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Vernichtungslager Treblinka

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Treblinka war das zuletzt errichtete und größte nationalsozialistische Vernichtungslager der Aktion Reinhardt im Generalgouvernement (Polen).


Inhaltsverzeichnis


1 Geschichte

2 Lagerpersonal

3 Aufstand

4 Opferzahl

5 Arbeitslager Treblinka I

6 Gedenkstätten

7 Literatur

8 Siehe auch

9 Weblinks


Geschichte

Den Baubefehl zur Errichtung des Vernichtungslagers Treblinka erteilte der "Reichsführer-SS" und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, dem "SS- und Polizeiführer" im Distrikt Warschau, SS-Oberführer Arpad Wigand, mündlich in einer Besprechung in Warschau am 17. April 1942. Ende April/Anfang Mai 1942 wurde der Ort in einem dünnbesiedelten Gebiet in der Nähe des Bahnhofs Treblinka an der Eisenbahnlinie Malkinia-Siedlce festgelegt. Noch im Mai begannen die Arbeiten unter Leitung des SS-Hauptsturmführers Richard Thomalla, der schon als gelernter Baumeister den Aufbau der Vernichtungslager Belzec und Sobibor geleitet hatte und jetzt von Odilo Globocnik, dem Leiter der Aktion Reinhardt, nach Treblinka abgestellt wurde. Die zunächst drei Gaskammern wurden von Spezialisten der Aktion T4 nach dem Muster des Vernichtungslagers Sobibor eingerichtet. Als Bauhilfskräfte dienten vor allem junge deutsche und tschechische Juden, die im April 1942 in das Warschauer Ghetto deportiert worden waren. Keiner von ihnen überlebte Treblinka.


Die Aufbauarbeiten wurden unter ungeheurem Zeitdruck durchgeführt. Der ursprünglich bestimmte Termin zur Fertigstellung wurde nicht eingehalten, so dass das Vernichtungslager erst zum 11. Juli 1942 "einsatzbereit" war, wie es in einem Brief des ersten Lagerleiters hieß.


Am 19. Juli 1942 erteilte Himmler in Lublin SSPF Globocnik und dessen Vorgesetzten, HSSPF Friedrich-Wilhelm Krüger, den grundsätzlichen Befehl, dass die "Umsiedlung der gesamten jüdischen Bevölkerung des Generalgouvernements bis 31. Dezember 1942 durchgeführt und beendet" zu sein habe mit der Ausnahme der Juden in den Sammellagern Warschau, Krakau, Tschenstochau, Radom und Lublin. Am 22. Juli 1942 begann die "Große Aussiedlung" aus dem Warschauer Ghetto und den östlichen Teilen des Distrikts Warschau in das Vernichtungslager Treblinka. Der Lagerleiter schrieb seiner Frau eine Woche später, es habe ein Tempo eingesetzt, "das geradezu atemberaubend ist. Wenn ich vier Teile hätte und der Tag 100 Stunden, dann würde das wahrscheinlich auch noch nicht ganz reichen." Vom 5. August 1942 an wurden zusätzlich die Juden aus dem Distrikt Radom nach Treblinka zur Ermordung deportiert.


Als Folge des ununterbrochenen Eintreffens riesiger Güterzüge voller Juden im Vernichtungslager brach am 28. August 1942 das gesamte Mordsystem Treblinkas zusammen. Weder die ungeheure Anzahl von Vergasungen noch das Verscharren der Toten in den Massengräbern konnten vom Lagerpersonal mehr bewältigt werden. Abertausende von Leichen lagen seit Tagen in der außergewöhnlichen Sommerhitze auf dem gesamten Lagergelände und entlang der Eisenbahnstrecke nach Treblinka. Sofort erschienen Globocnik und Kriminalinspektor Christian Wirth, der frisch ernannte "Inspekteur der SS-Sonderkommandos" der Aktion Reinhardt, um Treblinka zu reorganisieren. Der Lagerleiter Dr.med. Irmfried Eberl wurde umgehend seiner Funktion enthoben und durch den bisherigen Lagerleiter von Sobibor, Franz Stangl, ersetzt; gleichzeitig wurde der Bau von weiteren und größeren Gaskammern angeordnet; die Judentransporte sollten besser koordiniert werden; die Anzahl der so genannten "Arbeitsjuden" wurde auf über tausend erhöht. Nach gut einer Woche funktionierte das Mordsystem besser als je zuvor.


