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Tschüs

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Tschüs oder auch Tschüss ist ein Abschiedsgruß aus der plattdeutschen Sprache, der sich - ähnlich wie die Begrüßung Moin - zunehmend auch im hochdeutschen und oberdeutschen Sprachraum findet.


Anders als Moin ist Tschüs kein ursprünglich niederdeutsches Wort, sondern als Lehnwort aus dem romanischen Sprachraum übernommen. Einen Hinweis auf die Abstammung des Wortes gibt die teilweise auch heute noch im Norden verwendete Fassung Atschüs, auch Adjüs geschrieben (z.B. bei Fritz Reuter). Vergleiche Adieu, Adios, Ade.


Besonders in Mecklenburg wird auch die Form Tschüssing verwendet.


Inhaltsverzeichnis


1 Ursprung des Wortes

  1.1 Rechtschreibung und Aussprache

  1.2 Verkleinerungsformen

2 Parallelformen im mittel- und oberdeutschen Sprachraum

3 Statistik der Abschiedsgrüße

4 Weblinks


Ursprung des Wortes

Für den Ursprung werden mehrere Quellsprachen angenommen:


  • Spanisch: Norddeutschland, insbesondere Hamburg und Bremen, hatte seit der Hansezeit intensive Handelskontakte mit den Niederlanden, Portugal und Spanien. Nach diesem Modell stammt das Wort Tschüs ursprünglich aus dem Spanischen "Adiós", wurde in den damals spanischen Niederlanden zu "Atjüs" und drang von dort aus in den niederdeutschen Sprachraum ein.
  • Französisch: Nach diesem Modell ist das Wort Tschüs aus dem französischen Adieu (mit Gott) entstanden, woraus zunächst Atschüs wurde. Allerdings ist die sprachliche Übereinstimmung recht gering.
    • Ende des 17. Jahrhunderts siedelten sich in Norddeutschland, insbesondere in Bremen und Altona, aus Frankreich geflüchtete Hugenotten an. Mit ihnen kamen einige französische Ausdrücke als Modeworte auch in die plattdeutsche Sprache, vermutlich auch Atschüs.
    • Die Übernahme des Wortes in den plattdeutschen Grundwortschatz auf breiter Ebene (einschließlich des ländlichen Binnenlandes) erfolgte vermutlich während der napoleonischen Besatzungszeit im frühen 19. Jahrhundert.


Die genaue Entstehungsgeschichte ist aufgrund spärlicher schriftlicher Quellenlage vor dem 19. Jahrhundert nicht mit letzter Sicherheit aufzuklären. Fest steht jedoch, dass zur Zeit von Fritz Reuter, also im 19. Jahrhundert, der Ausdruck Adjüs auch in Mecklenburg die wichtigste Abschiedsformel war. Ebenso ist er durch Klaus Groth für den Holsteiner Raum belegt (u.a. in Mien Jungsparadies).


Rechtschreibung und Aussprache

Die Rechtschreibung ist nach der Rechtschreibreform für die hochdeutsche Sprache nicht eindeutig festgelegt. So ist nach Bertelsmann und Wahrig sowohl die Schreibweise Tschüs als auch Tschüss zulässig. Die Duden-Redaktion führt nur Tschüs auf. Die ebenfalls gebräuchliche Schreibweise Tschüß ist nach alter Rechtschreibung auch korrekt.


In der niederdeutschen Rechtschreibung herrscht dagegen - trotz der sonst zu beobachtenden Vielfalt - eindeutig die Schreibweise Tschüss mit zwei s vor.


Sie ergibt sich bereits aus der Verlängerungsregel durch Vergleich mit der mecklenburgischen Form Tschüssing.


Die Aussprache von Tschüss und Atschüss / Adjüs kann - je nach Kontext - sowohl mit langem ü als auch mit kurzem ü erfolgen. Die Form Tschüssing wird üblicherweise mit kurzen Vokalen ausgesprochen.


Verkleinerungsformen

wie "Tschüsschen" werden ebenfalls öfters gehört - vielleicht auch wegen seiner Ähnlichkeit zu Küsschen - sowie in Jugendkreisen das "Tschüssi" (siehe unten) und vereinzelt sogar "Tschüssikowski".


Parallelformen im mittel- und oberdeutschen Sprachraum

Parallel zur Entstehung von Tschüss aus Adiós (sprich adjoss) dürfte sich das alemannische/schwäbische Ade aus Adieu (sprich adjöö) entwickelt haben. Sprachgeschichtlich aus derselben Wurzel entstammen wahrscheinlich auch das rheinländische Tschö, wohingegen das lautlich ähnliche italienische Ciao (Tschau) aus einer venetischen Dialektform von schiavo "Sklave" kommt (vgl. Servus).


Seit den 1980er-Jahren dringt das Wortes Tschüss in den schwäbischen Großdialektraum ein, doch wird das Fremdwort durch die übliche Verkleinerungsform (Anhängen des Diminuitiv-Suffixes -le) zum Lehnwort Tschüssle, oft auch in der Aussprache Tschissle.


Das rheinländische Tschö wird stärker dialektal zum "Tschökes" und in der etwas kindlich angehauchten i-Sprache zu "Tschüssi", das auch im sächsischen Raum verbreitet ist.


In Österreich hat sich unter den Habsburgern und in Bayern unter den Wittelsbachern der Gruß Adieu etabliert , doch vornehmlich in den "besseren" Ständen. Sie haben jedoch auch im Volk verbreitete Formen übernommen. Im Osten ist dies vor allem das freundliche Servus (latein. für Diener).


Alpine Regionen Österreichs und die ländlichen Gebiete Bayerns blieben von diesen Wörtern bis vor kurzem eher unberührt und blieben beim "Grüß Gott" bzw. beim "Pfiat di" (Behüt' Dich Gott). Inzwischen nimmt aber "Tschau" zu (Tschüss weniger) - auch durch Kontakte im Fremdenverkehr mit Deutschland und Italien bedingt. Im Osten geht dies zu lasten des Servus.


In manchen, insbesondere städtischen Dialekten der deutschen Schweiz wird "Tschüs" oder auch "Tschüsli" als Abschiedsgruß verwendet. "Tschau" resp. "Tschou" (vom italienischen "Ciao") wird, je nach Gegend als Gruß oder als Abschiedsgruß verwendet (nie jedoch beides gleichzeitig).


Statistik der Abschiedsgrüße

Eine Allensbach-Meinungsumfrage ergab, dass in Deutschland der Abschiedsgruß "Auf Wiedersehen" seine frühere Vorherrschaft langsam verliert. Knapp die Hälfte der Deutschen ziehen ihn anderen Formen vor, doch "tschüs" oder "tschau" kommen zusammen auf etwas über 50 Prozent. Von Freunden verabschieden sich rund 15% mit "Auf Wiedersehen", was um 1965 noch 54 Prozent taten. Bei Jüngeren ist diese Entwicklung noch deutlicher.


In Österreich ist neben den traditionellen Abschiedsgrüßen (siehe oben) "Tschau" häufiger als "Tschüs". Beides wird aber ausschließlich bei Freunden und guten Bekannten verwendet (Faustregel: nur wenn man per Du ist, sind "Tschüs" oder "Tschau" angebracht).


Weblinks



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