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Vorname

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Ein Vorname ist ein Name einer Person, der bei zusammengesetzten Namen den ersten Namensteil bildet. Es ist in unseren Breiten durchaus möglich (und üblich), dass eine Person mehr als einen Vornamen besitzt. In diesem Falle wird der Vorname, mit dem die Person "gerufen" wird, als Rufname bezeichnet. Die Reihenfolge der Vornamen stellt keine Rangfolge dar. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung steht es in Deutschland dem Namensträger frei, zwischen seinen standesamtlich eingetragenen Namen zu wählen. Ein "Rufname" ist also nicht unveränderlich festgelegt.


Der weltweit am häufigsten verwendete Vorname ist Mohammed. Besonders in muslimen Ländern ist er oft vertreten.


Inhaltsverzeichnis


1 Funktion

2 Entwicklung in Deutschland

3 Siehe auch

4 Literatur

5 Weblinks


Funktion

In vielen, vor allem westlichen Kulturen, dient der Vorname innerhalb einer Familie zur Unterscheidung zwischen den Familienmitgliedern (im Unterschied zum Familiennamen, der die Zugehörigkeit zu einer Familie ausdrückt). Keine Seltenheit ist es jedoch, wenn derselbe Vorname nach dem Tode des Kindes für ein nachgeborenes erneut vergeben wird.


Es gibt Gegenden in Deutschland (z. B. in Thüringen), in denen es durchaus möglich war, zwei oder mehrere, ja alle gleichzeitig lebenden Kinder derselben Familie mit dem selben Vornamen taufen zu lassen. Man unterschied dann zwischen "Groß-Hans" und "Klein-Hans" usw. - Manchmal ist die Gleichnamigkeit nur sekundär oder scheinbar, wenn etwa bei einem Doppelnamen wie "Johann Christoph" ein Namensteil im praktischen Gebrauch ausfiel oder vergessen wurde und nicht selten bei der Heirat oder beim Tode dieser Person dann ein neuer Doppelname erfunden worden ist. Genealogische Nachforschungen werden dadurch erschwert (siehe auch Toter Punkt).


Soziologisch gesehen gibt es einen Ablauf der Namensgebung, der sich in Wellenform immer wiederholt: Die soziale Oberschicht gibt ihren Kindern Vornamen, die besonders erwählt sind und sie vom einfachen Volk unterscheiden sollen. In den folgenden Jahrzehnten gibt die Unterschicht ihren Kindern auch diese Namen. Dadurch werden diese Namen "gewöhnlich" und die Oberschicht sieht sich veranlasst, neue Vornamen zu geben oder auf sehr alte und ungebräuchlich gewordene Namen zurückzugreifen oder Doppelnamen zu bilden. Um 1600 begann auf diese Weise die Bildung von Doppel-Vornamen. Als schließlich alle Kinder mehrere Vornamen hatten, begann die Oberschicht wieder, nur einen einzigen Vornamen zu vergeben. So folgt seit Jahrhunderten Modewelle auf Modewelle.


Die Namensgebung spielte im deutschen Sprachraum lange auch eine politische Rolle: Zum einen wurden von den Kirchen christliche und hebräische Namen gefördert (so ließ Johannes Calvin zur Taufe nur biblische Namen zu), zum anderen nahm die Zahl der gebräuchlichen unterschiedlichen Vornamen mit der Zeit ab.


Funktion (erster Teil eines zusammengesetzten Namens) und Bedeutung (Unterscheidungsname zwischen Familienmitgliedern) fallen in besagten westlichen Kulturen zusammen. In vielen asiatischen und afrikanischen Kulturen wird allerdings erst der Familienname und danach der Familienmitgliedsname genannt. Das ist auch im Ungarischen der Fall. Im süddeutschen Sprachraum ist es gängige Praxis in der Umgangssprache. Beispiel: der "Köhlers Werner". Obwohl der Familienmitgliedsname in diesen Fällen nicht mehr vor dem Familiennamen steht, wird er trotzdem von Mitgliedern westlicher Kulturen Vorname genannt.


