Das Stadtwappen von Trebnitz zeigt zwei goldene gekreuzte Schlüssel in Blau, mit den Bärten nach oben gekehrt, zwischen ihnen der weiße und bärtige Kopf des Apostels Petrus mit Gloriole.
Geschichte von Trzebnica
Zahlreiche vorgeschichtliche Funde von Urnen im benachbarten Dorf Massel (poln. Maslów) bezeugen, dass das Gebiet um Trebnitz schon sehr früh besiedelt war. Im frühen Mittelalter hatte der Ort mehrere Besitzer, u.a. das Breslauer Vinzenzstift und den schlesischen Magnaten Peter Wlast, bis Herzog Wladyslaw II. gen. der Vertriebene den ganzen Ort an sich brachte.
Die Geschichte der Stadt Trebnitz ist unzertrennlich verbunden mit dem dortigen Zisterzienserinnenkloster, das 1202 vom Herzog Heinrich I. von Schlesien auf Bitten seiner Gemahlin, der Hl. Hedwig von Andechs (besser bekannt als Hl. Hedwig von Schlesien), gestiftet wurde.
Wichtige Jahreszahlen in der Geschichte von Trzebnica
um 1200: die Pfarrkirche zum Heiligen Petrus wird erbaut
1202: Heinrich I. der Bärtige, Herzog von Schlesien stiftet in Trebnitz auf Bitten seiner Gemahlin, der späteren Heiligen Hedwig von Schlesien, das erste Frauenkloster in Schlesien. Das Kloster wird mit Zisterzienserinnen aus Bamberg besetzt. Erste Äbtissin wird Petrissa, die einstige Lehrerin der Herzogin Hedwig in Kitzingen am Main.
1203: der Bischof von Bamberg (Hedwigs Bruder Eckbert) mit seinem Onkel Poppo besucht das schlesische Herzogpaar. Aus diesem Anlass wird am 23. Juni1203 die Stiftungsurkunde des Trebnitzer Klosters ausgestellt. Seit 1203 bis zum Tode ihres Mannes unternimmt Herzogin Hedwig, die in Liegnitz residiert, jedes Jahr Wallfahrten zu Fuß nach Trebnitz. In jedem Ort, wo sie übernachtet, entspringt laut Legende eine Hedwigsquelle mit heilbringenden Eigenschaften.
1205: Abt Günter aus Leubus wird zum Beichtvater des Klosters Trebnitz ernannt.
1214: die Krypta der Klosterkirche wird eingeweiht
1218: Hedwigs und Heinrichs Tochter Gertrude wird Äbtissin, als erste der 15 Piastenprinzessinnen, die bis 1515 dieses Amt ausüben werden.
1224: das Dach und der Glockenturm werden fertiggestellt. In diesem Jahr erhält die Siedlung Trebnitz das Marktrecht von Herzog Heinrich dem Bärtigen.
1238: Heinrich I. der Bärtige stirbt und wird in der Trebnitzer Kirche vor dem Hochaltar begraben.
1243: die Herzogin Hedwig, die in ihrer Witwenzeit im Trebnitzer Kloster wohnte, stirbt am 14. Oktober im Alter von 77 Jahren und wird in der Kirche beigesetzt.
1250: die Siedlung Trebnitz neben dem Kloster erhält das Stadtrecht.
1267: Hedwig wird am 26. März heiliggesprochen. Ihre Gebeine werden in die neue Kapelle in der Südapsis der Kirche überführt, wo sie sich noch heute befinden. Das Kloster besitzt in diesem Jahr schon 32 Dörfer.
1323: die Stadt wird der Gerichtsbarkeit der Herzöge von Oels unterstellt. 150 Jahre lang soll das Kloster danach streben, die herzoglichen Rechte über Trebnitz zu erwerben.
1413: ein großer Brand verheert das Kloster und die Stadt. Beide werden aus Privatmitteln der Äbtissin Anna Prinzessin von Kujawien wiederaufgebaut.
1430: die Hussiten überfallen das Kloster und die Stadt am Tage der Verkündigung Mariae und rauben alles Wertvolle.
1453: Kloster und Stadt werden aus Privatmitteln der Äbtissin Agnes Prinzessin von [Beuthen (Oberschlesien)|Beuthen wiederaufgebaut.
1480: Herzog Konrad von Oels überträgt dem Kloster sämtliche Rechte über Trebnitz. Die Stadt wird bis 1810 das Eigentum des Klosters verbleiben.
1500 bis 1595: neue Brände verheeren das Kloster und die Stadt.
1596: die Pest wütet in der Stadt und im Kloster. 1600 Menschen sterben.
1597 bis 1707: Schwesternzwist zwischen deutschen und polnischen Nonnen im Kloster Trebnitz um die Besetzung des Postens der Äbtissin. In der Regel gewinnen die Polinnen, besonders nach dem Skandal um die Äbtissin Maria von Luck, die zum Protestantismus überging und mit ihrem Geliebten aus Trebnitz flüchtete.
