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Vernichtungslager Sobibor

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Sobibor war von Mai 1942 bis November 1943 ein Vernichtungslager des SS-Sonderkommandos Sobibor zur massenhaften Ermordung ortsansässiger polnischer und in den damaligen Distrikt Lublin deportierter Juden aus dem Deutschen Reich, dem Protektorat Böhmen und Mähren, der Slowakei, Frankreich, den Niederlanden und deutschbesetzten Teilen der Sowjetunion. Zu einem kleinen Teil wurden hier auch nichtjüdische Polen sowie Sinti und Roma ermordet.


Inhaltsverzeichnis


1 Lage

2 Grundsatzbefehl Himmlers

3 Aufbau des Vernichtungslagers Sobibor

4 Teillager

  4.1 Lager I

  4.2 Lager II

  4.3 Lager III

5 Die Phasen der Vernichtung

  5.1 Anfang Mai bis Ende Juli 1942

  5.2 Anfang Oktober 1942 bis Ende 1943

6 Aufstand und Ende

7 Bestrafung des Lagerpersonals

8 Mahnmal

9 Literatur

10 Weblink


Lage

Das Gelände des Vernichtungslagers Sobibor und die dort befindliche Staatliche Gedenkstätte gehören heute zur Gesamtgemeinde Włodawa (Powiat Włodawski) in der Woiwodschaft Lublin im südöstlichen Polen. Das Lager wurde in völliger Abgeschiedenheit in einem großen Wald-Sumpfgebiet (heute Landschaftsschutzgebiet) genau gegenüber der Bahnstation Sobibor an der Eisenbahnstrecke Chełm - Włodawa errichtet, nicht weit entfernt vom Westlichen Bug, dem Grenzfluss zur Ukraine.



Am besten erreichbar ist Sobibor mit dem Pkw in einer Fahrt von etwa 100 km von Lublin aus in nordöstlicher Richtung über Włodawa und von dort über die Schnellstraße 83 in Richtung Chełm mit der gut ausgeschilderten Abzweigung zur Gedenkstätte. Eine Fahrt über das von der Gedenkstätte 8 km entfernte, noch abgelegenere Dorf Sobibór (etwa 1.000 Einwohner) ist wenig ratsam, da ohne Umwege lediglich ein kaum befahrbarer Feldweg zur Gedenkstätte führt. (S. Karte).


Grundsatzbefehl Himmlers

Am 1. Oktober 1941 hatte der SS- und Polizeiführer Lublin, SS-Brigadeführer Odilo Globocnik, mit einem drängenden Schreiben an seinen direkten Vorgesetzten, den Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, Unterlagen übersandt über die schon länger geplante "Verdeutschung des Distriktes" Lublin. Wegen der "Notlage der Volksdeutschen im Generalgouvernement" forderte Globocnik deren "Zusammensiedlung" im Kreis Zamość noch vor Einbruch des Winters. Gleichzeitig regte er eine "durchgreifende Entsiedlung der Fremdvölkischen hier im Distrikt" an und dass "rein sicherheitspolitisch gesehen, rasch durchgegriffen" werden müsse. Dabei hob er den "Einfluß der Juden" besonders hervor. Globocnik bat dringend um einen Termin zum persönlichen Vortrag bei Himmler.


Am 13. Oktober 1941 genehmigte Himmler, wahrscheinlich kurz nach einem der routinemäßigen Vorträge bei Hitler, Globocniks Vorschläge in einer Besprechung beim ostpreußischen "Führer-Hauptquartier". Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gab Himmler im Zusammenhang mit dem gebilligten Beginn der Germanisierung des Distrikts Lublin zwei weitere daraus resultierende Grundsatzbefehle: Zum einen habe Globocnik zur Raumgewinnung für die deutschen Siedlungen einen Teil der Polen aus dem Kreis Zamość nach Wolhynien in der Ukraine "umzusiedeln", und zum anderen habe er ein Vernichtungslager für die Ermordung der im Distrikt wohnenden Juden zu bauen. Anfang November begann Globocnik in Bełżec mit dem Bau des ersten Vernichtungslagers im Generalgouvernement. Nur wenige Tage später vertrieb er über 2.000 Polen aus Dörfern nördlich von Zamość und ließ sie von der Ordnungspolizei zur ukrainischen Grenze treiben.


