Georg Voigt gilt neben Jacob Burckhardt als einer der Begründer der modernen Renaissanceforschung. Voigts Ansatz ist aber sehr von dem von Burckhardt verschieden. Burckhardt kommt von einem kunstgeschichtlichen Ansatz mit dem Ziel, den Zustand der gesamten italienischen Renaissance zu beleuchten. Er bleibt damit in Italien. Voigt geht es aber um den Einfluß und die Bedeutung des Humanismus, der von Italien aus sich in ganz Europa ausbreitet. Für ihn bedeutet der Humanismus das Wesentliche, wovon sich dieses Zeitalter der Renaissance vom Mittelalter unterscheidet. Es geht dabei um die Selbsterkenntnis des Menschen durch ein sich Zurückbesinnen auf die Antike (besonders Cicero) als ein "sich Selbst", ein Individuum, das aus dem korporativen mittelalterlichen Verband heraustritt. Der Erste, der nach der Einschätzung Voigts Humanist im eigentlichen Sinne zu nennen wäre, ist Francesco Petrarca. Er verwendet als erster den Begriff Humanismus 1859 zur Beschreibung einer historischen Epoche. Voigt, mit einen universalhistorischen Verständnis, ähnlich dem von Leopold von Ranke, geht dabei eher quellenkundlich-philologisch vor. Er kommt zu der umfassenden Erkenntnis, dass das wiedergewonnene Interesse der Gelehrten in Italien am Altertum zur Wiederentdeckung verschollenener griechischer und lateinischer Altertümer führte. Besonders starken Einfluß auf das Menschenbild bekommt der Begriff der humanitas, der von Cicero ausgeht, von dem auch Dante Alighieri stark berührt wird. In dessen Folge kommt es an den Höfen und Republiken in und außerhalb Italiens zum Aufbau von Bibliotheken und humanistischen Schuleinrichtungen. Burckhardt wie Voigt kommen zu der Erkenntnis, dass die Renaissance die Moderne eingeleitet hat.
Bedeutend sind auch seine Arbeiten zu Kurfürst Moritz von Sachsen und zum Schmalkaldischen Krieg. In diesen Arbeiten setzt Voigt als erster die Forderung von Wilhelm Maurenbrecher nach einer vorurteilsfreien Bewertung des Kurfürsten Moritz von Sachsen um. Er folgt wie Maurenbrecher nicht der bisherigen Tendenz, diesen zu werten in seiner Stellung zu Kaiser Karl V. bis 1547 im Schmalkaldischen Krieg, der diesem die Kurfürstenwürde einbrachte, um dann mit dem Passauer Vertrag1552 im Bund mit den Protestanten den Kaiser zur Anerkennung der Protestanten zu zwingen. So wurde Moritz oft als "Judas von Meissen" genannt. Stärkeres Gewicht wird bei Maurenbrecher und darin ihm folgend bei Voigt gelegt auf die politischen Bedingungen, die das Handeln von Moritz bestimmten. Freilich anerkennen beide dabei, dass Moritz auch ein eigenes Machtstreben besitzt.
Voigts Hauptwerke
Enea Silvio de`Piccolomini als Papst Pius II. und seine Zeit, 3 Bde., Berlin 1856-1863.
Die Wiederbelebung des classischen Alterthums oder das erste Jahrhundert des Humanismus, 2 Bde., 3. Aufl., Berlin 1893 (Erstauflage in einem Band, Berlin 1859).
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