Der Vierwaldstättersee (engl. Lake Lucerne, franz. Lac des Quatre Cantons, it. Lago Lucern, romanisch Lag Lucerna) ist ein von hohen Bergen umgebener, fjordartiger See in der Zentralschweiz (434 m ü. NN., 114 km², bis 214 m tief). Von der Einmündung bis zum Ausfluss der Reuss ist er 38 km lang. Er ist vielverzweigt und in mehrere Becken gegliedert: Luzerner Bucht, Küssnachter Bucht und Alpnachersee, die Buchten von Stansstad, Weggis, Buochs, Gersau und der grosse Urnersee.
Der Vierwaldstättersee wird von der Reuss durchflossen und von einem 1831 km² grossen Einzugsgebiet mit frischem Berg- und Gletscherwasser versorgt. Er hat eine 115 km lange Küstenlinie, gebildet von den vier "Waldstätten" (Kantonen) Uri, Schwyz, Unterwalden (geteilt in zwei Halbkantone: Obwalden und Nidwalden) und Luzern.
Der Fluss Reuss kommt als ein wilder Bergfluss aus dem Gotthard-Massiv, bringt grosse Mengen Material aus den Bergen, Geschiebe, so hat sich die Delta inzwischen um 10 km weiter nördlich in den Urnersee verschoben. Der Reussgletscher hat am Ende der letzten Eiszeit vor 12 000 den See hinterlassen, im Luzerner "Gletschergarten" erzählt eine anschauliche Dokumentation die Geschichte der Alpen, der Eiszeiten und ihrer Gletscher.
Die drei Schweizer Urkantone Uri, Unterwalden und Schwyz haben sich am Vierwaldstättersee auf der Rütliwiese anfangs August 1291 die ewige Treue geschworen (Rütli-Schwur). Solche Schwurgemeinschaften von benachbarten Orten waren in der damaligen Zeit durchaus üblich, diejenige von 1291 ist aber in dem Bundesbrief (aufbewahrt in Schwyz im Kanton Schwyz) bis heute schriftlich belegt und wird als der eigentliche Anfang der Schweizer Eidgenossenschaft betrachtet.
In dem "Ewigen Bund" ging es damals darum, den Weg zum Gotthard vom allzu fremden Einfluss fernzuhalten, waren doch diese Warentransporte für damalige agrarische Bergsiedlungen ein äusserst wichtiges Einkommen. Der Kaiser Friedrich II.. gewährte für den Bergübergang Reichsfreiheit, die weiter - hauptsächlich gegen die Habsburger Machtansprüche - verteidigt werden sollte. Doch de facto erst 1648 - am Ende des 30-jährigen Krieges - wurde im Westfälischen Frieden die Schweiz dann definitiv aus dem Deutschen Reich entlassen.
Bis zum Bau der berühmten Axenstrasse1863 bis 1865 war der Wasserweg die einzige mögliche Verbindung zum Kanton Uri, zum Gotthardpass und damit auch der Weg von den Hansestädten im Norden zu den Häfen und Handelsstätten am Mittelmeer, ob Genua oder Venedig. Ansonsten führt auch heute noch der erst 1991 auf den alten Verkehrswegen angelegte Wanderweg mit dem Namen Weg der Schweiz rund um den südlichsten Teil des Sees, dem Urnersee.
Nach dem Bau der Gotthardbahn und der Gotthardautobahn ist die Gegend um den Vierwaldstättersee immer noch ein Verkehrsknoten, auch wenn die Schiffe meist nur noch für Vergnügungsrundfahrten benützt werden. Am Gotthard wird weiter gebaut, der neue Gotthardbasistunnel soll einst der längste Eisenbahntunnel der Welt werden. Die Reisenden von Mailand nach Basel oder Zürich werden nach der Vollendung kaum etwas von dem See erblicken können, die meiste Strecke verläuft unterirdisch.
Die grossartige Landschaft, wie aus dem Entwurf eines Hollywoodstudios, mildes Klima und die liebliche, fast schon mediterraneVegetation machen den Vierwaldstättersee zu einer der meistbesuchten Reisedestinationen Europas. Hier wollen zahlreiche japanische Paare ihren Honeymoon verbringen oder gar heiraten, hier drehen indischeRegisseure ihre bei ihnen zu Hause so beliebten Heimatfilme, seitdem die Bergwelt von Kaschmir durch Unruhe und Krieg heimgesucht wird.