Lagerpersonal

Alle vier Lagerleiter Treblinkas hatten von Anfang an leitende Funktionen innerhalb der "Euthanasie" im Rahmen der Aktion T4 ausgeübt. Erster Lagerleiter war von Mai bis September 1942 der Arzt Irmfried Eberl, der von Kriminalsekretär Franz Stangl (September 1942 - August 1943) abgelöst wurde. Kriminalsekretär Ernst Schemmel vertrat Stangl während seines Urlaubs Ende September/Anfang Oktober 1942 für einige Wochen. Letzter Lagerleiter wurde Stangls rechte Hand in Treblinka, SS-Untersturmführer der Waffen-SS Kurt Franz.


Aufstand

Nach einem Aufstand im Lager im August 1943, in dessen Verlauf einige Häftlinge entkamen, wurden die Insassen ins Lager Sobibor verbracht; das Lager Treblinka II wurde abgerissen.


Opferzahl

Im Jahr 2000 wurde eine Gesamtstatistik des "Einsatzes Reinhardt" für 1942 aufgefunden, aufgestellt von SS-Sturmbannführer Hermann Höfle, Globocniks Leiter der gleichnamigen "Hauptabteilung" in seinem Stab als SS- und Polizeiführer. Demnach wurden in Treblinka bis Ende des Jahres 1942 genau 713.555 Juden ermordet. Das entspräche 56% aller in diesem Jahr in den angeführten vier "Reinhardt"-Vernichtungslagern ermordeten Juden. Die geschätzte Gesamtzahl der Opfer Treblinkas dürfte 900.000 übertroffen haben.


Im Vergleich zu der Gesamtzahl jüdischer Opfer im KZ Auschwitz- Birkenau von etwa 960.000 Juden zeigt sich, dass Treblinka als ausschließliches Vernichtungslager, was die Zahl der Vergasungen anbelangt, die Zahl der Vergasungen im Konzentrationslager Auschwitz wahrscheinlich übertroffen hat.


Arbeitslager Treblinka I

Wenige Kilometer vom Vernichtungslager Treblinka II gelegen, befand sich von Dezember 1941 bis Juli 1944 in einer Kiesgrube das Zwangsarbeitslager Treblinka I. Es diente der Einweisung von Personen, die "gegen ein von einer deutschen Behörde des Generalgouvernements erlassenes Verbot oder Gebot" verstoßen haben sollten. Als Haftdauer waren 2-6 Monate vorgesehen, jedoch überlebten mehr als Zweidrittel aller Gefangenen nicht die mörderischen Haftbedingungen. Das Lager unterstand dem SS- und Polizeiführer im Distrikt Warschau. Zur Einweisung waren auch der Stadthauptmann in Warschau und die Kreishauptleute des Distrikts Warschau berechtigt. Die durchschnittliche Belegung des Lagers betrug zeitweilig bis zu 1.800 Männer. Insgesamt wurden etwa 10.000 Personen inhaftiert, vor allem Polen, zum kleineren Teil auch Juden aus dem Distrikt Warschau. Treblinka I forderte etwa 7.000 Opfer. Zwischen Treblinka I und II herrschte eine enge Wechselbeziehung: "Überschüsse" an arbeitsfähigen Juden des Vernichtungslagers kamen zum Arbeitseinsatz nach Treblinka I, arbeitsunfähige Häftlinge wurden in Gruppen vom Zwangsarbeitslager ins Vernichtungslager zur Ermordung überstellt. Am 23. Juli 1944 wurden in Treblinka I noch die letzten etwa 500 jüdischen Sklavenarbeiter ermordet.


Gedenkstätten

Auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers steht seit 1964 ein eindrucksvolles Mahnmal. An der Stelle der früheren Gaskammern befindet sich ein mächtiger Turm aus Granitquadern, umgeben von etwa 17.000 Granitsteinen mit Inschriften der Länder und Orte, aus denen Juden in Treblinka ermordet wurden. Der Weg zum Lager Treblinka I ist durch Sandsteinblöcke bezeichnet. Dort befindet sich ebenfalls eine Gedenkstätte.


Literatur

  • Yitzhak Arad: Belzec, Sobibor, Treblinka. The Operation Reinhard Death Camps, Bloomington and Indianapolis 1987, ISBN_0253342937.
  • Adalbert Rückerl (Hg.): NS-Vernichtungslager im Spiegel deutscher Strafprozesse. Belzec, Sobibor, Treblinka, Chelmno, München 1977, ISBN_342302904X.
  • Peter Witte and Stephen Tyas: A New Document on the Deportation and Murder of Jews during "Einsatz Reinhardt" 1942. In: Holocaust and Genocide Studies, Vol. 15, No. 3, Winter 2001, ISBN_0199225060.
  • Richard Glazar: Die Falle mit dem grünen Zaun. Überleben in Treblinka, Frankfurt am Main 1992, ISBN_3596107644.


Siehe auch



Weblinks



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