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Transgender

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Transgender (von lat. trans, jenseitig, darüber hinaus und engl. gender, (soziales) Geschlecht) ist eine Bezeichnung für Menschen, deren Identitätsgeschlecht nicht ihren anatomischen Geschlechtsmerkmalen entspricht, oder deren Geschlechtsrollenpräsentation von den ihrem anatomischen Geschlecht offenstehenden Rollen abweicht.


Transgender ist ebenfalls die Bezeichnung für entsprechendes Verhalten oder Empfinden. Die bekanntesten Begriffe aus dem Transgender-Spektrum sind Transsexualität und Transvestitismus. Beide stellen aber jeweils nur einen Teil dieses Spektrums dar.


Inhaltsverzeichnis


1 Allgemeines

2 Geschlechtsrolle

3 Gesellschaft

4 Ursachen

5 Therapie

6 Weblinks

7 Bücher


Allgemeines

Berichte über Personen oder Vorfälle, die Geschlechtsrollenwechsel beschreiben, finden sich in nahezu allen Kulturen dieser Welt. Betrachtet man allerdings historische Personen oder Vorfälle, lässt sich äußerst selten eine Aussage darüber treffen, ob ein Verhalten seine Ursache darin hatte, dass eine Person transgender war, oder ob es sich lediglich um eine praktische Umgehung der Grenzen der jeweiligen Geschlechtsrolle handelte; zumal selbst wenn entsprechende Aussagen vorliegen, diese selbst im besten Falle von den kulturellen Gegebenheiten zu dieser Zeit geprägt sind, häufig allerdings auch davon, dass sie oft im Zusammenhang mit einer strafrechtlichen oder religiösen Verfolgung zustande kamen.


Dabei beruht nicht jedes Auftreten in einer anderen als der (aufgrund der eigenen Geschlechtsmerkmale) zugewiesenen Geschlechtsrolle auf einem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen Geschlecht, sondern dies kann auch rein praktische Ursachen haben. Bekanntestes Beispiel dafür dürften Frauen sein, die sich in Situationen, in denen sie eine Vergewaltigung befürchten (z.B. im Krieg) als Männer verkleiden.


Außerdem kennen viele Kulturen rituelle Geschlechtswechsel, die meist nur zeitweilig sind. Im Westen ist davon nicht viel mehr übrig geblieben als das Männerballett zu Karneval und ähnliches.


Geschlechtsrolle

Das Abweichen von den jeweilig vorgegebenen Geschlechtsrollen (die sich nicht in jeder Kultur auf nur zwei mögliche beschränken) wird üblicherweise sozial, häufig auch strafrechtlich und/oder religiös sanktioniert.


So wurde Jeanne d'Arc verbrannt, weil sie sich weigerte, einen Eid abzulegen, niemals wieder Männerkleidung anzuziehen.


Selbst in einigen westlichen Ländern gibt es noch Gesetze, die das öffentliche Tragen von nicht zum eigenen Geschlecht zugehöriger Kleidung (siehe Transvestitismus) unter Strafe stellen (z.B. in zahlreichen Bundesstaaten der USA), allerdings werden diese mit zunehmender Liberalisierung immer seltener angewandt.


In vielen nicht-westlichen Ländern allerdings wird entsprechendes Verhalten wesentlich härter bestraft, bis hin zur Todesstrafe.


Gesellschaft

In der heutigen westlichen Gesellschaft allerdings sind sowohl rituelle als auch aus Not geborene Geschlechtsrollenwechsel äußerst selten geworden, so dass man nahezu immer davon ausgehen kann, dass wer dort Transgender-Verhalten zeigt, dies aus innerer Notwendigkeit tut. Denn eine von den üblichen Geschlechtsrollen abweichende Geschlechtsrollenpräsentation beruht üblicherweise nicht oder nur bedingt auf einer freiwilligen Entscheidung, sondern sie ist eine innere Notwendigkeit, da die Präsentation in einer akzeptierten Geschlechtsrolle für das Individuum entweder sehr belastend ist, oder sogar unmöglich. Viele Transgender bemühen sich, oft jahre- oder gar jahrzehntelang, darum, die Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen, schaffen dies aber nie so, dass sie sich selber in dieser Rolle wohlfühlen. Viele schaffen es nicht einmal, andere Menschen mit dieser dem inneren Empfinden nicht entsprechenden Geschlechtsrollenpräsentation zu überzeugen. Aus diesem Konflikt entstehen häufig psychische Probleme, psychische und psychosomatische Krankheiten, Suchtprobleme u.ä.


