Die Vorstellung bezeichnet die Form einer kognitiven Abbildung, bei der die Abbilder früher wahrgenommener Erscheinungen der objektiven Realität und/oder aus dem Gedächtnisbesitz erzeugte Bilder als potentielle Urbilder (d.h. als mögliche Erscheinungen der objektiven Realität) aus dem Gedächtnis abgerufen werden.
Vorstellungen sind im Gegensatz zu Wahrnehmungen nicht an eine zeitlich koexistente Reizgrundlage gebunden. Vorstellungen treten meist als Gedächtnisbilder (Erinnerungsbilder) früherer Wahrnehmungen auf; sie können aber auch aus Neukombinationen von Erinnerungsbildern bestehen (z.B. als Phantasievorstellungen, Halluzinationen). Im Vergleich zu Wahrnehmungen sind Vorstellungen in der Regel undeutlicher, unbeständiger und willentlich häufig nicht leicht hervorrufbar.
Vorstellungen sind an die Existenz eines Kurz- und eines Langzeitgedächtnisses gebunden. Die Speicherung der Vorstellung im Gedächtnis kann in zweierlei Form erfolgen, analog oder diskret. Bei einer analogen Speicherung werden die ursprünglichen sensorischen Merkmale in zeitlich-räumlicher Form, d.h. isomorph, bildlich aufbewahrt. Eine besonders ausgeprägte Anschaulichkeit der Vorstellung, die der Wahrnehmung nahekommt, wird als Eidetik bezeichnet. Bei einer diskreten, symbolisch-sprachlichen Speicherung erfolgt die Kodierung in einem Alphabet.
Da die Vorstellung nicht mehr unmittelbar mit den Gegenständen der objektiven Realität verbunden ist, gestattet sie bereits eine gewisse Verallgemeinerung, das Weglassen unwesentlicher und das Hervorheben wesentlicher Eigenschaften. Diese sinnliche Verallgemeinerung läßt die Vorstellungen zu Bindeglieder zwischen Wahrnehmungen und Begriffen und Bedingungen für das Denken und die Sprache werden. Die Vorstellung schließt im allgemeinen das den widergespiegelten Gegenstand bezeichnende Wort ein, und umgekehrt orientiert sie sich fortlaufend am sinnlichen Vorstellungsmaterial, so daß sinnliche und rationale Erkenntnis sich ständig durchdringen.
Sie ermöglichen die Prädikation künftiger Handlungen, die Rekonstruktion vergangener Ereignisse sowie die Erzeugung neuer, idealisierter Zusammenhänge potentiell objektiv-realer Erscheinungen in abstrakter und in sinnlicher Form. Somit spielt die Vorstellung eine bedeutsame Rolle in der wissenschaftlichen Erkenntnis, im praktischen Handeln und in der künstlerischen Tätigkeit der Menschen, weil sie es gestattet, sich in gewissen Grenzen kreativ zu betätigen, so auch phantastische Gegenstände zu bilden. Gerade hierauf beruht die menschliche Phantasie, die eine wichtige Triebkraft der Erkenntnis und des Handelns ist.
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