1618 bis 1648: Dreißigjähriger Krieg. Die Stadt und das Kloster werden mehrmals von schwedischen Truppen geplündert, die Nonnen müssen dreimal nach dem benachbarten Polen fliehen.
1679. Umbau der Klosterkirche im Geiste des Barock beginnt. Das Grab der Heiligen Hedwig erhält die heutige prunkvolle Gestalt.
1680: das Doppelgrab Heinrich des Bärtigen und des Hochmeisters des Deutschen Ordens Konrad von Feuchtwangen vor dem Hauptaltar wird mit neuem Grabstein aus schwarzem Marmor bedeckt.
1697: der Bau des heutigen Klosters im Stil des Barock beginnt.
1702: die letzte Piastenprinzessin, Charlotte von Liegnitz, stirbt in Breslau und wird in Trebnitz zu Füssen der Hl.Hedwig begraben
1703: Marie Leczinski, Tochter des polnischen Königs Stanislaus I. Leszczynski und spätere Königin von Frankreich (Gemahlin Louis XV.) wird in Trebnitz geboren.
ab 1806: die Stadt leidet sehr unter der französischen Besatzung mit Plünderungen und Kontribution en.
1810: Säkularisierung der Klöster in Preußen. Nach 600 Jahren hört das ehrwürdige Trebnitzer Kloster auf, zu existieren. 1811 müssen die letzten Nonnen ihr Heim verlassen. Die Stadt, bisher Eigentum des Stifts, wird selbständig.
1817: im Klostergebäude wird eine Textilfabrik eingerichtet. Verwüstung und Verfall des schönen barocken Gebäudes.
1870: die Johanniter kaufen das südliche Klostergebäude und richten dort ein Lazarett ein, das von den Borromäerinnen betrieben wird. Heute sind diese Schwestern nach jahrzehntelangen Bemühungen Eigentümmerinnen des ganzen Gebäudekomplexes.
1880: die Stadt zählt 4.920 Einwohner, davon 3.129 Protestanten, 1699 Katholiken und 88 Juden und besitzt 373 Häuser.
1886: Trebnitz erhält Eisenbahnverbindung mit Breslau.
1888: man entdeckt Klimavorteile von Trebnitz. Die Stadt erhält eine Moorbadanstalt, "Hedwigquelle" und ein Sanatorium mit schönem Kurpark.
1898: die Kleinbahn zwischen Breslau und Trebnitz nimmt ihren Betrieb auf (man nannte sie "Der fliegende Trebnitzer"). Trebnitz wird langsam zu einer Wohnstadt für Breslauer.
1945: Am 25. Januar besetzt die sowjetische Armee die Stadt ohne Kämpfe. In den nächsten 5 Tagen zerstören sowjetische Soldaten etwa 60% der Häuser der Stadt durch Plünderung und Brandschatzung. Das Kloster und die Kirche werden verschont.
1945: Im April beginnt die polnische Besitzergreifung nach Übergabe der Stadtverwaltung an Vertreter der Warschauer Behörden.
nach 1945: langsamer Aufbau der Stadt. Noch 1951 gibt es um das Rathaus beinahe keine Häuser. 1947 wird die Petrikirche in ein Lagerhaus verwandelt und erst 1994 wiederaufgebaut und kirchlichen Zwecken übergeben. Häuser, die in der Zeit der sog.Volksrepublik errichtet werden, sind hässliche Kästen im "sozialistischen Stil". Abgesehen von der Klosterkirche und dem Sanatorium mit seiner Umgebung ist Trzebnica heute eine der hässlicheren Städte in Niederschlesien.
Industrie
Die Stadt hat zwar Milch- und Holzbearbeitungsindustrie, ihr Charakter ist aber vorwiegend landwirtschaftlich. Gewisse Einkünfte bezieht Trzebnica aus dem Kurbetrieb und der Touristik. Es ist anzunehmen, dass viele Einwohner im nahen Breslau beschäftigt sind.
Sehenswürdigkeiten
Klosterkirche mit den Gräbern der Heiligen Hedwig von Schlesien und Heinrich des Bärtigen (13. bis 18.Jahrhundert), gotisch-barock
ehem. Stadtpfarrkirche zum Heiligen Apostel Petrus (Turm 13. Jahrhundert, der Rest neugotisch um 1860)
ein barockes Bürgerhaus (17. Jahrhundert), heute Stadtmuseum
sog. Einsiedelei im Buchenwald unweit des Sanatoriums, kleine Kirche von 1886, die an der Stelle einer gotischen Kapelle aus 1396 errichtet wurde. Der sie umgebende romantische Friedhof wurde leider um 1970 völlig eingeebnet. Die Einsiedelei ist von vielen alten Legenden umwoben.
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