Dieser Tatsache teilweise Rechnung trägt in Deutschland seit 1980 das Transsexuellengesetz, welches zumindest die rechtlichen Notwendigkeiten eines Geschlechtsrollenwechsels von weiblich zu männlich (oder umgekehrt) regelt. Ebenfalls ist zumindest Transsexualität als unter Umständen behandlungsbedürftiger Zustand anerkannt.


Kritisiert wird daran mittlerweile allerdings, dass dies nur für die medizinische Diagnose Transsexualität gilt, welche nur einen relativ kleinen Teil des Transgender-Spektrums umfasst, während Transgendern, welche die Kriterien für Transsexualität nicht erfüllen, die aber die juristischen oder medizinischen Maßnahmen ebenso benötigen, diese nicht oder nur unter Schwierigkeiten erhalten können.


Ursachen

Über die Ursachen von Transgendern ist nichts bekannt. Zwar existieren eine Vielzahl von psychologischen Theorien, und auch einige, die körperliche Ursachen annehmen; jedoch konnte keine dieser Theorien bisher empirisch belegt werden. Zu jeder einzelnen bis dato postulierten Theorie jedoch lassen sich etliche Gegenbeispiele finden.


Therapie

Keine Form von Transgender ist therapierbar oder heilbar im Sinne einer Versöhnung mit der ursprünglichen Geschlechtsrolle; wie bei der Homosexualität empfinden sich Transgender in der Regel, so sie nicht starkem Druck von Außen ausgesetzt sind, allerdings auch nicht als therapie- oder heilungsbedürftig. Der Bedarf, Transgender (wie Homosexuelle) durch "Heilung" zum Verschwinden zu bringen entsteht üblicherweise nur bei Außenstehenden, welche ihre eigene Identität gefährdet sehen, wenn heteronormative Grundregeln ins Wanken geraten.


Grundsätzlich ist Transgender unabhängig von der sexuellen Orientierung und sexuellen Vorlieben; sämtliche sexuellen Variationen, die bei Cisgendern (Nicht-Transgender) bekannt sind, gibt es auch bei Transgendern.


Die häufige Assoziation insbesondere von Transfrauen (Transgender Richtung Mann-zu-Frau) mit Prostitution rührt daher, dass in vielen Gesellschaften Prostitution die einzige Möglichkeit für Transfrauen ist, Geld zu verdienen, oder die einzige gesellschaftlich anerkannte Rolle für Transfrauen.


Die ebenfalls häufige Assoziation mit Homosexualität hat zwei Ursachen; zum einen die Tatsache, dass lesbische oder schwule Kreise häufiger sowohl Raum als auch Vorbild für Menschen mit abweichender Geschlechtsrollenpräsentation boten. Zum anderen bevorzugen auch Transgender häufig Menschen mit einem anderen Geschlecht als Partner, und zwar mit einem anderen Identitätsgeschlecht. Dies führt häufig zu Beziehungen, die für Außenstehende homosexuell erscheinen. Die betreffenden Personen betrachten solche Beziehungen allerdings meist als heterosexuell.


Weblinks



Bücher

  • Lorber, Judith - Genderparadoxien; 1999 Leske + Budrich, Opladen - Die amerikanische Soziologin Lorber zeigt als Feministin anhand eines sozial-konstruktivistischen Ansatzes, wie sich die Unterschiede von Mann/Frau und/oder Hetero-/Homosexualität in der gesellschaftlichen Praxis konstitutiert. Dabei fasst Lorber Gender als Institution auf, mit deren Möglichkeiten und Zwänge in der Praxis.


Siehe auch: Liste der Transgender-Themen
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