist der Bezirk Lilienfeld in Niederösterreich, der an die 80 % Waldfläche aufweist. Der Hauptteil ist Nadelwald, wobei die Fichte über 50 % aller Baumarten ausmacht. An zweiter Stelle steht die Buche mit 10 %, alle anderen Baumarten sind weit seltener.


(siehe: Bundesamt und Forschungszentrum für Wald)


Schottland

Schottland wurde ebenfalls in früherer Zeit fast völlig entwaldet, jedoch wurden dort kaum Anstrengungen unternommen den so genannten Kaledonischen Wald, der heute nur noch in kümmerlichen Resten existiert, wiederaufzuforsten.


Ökonomie oder Ökologie?

Durch die vielfältigen Funktionen des Waldes kommt es bei Bewirtschaftung und sonstigen Nutzungen zu Konflikten zwischen verschiedenen Interessengruppen.


Wilddichte

Zu hohe Wilddichte schadet dem Wald nicht nur als Wirtschaftsgut, behaupten traditionelle Forstwirtschaftler und konservative Jäger (Überweidungseffekt an der Naturverjüngung sowie Verbissselektion seltener Arten, siehe auch Weblink "Jeden Tag Krieg im Forst - Forstmann Georg Meister über die Rehwildplage, seinen Kampf gegen die Jagdlobby und den schwierigen Weg vom Holzacker zum Ökowald").


Hirsche, Rehe und Feldhasen verbeißen den Jungwuchs, so dass man umzäunen muss, damit neue Bäume in großer Zahl und geradem Wuchs heranwachsen können (seien es gepflanzte oder die Etablierung der Naturverjüngung). Gerade Baumarten, die selten sind, werden als "Spezialität" besonders stark verbissen.


Pflanzen, die in Baumschulen zur Wuchsbeschleunigung gedüngt wurden, ziehen die Wildtiere besonders stark an (höhere Stärkeeinlagerung und höherer Zuckergehalt im Saft in den ersten Jahren nach der Auspflanzung, damit ein höherer Nährwert). Weiterhin ist unabhängig von der Düngung einfach ein anderer Geschmack zu vermuten - sofern die angepflanzten Baumarten überhaupt im nennenswerten Umfang "wild" vorkommen (rein aus Kostengründen erfolgt die teure Pflanzung oft nur noch zur Anreicherung der Bestände mit dort nicht vorhandenen Laubbaumarten - damit diese sich in einigen Jahrzehnten verjüngen. Fichte, Kiefer und Lärche sähen sich oft genug von selbst).


Gegen die von allen Seiten oft geäußerte Vermutung des bevorzugten Verbisses von Baumschulpflanzen sprechen - unter der Annahme, dass Wildlinge einen nur unbedeutenden Anteil am Pflanzgut einnehmen - nach AFZ 9/2004, S. 459 die Ergebnisse der Bundeswaldinventur 1990 in Rheinland-Pfalz: "Die Verbisssituation ist in Naturverjüngungsflächen noch unbefriedigender als in Kunstverjüngungen (Pflanzungen)." Hier dürfte die Pflanzengröße einen entscheidenden Faktor darstellen: der verbissene Anteil von Bäumen in Größen unterhalb der üblichen Pflanzsortimente ist erheblich größer.


Erst die Entwicklung der Forstbaumschulen ermöglichte den großflächigen Anbau von anderen Baumarten als Kiefer und Fichte.


Megaherbivoren

Ob dieser Wildverbiss ökologisch schädlich ist oder nicht, ist umstritten. Unbestritten ist allein, dass Wald, Wild und Verbiss in erträglichem Umfang zusammengehören, und Abweidung und - der für Baumarten mit geringen Anteilen eher Regel als Ausnahme darstellende - Totalverbiss zu langfristiger Artenverarmung und zu wirtschaftlichen Schäden) führen.


Die so genannte Megaherbivorentheorie geht davon aus, dass erst durch Wildverbiss durch große Pflanzenfresser (Megaherbivoren) eine mosaikartige Landschaft entsteht, die eine hohe Artenvielfalt ermöglicht. Die Megaherbivorentheorie geht davon aus, dass die in Mitteleuropa ausgestorbenen Megacarnivoren, also große Fleischfresser die Anzahl der Pfanzenfresser auf einem Niveau halten würden, dass es weder zur totalen Waldvernichtung, noch zu eintönigen Buchenwäldern kommen würde, sondern die Wälder einem stetigen Kreislauf aus entstehen, wachsen, altern und absterben unterworfen wären. Letztes Stadium vor dem langsamem Auflichten, bevor der Wald dann langsam wieder verschwindet, wäre der artenreiche Hutewald.


Zu den Megaherbivoren fehlen in unserer Kulturlandschaft bisher noch die Megacarnivoren, die im Gegensatz zu ihren Beutetieren wesentlich höhere Ansprüche stellen. Erfolge diese wieder anzusiedeln gibt es aber bereits. Vor allem der Luchs, aber auch der Wolf (in Sachsen) und der Braunbär (in Österreich) sind bereits wieder Teil unserer Waldfauna.


Über die Dichte von Megaherbivoren in früheren Zeiten gibt es fast keine Daten, lediglich Vermutungen. Forstwirtschaftlich wie ökologisch vorteilhafte, dauerwaldartige Strukturen sind ohne scharfe Bejagung der Megaherbivoren nach Meinung traditioneller Jägdverbände nicht zu etablieren. Je höher die Schalenwilddichte (von Wildschweinen abgesehen), desto ärmer ist die Waldflora - was reine Trophäenjäger nicht interessiert. Oft hat selbst die im Vergleich zu anderen Baumarten (sofern vorhanden) praktisch nicht verbissene Fichte, die auf den meisten Standorten, auf denen sie heute nach künstlicher Ansiedelung wächst, Probleme sich zu verjüngen.


Historische Nutzungsformen

Der sehr wertvolle und früher in Heidelandschaften häufige Wacholder dagegen wurde zum Beispiel durch die naturnahe Forstwirschaft fast ausgerottet. Fraglich ist dabei der Bezugszeitraum: als Lichtbaumart geringer Wuchspotenz kann sie sich nur auf Magerstandorten "durchsetzen", die sogar die Kiefer vor Probleme stellt. Diese Standorte entstanden in nenneswertem Umfang erst durch Zerstörung von Wald und Boden durch den Menschen - häufig viele Jahrhunderte vor Entwicklung der Forstwirtschaft.


Zu einer vollständigen Artenausstattung von Klimaxwaldgesellschaften bedarf es Jahrhunderte ununterbrochener Bestockung. Einzelne Flechtenarten reagieren aufgrund eines sehr geringen Ausbreitungspotentials bei gleichzeitiger Gebundenheit an Altbäume extrem empfindlich auf eine Störung des Klimaxzustandes.


Hutewälder sind eine historische, landwirtschaftliche Form der Waldnutzung. Nach traditioneller Meinung sei das dem "Wald" wenig förderlich. Bis in die achtziger Jahre war man einhellig der Meinung, dass der relativ artenarme Buchenwald die potenziell natürliche Vegetationsform im überwiegenden Teil Mitteleuropas sei. Seitdem haben aber andere Meinungen zunehmend an Boden gewonnen. Vor allem praktische Versuche, zum Beispiel im niederländischen Naturentwicklungsgebiet Oostvaardersplassen (einem erst in den 1970ern dem Meer abgerungenem Land), aber auch in von Naturschutzverbänden betreuten Hutewaldprojekten kommen zu völlig anderen Ergebnissen.

Siehe auch:




Weblinks



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