Aufbau des Vernichtungslagers Sobibor

Es gibt starke Indizien dafür, dass Himmler zugleich mit der Errichtung von Belzec auch die Errichtung eines weiteren Vernichtungslager an der Bahnstation Sobibor anordnete: gleichfalls im November wurde der Kommandeur der Gendarmerie im Distrikt Lublin, Oberstleutnant der Polizei Hahnzog, nach eigener Aussage von Globocnik über den von Himmler erteilten "Sonderauftrag" informiert, bei Sobibor ein Lager für die polnischen Juden aus den Ghettos zu errichten. Weiter bestätigten polnische Zeugen, dass im Herbst 1941 drei SS-Offiziere erschienen seien, die die Eisenbahnrampe und das Abstellgleis am Bahnhof vermessen und sich anschließend auf das spätere Lagergelände im Wald begeben hätten. Zudem seien kurz darauf Ziegelsteine mit Waggons angeliefert worden, die den Winter über bis zum Baubeginn im März 1942 am Bahnhof lagerten. Die Gaskammern waren das einzige Ziegelgebäude des Vernichtungslagers.



Das Lager wurde im Rahmen der Vernichtungssaktion Aktion Reinhardt geplant. Mit dem Bau wurde im März 1942 unter der Leitung des SS-Hauptsturmführers Richard Thomalla begonnen. Im April 1942 wurde Kriminalsekretär und Oberleutnant der Polizei Franz Stangl Lagerkommandant. Dieser vollendete den Bau nach dem Muster des Vernichtungslagers Belzec.


Die Wachmannschaft des Lagers bestand aus etwa 30 SS-Männern und zwischen 90 und 100 von Globocniks Trawniki-Männern.


Teillager

Das Lager bestand aus 3 Teillagern:


Lager I

Eine Verwaltungszone mit Krankenbaracke, Nähzimmer und Schusterei der SS, Schmiede, Tischlerei, Färberei und einer Küche.


Lager II

Eine Zone zur Lagerung von Häftlingseigentum und Vorbereitungsstationen für die


Vernichtung mit Entkleidungsbaracken, Entkleidungsraum, Magazin für Silber,


Ställe, Magazin für Schuhe, Magazin für Frauenhaare, Latrinen, Magazin für


Wertsachen der Häftlinge, ein Ofen u.a.


Lager III

Die Vernichtungszone mit Gefangenenbaracken, Gaskammern, Motor der Gasproduktion, einem umzäunten Hof, Verbrennungsplätzen der Leichen und Massengräbern. Die Gaskammern hatten eine quadratische Ausdehnung von 16 Quadratmetern und konnten 160 bis 180 Menschen aufnehmen. Der Todeskampf der Gefangenen dauerte zwischen 20 und 30 Minuten.


Die Phasen der Vernichtung

Anfang Mai bis Ende Juli 1942

Die Transporte der zur Vernichtung bestimmten Juden kamen aus dem Distrikt Lublin in Polen, der Tschechoslowakei, Deutschland und Österreich.


Unter anderem kamen etwa 10 000 Juden aus Deutschland und Österreich, 6000 aus dem KZ Theresienstadt und mehrere Tausend aus der Slowakei. In dieser Phase wurden zwischen 90 000 und 100 000 Menschen in Sobibor vernichtet.


Nach Umbau- und Erweiterungsbauten wurde Ende August 1942 SS-Obersturmführer Franz Reichleitner neuer Lagerkommandant.


Anfang Oktober 1942 bis Ende 1943

Im Oktober 1942 wurden die Transporte nach Sobibor fortgesetzt, wobei aus Städten des Distrikts Lublin und bis Sommer 1943 aus Ostgalizien Juden zur Vernichtung transportiert wurden.


Von Oktober 1942 bis Juni 1943 wurden aus diesen beiden Gebieten 70 000 bis 80 000 Juden deportiert. Weitere Transporte erfolgten aus dem ganzen Generalgouvernement von etwa 145 000 bis 155 000 Menschen.