In einigen Ländern gibt es zwischen Vornamen und Familiennamen noch den Vatersnamen, wie zum Beispiel in Russisch.


Aus einigen Vornamen haben sich im Laufe der Zeit auch Familiennamen entwickelt.


Die wissenschaftliche Disziplin der Namenforschung


beschäftigt sich mit der Bedeutung, Herkunft und Verbreitung von Namen. Erklärungen in Buchform hat unter anderem der Duden Verlag herausgebracht.


Berühmte Namensvetreter:


Zieher, Malte


Entwicklung in Deutschland

In Deutschland dominierten seit dem 17. Jahrhundert Vornamen christlicher und deutscher Herkunft. Erst seit den 1950er-Jahren änderte sich dies massiv. Besonders anglophone und romanische Vornamen wie Jennifer, Mike oder aber Natalie und Marco gewannen an Bedeutung. Obwohl in beiden Teilen Deutschlands verschiedenen Namen die höchste Konjunktur hatten (Peggy und Cindy sind oft zitierte Beispiele für die DDR), war die Tendenz in beiden Staaten vollkommen gleich. Ende des 20. Jahrhunderts besaßen knapp zwei Drittel der Vornamen weder einen christlichen noch einen deutschen Hintergrund.


Es ist davon auszugehen, dass vor allem fünf Einflussfaktoren für diese Änderung verantwortlich gemacht werden können:


  • Der Bedeutungsverlust des christlichen Glaubens in der Gesellschaft
  • Der problematische Rückgriff auf nationale deutsche Traditionen nach Shoa und zweitem Weltkrieg
  • Das hohe Prestige, das westeuropäische und nordamerikanische Länder sowie östliche Länder in beiden Teilen Deutschlands besitzen.
  • Erhöhter Konsum der Massenmedien, in denen ebenfalls Produktionen aus den USA, Großbritannien und Frankreich dominieren.
  • Verstärkte Internationalisierung der Kultur.


Einflussfaktoren, die ausgeschlossen werden können:


  • Immigration nach Deutschland - Typische Vornamen der Immigrantengruppen blieben auf diese beschränkt.
  • Internationaler Tourismus - Sowohl Bundesrepublik als auch die DDR erlebten die Zunahme westlicher Vornamen, obwohl die Reiseziele verschieden waren.


Bei der Übernahme dieser Namen ist eine Kreolisierung zu beobachten: die Namen werden nicht einfach übernommen, sondern nach den Gesichtspunkten der örtlichen Kultur adaptiert. Zuerst wurden Namen adaptiert, die an traditionelle phonetische Gewohnheiten anschlußfähig waren. (aus Stefan wurde beispielsweise Steffen, aus Markus wurde Marc) Erst wenn sich auch diese Namen etabliert und damit Teil der Alltagskultur waren, konnten weitere Ableitungen etabliert werden (Steffen wurde zu Steven, Marc zu Marcel).


Während in einigen Ländern Vornamen beliebig gebildet werden können, sind die Möglichkeiten in Deutschland eingeschränkt. Aus dem Vornamen muss zum Beispiel das Geschlecht erkennbar sein. Das ist bei einigen gängigen Vornamen nicht der Fall, wie zum Beispiel bei "Chris". Bei ausländischen Vornamen muss der Gebrauch als Vorname in den entsprechenden Ländern nachgewiesen sein, zum Beispiel durch Aufnahme in die Vornamensliste. Jedes Kind muss mindestens einen Vornamen haben.


Während früher die inhaltliche Bedeutung eines Vornamens einen großen Rang hatte, spielt sie heute bei der Auswahl fast keine Rolle mehr. Oft ist die ursprüngliche Bedeutung heute aus dem Namen nicht mehr zu erkennen.


Siehe auch



Literatur

Jürgen Gerhards: Globalisierung der Alltagskultur zwischen Verwestlichung und Kreolisierung: Das Beispiel Vornamen. In: Soziale Welt. Zeitschrift für sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis. Jg. 54, Heft 2, Bonn 2003.


Weblinks



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