Fertig konfektionierter Antrieb für Modellraketen. Treibsätze für Modellraketen bestehen stets aus einer Treibladung und meist auch aus einer Verzögerungsladung und einer Ausstoßladung. Als Treibstoff kommt im Regelfall Schwarzpulver zum Einsatz.
Die Treibladung, die meist elektrisch, aber auch über eine Zündschnur gezündet werden kann, übernimmt die Funktion der Beschleunigung der Modellrakete. Ist die Treibladung verbrannt, so fängt die Verzögerungsladung an zu brennen. Sie übernimmt keine Antriebsfunktion, ermöglicht aber durch ihre Rauchladung das Modell besser zu verfolgen. Nach Abbrand der Verzögerungsladung zündet die Ausstoßladung. Diese Ladung stößt das Bergungssystem nach vorne durch den Raketenkörper aus.
Gesetzliches
In Deutschland dürfen nach dem Sprengstoffgesetz nur von der BAM freigegebene Treibsätze verwendet werden. Feuerwerksraketen dürfen - trotz ihrer konstruktiven Ähnlichkeit - nicht für den Antrieb von Modellraketen verwendet werden. In Deutschland dürfen (für Personen über 18 Jahre frei verkäufliche) Treibsätze maximal 20 Gramm Treibladung besitzen. Für den Erwerb stärkerer Treibsätze ist eine entsprechende Lizenz, der T2-Schein nötig. Dieser Schein ist in Deutschland auch nötig, um Modellraketen mit mehreren Stufen oder gebündelten Treibsätzen legal starten zu dürfen.
Im Ausland, insbesondere in der Schweiz, Polen und den USA dürfen zum Teil Treibsätze mit Ladungen von bis zu 50 Gramm Schwarzpulver frei verkauft und ohne entsprechende Genehmigung verwendet werden. Auch ist dort für den Start von Modellraketen mit mehreren Stufen oder gebündelten Treibsätzen unterhalb einer bestimmten Treibstoffmasse keine besondere Lizenz nötig.
Allerdings ist auch in diesen Ländern ohne entsprechende Lizenz, die Eigenanfertigung von Treibsätzen verboten.
T2-Schein
Den T2-Schein erhält man nach einer beim Gewerbeaufsichtsamt in Deutschland abzulegenden Prüfung, die erforderlich ist, um Modellraketen mit gebündelten Treibsätzen, mehreren Stufen oder mit Treibsätzen über 20 Gramm Treibmasse legal zu starten.
Er berechtigt allerdings nicht zur Herstellung von Treibstoffmischungen oder Sprengstoffen und zum Abbrennen von Feuerwerkskörpern mit mehr als 20 Gramm Effektladung.
Bezeichnungen
Es gibt verschiedene Typen für Modellraketentreibsätze. Sie werden mit einer Kombination aus Ziffern und Buchstaben bezeichnet.
Sie setzt sich wie folgt zusammen:
1.Buchstabe:
Er bezeichnet den spezifischen Impuls des Treibsatzes Und zwar wie folgt:
½ A0,625Ns - 1,25Ns
A1,26Ns - 2,5Ns
B2,51Ns - 5Ns
C5,01Ns - 10Ns
D10,01Ns - 20Ns
E20,01Ns - 40Ns
F40,01Ns - 80N
G80,01Ns - 160Ns
In Deutschland sind allerdings wegen der maximal zulässigen Treibladung von 20 Gramm für frei verkäufliche Treibsätze keine Modellraketentreibsätze der Kategorie
E, F und G frei erhältlich.
2. Zahl:
Sie bezeichnet den mittleren Schub in Newton
3. zweite Zahl (nach dem Bindestrich)
Verzögerungszeit zwischen Ende des Abbrandes der Treibladung und Zündung der Verzögerungsladung in Sekunden. Diese Angabe ist wichtig, da bei einer zu langen Verzögerungszeit unter Umständen das Modell vor dem Öffnen des Fallschirms schon aufschlagen kann oder bei zu kurzer Verzögerungszeit nicht die optimale Höhe erreicht.
Grundsätzlich sollte man für den Einsatz in Raketenmodellen möglichst nur die vom Hersteller empfohlenen Treibsätze verwenden, da sonst das Modell abstürzen kann.
Die in Deutschland am häufigsten für den Antrieb von Raketenmodellen verwendeten Raketentreibsätze sind Treibsätze der Kategorien A8-3, B4-4, B6-4, C6-3, C6-5, C6-7 und D7-3.
Treibsätze von Feuerwerksraketen entsprechen in ihrer Stärke etwa Treibsätzen der Kategorie A bis C. Allerdings zeigen sie große Streuungen in ihren Daten.
Im Unterschied zu Modellraketentreibsätzen gibt es bei Treibsätzen von Feuerwerksraketen keine Verzögerungs- und Ausstoßladungen im eigentlichen Sinn. Der Treibsatz zündet, nachdem er ausgebrannt ist, unmittelbar den in der Spitze befindlichen Effektsatz, der meist aus pulverisierten Schwarzpulver oder in Form von in kleinen Kugeln gepreßten Schwarzpulver besteht.
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