Am 12. Februar 1943 inspizierte der Reichsführer-SS Heinrich Himmler in Begleitung Globocniks und Christian Wirths und deren Stabsangehörigen persönlich das Lager. Sie wohnten der Vergasung einer Gruppe von jungen Mädchen bei, die mit zwei Lastkraftwagen aus einem nahegelegenen jüdischen Zwangsarbeiterlager herbeigeschafft worden waren.


19 Transporte aus den Niederlanden trafen zwischen März und Juli 1943 mit etwa 35 000 Juden zur Vernichtung ein, wobei sie unter arglistigen Täuschungsaktionen in den Tod geführt wurden.


In der zweiten Hälfte des Septembers 1943 kamen aus Wilna, Minsk und Lida im Reichskommissariat Ostland 14 000 Juden nach Sobibor zur Vernichtung, womit sich die Gesamtzahl der dort ermordeten Menschen auf 250 000 summierte.


Am 5. Juli 1943 ordnete Heinrich Himmler die Umwandlung des Vernichtungslagers in ein reguläres Konzentrationslager an. Die Änderung wurde jedoch nach Einspruch Globocniks und des Chefs des SS-Wirtschafts-Verwaltungshaupamtes, Oswald Pohl, nicht durchgeführt.


Aufstand und Ende

Am 14. Oktober 1943 begannen dort inhaftierte jüdische Kriegsgefangene aus Weißrussland einen Aufstand gegen das Lagerpersonal. Dabei wurden 9 SS-Männer und 2 volksdeutsche Trawniki-Wachmänner getötet. Fast 300 Häftlinge konnten fliehen, aber nur 47 überlebten das Kriegsende. Die restlichen Lagergefangenen wurden alle ermordet.


Bis Ende 1943 wurde das ganze Lager von der SS beseitigt und auf dem Gelände zur Tarnung und aus Überwachungsgründen ein kleiner Bauernhof errichtet, der von einem Volksdeutschen bewirtschaftet wurde. Im Juli 1944 eroberten die Sowjetarmee und die polnische Volksgarde(Gwardia Ludowa) das Gebiet.


Bestrafung des Lagerpersonals

1965 und 1966 wurden 11 SS-Männer in Hagen (Westfalen) wegen ihrer Taten in Sobibor angeklagt. Einer tötet sich selber am Tag vor der Urteilsverkündung, einer wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, fünf erhielten eine Gefängnisstrafe zwischen 3 und 8 Jahren und vier wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen.


Franz Stangl, erster Lagerkommandant von Sobibor, wurde aus prozesstechnischen Gründen nicht deswegen angeklagt, sondern wegen seiner Verbrechen als Kommandant von Treblinka. 1970 wurde er in Düsseldorf zu lebenslanger Haft verurteilt.


Mahnmal

Heute ist das Gebiet des Lagers ein Nationaldenkmal mit einer Gedenkstätte.


Literatur

  • Jules Schelvis: Vernichtungslager Sobibór. Unrast Verlag, Hamburg/Münster 2003, ISBN_3897718146. - Wissenschaftliches Standardwerk, geschrieben von einem überlebenden Holländer.
  • Yitzhak Arad: Belzec, Sobibor, Treblinka. The Operation Reinhard Death Camps. Indiana University Press, Bloomington and Indianapolis 1987, ISBN_0253342937. - Teilweise überholtes früheres Standardwerk.
  • Adalbert Rückerl (Hrsg.): Nationalsozialistische Vernichtungslager im Spiegel deutscher Strafprozesse. Belzec, Sobibor, Treblinka, Chelmno. München 1977 (dtv 2904), ISBN_342302904X. - Immer noch grundlegende Dokumentation mit Auszügen aus Gerichtsurteilen und wichtigen Zeugenaussagen.
  • Thomas Toivi Blatt: From the Ashes of Sobibor. A Story of Survival. Northwestern University Press, Evanston, Illinois 1997, ISBN_0810113023 - Bewegende Erinnerungen des damals 15jährigen Überlebenden.
  • Miriam Novitch (Hrsg): Sobibor - Martyrdom and Revolt. Documents and Testimonies. Holocaust Library, New York 1980 - Frühe Sammlung von Aussagen Überlebender, teilweise schlechte Übersetzung polnischer Originale und Änderungen durch Hrsg.


Weblink



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