Geschichte des Tourismus am Vierwaldstättersee
Auf dem Weg nach dem Orient entdeckten die abenteuerlustigen Engländer diese malerische Bergwelt der Schweiz und liessen hier Kur- und Badeorte entstehen: Luzern, Küssnacht am Rigi, Weggis, Vitznau, Gersau, Buochs, Beckenried, Brunnen, Seelisberg, Flüelen. Und hier begannen auch die sonderbaren Englishmans im 18. Jahrhundert zaghaft mit reichlich einheimischer Hilfe, aber auch gegen ebenso reichliche Verwunderung der Bergbewohner, die ihnen so exotische Welt der hohen Berge zu erobern. Vorsichtig angefangen an dem majestätischen Rigi (1797 m/M.), zuerst zu Fuss, auf dem Rücken der Maultiere oder in Sänften getragen von einheimischen Trägern, später erbaute man hier die allererste Zahnradbahn der Welt, die Vitznau-Rigi-Bahn.
Einen solchen Aufstieg auf den Rigi hat auch Mark Twain als Journalist beschrieben und damit in den USA des 19. Jahrhunderts bereits für den Schweizer Tourismus die Tür aufgemacht. Und der allererste Schweizer Alpenclub war hier in dem Herzen der Alpenwelt beheimatet und zwar als eine rein britische Angelegenheit, die Gentlemans betrachteten sich selbst als reine Amateure. Damit war damals nicht etwa gemeint, dass sie keine Werbung auf ihren Tweedjacken trugen, die edlen Mitglieder durften einzig und allein vom Vermögen leben und selbst keinerlei Erwerbsarbeit nachgehen. Hier am Vierwaldstättersee fiel es ihnen noch ein wenig leichter und gegen etwaige Langweile half Bergseil, Rucksack und die würzige Alpenluft ganz nachhaltig.
In Flüelen haben früher die Reisenden aus dem Süden vom Maultier auf das Schiff gewechselt, der Urnersee kann beim Föhnsturm Wellen wie am Meer bringen, die Schiffsfahrt mit einem der 20 Motorschiffe ist dagegen heute ein reines Vergnügen, 5 alte, ehrwürdige Raddampfer kreuzen auch das grosse Berggewässer. 38 km ist es von hier nach Luzern. Links führt die vierspurige Autobahn durch den Seelisbergtunnel und dann in nördlicher Richtung bis nach Hamburg oder Amsterdam. Am rechten Ufer führt die romantische Axenstrasse, mit vielen Tunnels, Kurven und Galerien, immer am Steinschlagwarntafeln vorbei, von Flüelen nach Brunnen. An dieser Strecke trifft man häufig Baustellen an, da es hier oft zu Steinschlag und Erdrutschen kommt. Die Bahnlinie führt fast nur unterirdisch von Flüelen nach Brunnen. Von Brunnen nach Zürich braucht der Intercity dann kaum noch eine Stunde. Die Fortsetzung der Axenstrasse von Brunnen in Richtung Küssnacht ist nicht weniger romantisch, hier gibt es auch schöne Plätze zum Verweilen oder zum Schwimmen. Hier wachsen Reben, Feigen, Palmen, Kiwis, ja auch diverse Zitrusbäumchen gedeihen in manchen sonnigen Gärten. Prachtvolle Hotelbauten, viele weit über hundert Jahre alt, manche sehr stilvoll restauriert, erinnern an die grossen Zeiten der aufkommenden Tourismusindustrie. Doch recht viele diese Zeitzeugen sind aber auch zwischenzeitlich verkommen, verschwunden, oder sind durch An- und Umbauten verunstaltet worden.
Pilgerwege
Am See führten schon früher Pilgerwege vorbei. Nach Rom geht es von hier aus über den Gotthardpass. Auch der westwärts nach Santiago de Compostela führende Jakobsweg führt von dem schweizerischen Hauptsammelort Einsiedeln nach Brunnen am Seeufer. Von hier führt er weiter westlich mit dem Schiff nach Luzern oder über den Alpnachersee, in Richtung Süden zum Brünigpass.
