Das V teilt sich einen Großteil seiner Geschichte mit dem U und dem W, daneben sind das Y und auch das F mit ihm verwandt.
Über Lautwert und Bedeutung des Buchstabens im proto-semitischen Alphabet ist nichts bekannt, das entsprechende Symbol stellt einen Haken oder eine Keule mit runder Spitze dar. Im phönizischen Alphabet verlor der Buchstabe seine Spitze und sah aus wie ein abgerundetes Y. Der Buchstabe erhielt den Namen Waw und wurde verwendet, um den Lautwert /v/ darzustellen.
In das griechische Alphabet wurde der Buchstabe als Ypsilon aufgenommen. Im frühgriechischen war der Lautwert des Ypsilon der mit dem /v/ verwandte Vokal /u/.
Die Etrusker übernahmen das frühgriechische Ypsion und dessen Lautwert. Mit der Zeit verschwand bei den Etruskern die untere Spitze, der Buchstabe bekam die Form V. Ebenso änderte sich die Bedeutung des Buchstabens: Das Etruskische enthielt auch den mit dem /u/ nahe verwandten Halbvokal /ɯ/ und der Buchstabe wurde verwendet, um beide Laute zu schreiben.
Die Römer übernahmen den Buchstaben ursprünglich mit den beiden Lautwerten. Ursprünglich wurde der Buchstabe in der von den Etruskern übernommenen spitzen Form geschrieben. In der Spätantike wurde auch eine abgerundete Variante entwickelt, die im Aussehen dem U entspricht. Beide Formen waren allerdings austauschbar. Bis zum 5. Jahrhundert wurde aus dem /ɯ/ im Rahmen von Lautverschiebungen zum Teil wieder ein /v/. Bis zum 17. Jahrhundert setzte es sich in den Romanischen Sprachen durch, die spitze Variante des Buchstabens für den Lautwert /ɯ/ zu verwenden.
Die deutschen Sprachen (hochdeutsch und niederdeutsch) haben den Laut /ɯ/ allerdings verloren, stattdessen steht der Buchstabe V dort unter anderem für den Lautwert /v/, vor allem bei Wörtern, die dem romanischen Sprachraum entleht sind (Vase). Öfter jedoch hat der Buchstabe den Lautwert /f/, die Gründe dafür liegen in der historischen Schreibweise:
Im Althochdeutschen schrieb man es damals mit einem F: Fihu (Vieh), filu (viel), fior (vier), firwizan (verweisen), folch (Volk).
Im Mittelhochdeutschen verhielt es sich genau umgekehrt: Vrouwe (Frau), vriunt (Freund), vinden (finden), vuoz (Fuß), vivraz (Vielfraß), valsch (falsch), vride (Friede).
In manchen spanischen Dialekten ist der Lautwert des V heute fast zu einem /b/ geworden: vente, d.h. zwanzig, klingt in Mexico wie bente.)
Das V als lateinisches Zahlenzeichen für die 5 hat keine Beziehung zu dem Buchstaben V. Dieses V ist die Hälfte eines X, des römischen Zahlzeichens für 10.
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