Dieser Artikel behandelt das Virus als Krankheitserreger. Für weitere, siehe bitte Computervirus, Radio Virus, Virus (Film).
Als Virus (Singular: das Virus, Plural: Viren; von lat.virus, für "Schleim, Saft, Gift") bezeichnet man in der Biologie einen infektiösen Partikel, der aus einem Strang des Erbmaterials DNA (Desoxyribonukleinsäure) oder RNA (Ribonukleinsäure) besteht, der in einer Proteinkapsel (Kapsid) eingeschlossen ist, die ihrerseits wiederum von einer Lipidhülle umgeben sein kann. Viren ohne Proteinkapsel und Lipidhülle bezeichnet man als Viroide.
Viren können behüllt (mit Lipidhülle) oder unbehüllt sein. Das Proteinkapsid kann unterschiedliche Form haben, z. B. ikosaederförmig, isometrisch, helikal, geschoßförmig.
Nach ihrer Erbinformation unterteilt man Viren in:
Die Lipidhülle stammt von der Wirtszelle und dient zur Tarnung vor dem Immunsystem. Behüllte Viren sind besser geeignet, chronische oder latente Infektionen hervorzurufen (HIV, chronische Hepatitis B, C oder D, Herpes). Sie werden aber leicht deaktiviert, wenn die Hülle austrocknet oder sonstwie chemisch angegriffen wird (Seife, Gallensäuren). Deshalb werden behüllte Viren meist durch Tröpfcheninfektion übertragen und infizieren dann den Atemtrakt (Lokalinfektion). Manche erzeugen von dort aus auch eine zyklische Allgemeininfektion (Kinderkrankheiten: Masern, Mumps, Röteln, Ringelröteln, Drei-Tage-Fieber, Windpocken). Manche werden sogar nur durch mehr oder weniger direkten Blutkontakt übertragen. Dabei spielt dann auch die Replikationsrate eines Virus, also die Zahl der Kopien pro MilliliterBlut (Viruslast) eine Rolle. Hepatitis B ist ein sehr stark replizierendes Virus, hier können Blutspritzer auf der scheinbar intakten Haut genügen, um durch Mikroläsionen einzudringen. HIV wird hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Bei Hepatitis C dagegen ist selbst das sehr selten, es wird hauptsächlich durch infizierte Spritzen o.ä. übertragen.
Unbehüllte Viren können sehr umweltstabil sein und sowohl Austrocknung als auch Desinfektionsmittel überstehen. Hygienische Maßnahmen (Händewaschen, Putzen) dienen hier eher dazu, möglichst viele Viren wegzuschwemmen. Teilweise läßt sich Übertragung innerhalb eines Haushalts aber kaum vermeiden. Sie werden also leicht als Schmierinfektion übertragen und infizieren den Darm, meist als Lokalinfektion, seltener als zyklische Allgemeininfektion (z. B. Poliovirus). Sie bleiben nicht chronisch.
Entwicklung
Viren sind vermutlich später als andere Lebewesen entstanden, da sie auf letztere angewiesen sind. Entstehungsmechanismen lassen sich im Zusammenhang mit Plasmiden oder Transposonen verstehen. Für eine späte Entstehung spricht auch, dass Viren, die Eukaryoten befallen, das alternative Splicing der Eiweißsynthese nutzen. Dementsprechend besitzt ihr Erbgut variante Introns und Exons.
Der Replikationszyklus eines Virus beginnt im Allgemeinen, wenn es sich an eine Wirtszelle anheftet und sein Erbmaterial ins Zellinnere bringt.
Das Erbmaterial des Virus wird anschließend im Wirtsstoffwechsel mitverarbeitet, wobei sein Nukleinsäurebestandteil vervielfältigt wird und seine Proteinbestandteile anhand der Gene im Virusgenom synthetisiert werden.
So können in der Zelle neue Viren gebildeten werden, die freigesetzt werden, indem entweder die Zellmembran aufgelöst wird (Zell-Lyse, lytische Virusvermehrung), oder indem sie sezerniert werden, wobei Anteile der Zellmembran als Bestandteil der Virushülle mitgenommen werden.
Viren und Viruskrankheiten (Auswahl)
Bei Menschen können eine Vielzahl von Krankheiten durch Viren veursacht werden, u. A. durch:
Seit einigen Jahren zieht der umstrittene Virologe Stefan Lanka die Pathogenität von Viren und teilweise auch deren Existenz in Zweifel. In der Tat stammen viele Beweisführungen für die virale Pathogenität aus einer Zeit, in der keine wissenschaftlichen Publikationsmethoden und Peer Review-Mechanismen vorhanden waren. Jedoch liegen bisher keine publizierten Nachweise vor, die seine Auffassungen stützen.
Umstritten ist ein möglicher evolutionsgeschichtlicher Einfluss von Viren auf komplexe Organismen. Dieser ist in der Mikrobiologie unumstritten. Mechanistisch würde dadurch eine sprunghafte Evolution (so genannter Punktualismus), ein Gegenkonzept zum Neodarwinismus (vertreten durch Richard Dawkins), logisch erscheinen. Eine empirische Beweisführung dürfte sich allerdings schwierig gestalten.
Die Diskussion wird in der wissenschaftlichen Gemeinschaft mit geringer Intensität geführt.
Umstritten ist auch, ob Viren Lebewesen seien oder nicht. Einerseits fehlen ihnen einige Merkmale von Lebewesen, wie eigenständige Vermehrung (sie brauchen Wirtszellen) und eigener Stoffwechsel, andererseits zeigen sie Eigenschaften des Lebens, wie Vermehrung, Vererbung und Mutation.
Virologie
Die Virologie (von lateinisch virus: Gift und griechisch logos: Lehre) beschäftigt sich mit Viren, deren Eigenschaften und Vermehrung, sowie der Prävention und Behandlung von Viruserkrankungen.
Die erste bekannte Anwendung des Wissens über Viren findet sich bereits 1000 Jahre v. Chr. in China. Dort wurde der Schorf der Wunden von Pockenkranken, welche die Krankheit überlebt hatten, zu Staub gemahlen und inhaliert, um vor Pocken zu schützen (impfen). Im Jahre 1796 benutzte Edward Jenner ein ähnliches Verfahren, um den 8jährigen James Phipps gegen Pocken zu impfen.
Die moderne Virologie nutzt vor allem molekularbiologische und molekulargenetische Untersuchungsverfahren und beschäftigt sich mit der Gestalt und Größe, dem Aufbau, der chemischen Zusammensetzung und dem Nachweis von Viren, des weiteren mit ihrer Vermehrung, ihrer Übertragung und ihren krankheitsauslösenden Eigenschaften. Erforscht werden auch die Wechselwirkungen der Viren mit ihren Wirtszellen. Die Virologie versucht ferner, die Vielzahl der existierenden Viren zu klassifizieren.
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