Auch nach der Schweizer Reformation blieb hier in den Bergen die Urschweiz treu katholisch: In Unterwalden fand der Schweizer Nationalheilige und EremitBruder Klaus seine Klause und weiter oben, am Ende vom Tal, dem Himmel noch bisschen näher, entfaltete sich das Kloster Engelberg (1050 m/M) in seiner Pracht. Hier werden auch die Rekruten für die berühmte Schweizer Garde des Heiligen Stuhls ausgebildet, die Kleinstarmee und Polizei des Papstes, zugleich auch buntkostümierte Touristenattraktion im Vatikan.
Luzern
Die Reuss verlässt in der Stadt Luzern den See. Jetzt schon ein mächtiger Strom unter der hölzernen Kapellbrücke, die nicht nur für die Touristen, nach dem verheerenden Brand 1993, wieder aufgebaut wurde und die jeden Tag tausendmal aus Neue fotografiert wird.
Das neue Kunst- und Kongresshaus Luzern vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel, mit einem weit auskragenden Dach ist nach viel Skepsis zum Stolz der Luzerner geworden. Es ist an erstklassiger Lage, gleich zwischen dem Hauptbahnhof und See gelegen.
Der ehrwürdige alte Bahnhof aus der Pionierzeit der Südbahn ist vor 30 Jahren abgebrannt und durch einen schlichten Zweckbau ersetzt worden. Einzig der verglaste Portikus von dem inzwischen auch schon international berühmten spanisch-schweizerischen Architekten-Ingenieur Santiago Calatrava ist eine leicht verspielte und witzige Auflockerung. Ein Torboden vom Nordportal des alten Gebäudes und eine Wandmalerei erinnern an die alte Herrlichkeit. Hier im Bahnhof treffen sich die InterCity-Verbindungen zu den Agglomerationen der Schweiz und die roten Schmalspurzüge der Bergbahnen nach Engelberg und über den Brünigpass nach Interlaken. Letztere ist Teil der GoldenPass Line von Zürich über Luzern, Brünigpass, Interlaken, Gstaad zum Genfersee.
Der Hausberg der Luzerner ist der Pilatus, mit einer Seilbahn und mit einer Zahnradbahn erreichbar, oft aber leider in den Wolken versteckt. Wer weniger hoch lieber hat und doch 440 m über dem Vierwaldstättersee gemütlich tafeln möchte, der möge mit dem Schiff und einer Standseilbahn den Bürgenstock aufsuchen, den Zauberberg für Millionäre, ein luxuriöses Hotel- und Kongresszentrum über eine steilen Seeklippe.
Weil der Verkehr am See stets sehr wichtig war, ist auch das Schweizer Verkehrshaus in Luzern gelegen. Hier kann man die ganze Verkehrsgeschichte rekapitulieren, Sänften und Kutschen, Alpenpost, Schiffe, Bahnen, Autos und Flugzeuge bewundern. Bis im Juli 2004 brachte der Fesselballon
HiFlyer das Publikum in die Höhe. Nach einem Unfall bei stürmischem Wetter wurde dessen Betrieb jedoch eingestellt.
Am Seeufer gibt es einen Flughafen, jedoch nur für Militär und für die Pilatus-Flugzeugwerke. An schönen Tagen sieht man über dem See viele Deltaflieger und Gleitschirme am Himmel kreisen, da die Thermik der besonnenen Felswände zahlreiche Aufwinde verursacht.
Wasserqualität
Das Wasser verweilt durchschnittlich 3 ½ Jahre in dem Seebecken, die Qualität ist heute wieder hervorragend, zum grössten Teil kann man von Trinkwasser sprechen. Ein eigenes Institut der ETH-Zürich, die Eidgenössische Forschungsanstalt für Limnologie, angesiedelt im luzernischen Kastanienbaum überwacht die Wasserqualität sehr akkurat und kontinuierlich, ist dieser See doch ein grosses natürliches Trinkwasserreservoir, von dem einige Hundert Kilometer weiter nördlich auch noch die Kölner, die Niederrheiner und auch noch alle Niederländer trinken wollen.
Man kann im Seewasser baden. Im Sommer ist es bis vergnügliche 22°C warm, im Winter ein wenig kälter (5°C höchstens), der See friert nicht zu.
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