Einzelne Menschen waren seit jeher Anschauungsobjekte; das Außergewöhnliche wurde an Markttagen und auf Jahrmärkten und im Zirkus zur Schau gestellt, um die Lust am Sehen zu befriedigen und sich der eigenen Norm versichern zu können. Hier die Normalität - dort die Abweichung (in Form von Behinderungen, außergewöhnlichem Wuchs etc.). Dass ganze Völker in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerieten, ist eng verbunden mit der Ausbreitung des Kolonialismus: Den Daheimgebliebenen wurden Vertreter fremder Völker zu Hause präsentiert. Bereits mit der ersten Weltausstellung in London wurden die Kolonien in Afrika oder Indien den Besuchern präsentiert, oft als lebene Bilder oder mittels eines Panoramas, das landschaftliche Eindrücke mit folkloristischer Attitüde verband. Das exotistische Verlangen nach dem Fremden war gepaart mit einem Gefühl der Bedrohung durch eben dieses Fremde und wurde durch die Art der Präsentation (in sicherer Heimat als Objekt, nicht als Individuum) in einen sicheren Rahmen gestellt.
Völkerschauen haben nicht unwesentlich zu einer Vertiefung rassistischer Haltungen beigetragen. Es handelte sich wohl immer um eine erniedrigende Darstellung "fremder Kulturen". In deutschen Zoologischen Gärten wurden beispielsweise "Feuerländer" "ausgestellt", Menschen aus dem Süden Amerikas, die gegen ihren Willen nach Deutschland verschleppt wurden (davon berichtet die Soziologin G. Eißenberger in ihrem Buch "Entführt, verspottet und gestorben -Lateinamerikanische Völkerschauen in deutschen Zoos. (Frankfurt/Main 1996)
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