Trauer ist eine Stimmungslage des Menschen, die beim Verlust eines geliebten Gegenübers (Menschen, ggf. auch Tiere) auftritt. Meist führt die Trauer zu einer gewissen Lähmung der normalen Aktivitäten des trauernden Menschen.
Zum Überwinden der Trauer gibt es zwei Ansätze: Die Verdrängung und die Verarbeitung. Gegenwärtig ist eine Tendenz zur Verdrängung der Trauer zu beobachten: Durch körperliche Aktivität oder Ablenkung kann man Trauer versuchen zu verdrängen. Man kann versuchen, den Verlust zu ersetzen.
Beispiel: Eine ältere Frau hat ihren Hund verloren. Sie verliert darüber ihren Lebensmut. Sie bekommt von ihren Kindern einen jungen Hund geschenkt und überwindet langsam ihren Verlust.
Ein eher traditioneller Ansatz ist die Verarbeitung der Trauer: Überwunden im Sinne einer intensiven Bewältigung wird Trauer, indem sie bewusst gemacht wird (Trauerarbeit).
Jahrhunderte alte Trauerbräuche und Rituale haben durch die Kulturgeschichte hindurch eine stabilisierende und sinnstiftende Rolle gespielt. Durch Erinnerung, und darin symbolisch wiederholtes Zurückholen und Weggeben des Betrauerten, wird ein Sich - Einlassen auf die Extremsituation des Verlustes sowie ein allmähliches Bejahen und Loslösen ermöglicht.
Von entscheidender Bedeutung ist ein Ort der Trauer. Er macht Pflege ("Wiedergutmachung") möglich, die Gewissheit einer "letzten Spur", Selbstvergewisserung und einen neuen Anfang. Darüber hinaus ist die Klage ein konstitutives Trauermoment. In der Kulturgeschichte lässt sich ein Wandel vom Klagegeschrei hin zum differenziert artikulierten Gesang (Requiem) beobachten. Trauer bedarf der Klage.
In der heutigen musisch verarmten Gesellschaft, die weder der unartikulierten Klage noch dem kollektiven Trauergesang einen angemessenen Raum mehr zu bieten scheint, kommt dem Gespräch die Aufgabe der Trauerüberwindung zu.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Tod im Alltag schwer fassbar geworden ist, weil er außerhalb der Medien kaum vorkommt. "Wir werden nicht mehr mit dem Tod erzogen - dieses alte klassische memento mori - sondern wir werden dem Tod entzogen". Insofern sollte eine angemessene Überwindung der Trauer bereits vor dem Tod beginnen.
Hilfreich ist eine vermehrte Zuwendung und Aufmerksamkeit für Trauernde, auch wenn diese vielleicht vom Betroffenen abgelehnt und zurückgewiesen wird. Es kann sinnvoll sein, eine Psychotherapie durchzuführen. Es kann sinnvoll sein, einen Trauernden enger zu begleitend, vermehrt zu besuchen oder ihn in einer anderen Familie aufzunehmen. Es ist wichtig, einen Trauerenden vor einer übermäßigen pathologischen Trauer, wie Selbstmordgedanken, Suchtverhalten, völliger Inaktivität und Depressivität zu bewahren.
Aus der "Sicht des christlichen Glaubens" ist Trauer eine menschliche Befindlichkeit, die ernst genommen und nicht verdrängt werden sollte. Sie ist Ausdruck des Verlustes eines Menschen oder eines für die Person wichtigen Wertes. Eine besondere Form der Trauer tritt ein, wenn eine Person meint, von Gott verlassen zu sein, ohne dass sie sich selber durch eine Todsünde von Gott trennen will. Solidarität mit den Trauernden wird zu einer besonderen Form christlicher Nächstenliebe. Der Zustand der Trauer ist nicht das Endstadium des Menschseins: Wird Trauer bewusst angenommen, dann mündet eine "verarbeitete Trauer" (Trost) ein in die Perspektive gläubiger Hoffnung auf ewige Vollendung. Gott "wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen." (Offb 21,4)
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Jerneizig, R., Langenmayr, A. & Schubert, U. (1991). Leitfaden zur Trauertherapie und Trauerberatung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht;
Jerneizig, R. & Langenmayr, A. (1992): Klientenzentrierte Trauertherapie. Eine Pilotstudie zur Erfassung der therapeutischen Wirksamkeit. Göttingen u.a., Hogrefe;
Ochsmann, R. (1993): Angst vor Tod und Sterben. Göttingen, Hogrefe;
Wittkowski, J. (1990): Psychologie des Todes. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft;
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Ariès, P: Geschichte des Todes, dtv München, 1982;
Kast, Verena: Trauern. Phasen und Chancen des psychischen Prozesses, Stuttgart: Kreuz,1990;
Lutz, G. & Künzer-Riebel, B. (Hrsg.): Nur ein Hauch von Leben. Eltern berichten vom Tod ihres Babys und von der Zeit ihrer Trauer. Frankfurt: Fischer, 1988
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