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Tora

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Tora (von hebräisch jarah unterweisen, kausat.) (andere Schreibweisen: Torah, Thora) bedeutet Lehre, Belehrung, Unterricht, Anweisung.


Inhaltsverzeichnis


1 Die schriftliche Tora

2 Begriffsbestimmung

  2.1 Die Schriftrolle

  2.2 Die mündliche Tora

  2.3 Die hebräische Bibel

3 Bedeutung der Tora

  3.1 Fundamentalismus - wörtliches Bibelverständnis

  3.2 Progressives Bibelverständnis

4 Die Fünf Bücher Mose im Christentum

5 Die schriftliche Tora im Islam

6 Weblinks


Die schriftliche Tora

Die Tora besteht aus fünf einzelnen Büchern (im Christentum die fünf Bücher Mose oder aus dem Griechischen Pentateuch genannt), die im Hebräischen nach dem ersten Wort im Buch benannt sind:


Tabelle


Begriffsbestimmung

Das hebräische Wort hat mehrere, verschieden weite Bedeutungen.


Die engste bezeichnet die fünf Bücher Mose, die das Volk Israel laut dessen Überlieferung am Berg Sinai erhielt (siehe auch Pentateuch). Juden reden nicht vom Alten Testament, da dies ein Neues Testament voraussetzte, das es im Judentum nicht gibt, es gibt im Judentum in diesem Sinne also nur ein Testament.


Die Schriftrolle

Im Zusammenhang damit ist mit "Thora" oft die Thorarolle gemeint. Dies ist eine große Rolle aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben (ohne Vokale) von Hand aufgeschrieben sind. Thorarollen werden im allgemeinen in der Synagoge aufbewahrt. In Gottesdiensten, vor allem am Shabbat, aber auch an Feiertagen wird aus dieser Thorarolle in der Synagoge "gelesen". Im allgemeinen wird der Text dabei nicht gesprochen, sondern gesungen. Sinn dieser 2000jährigen Tradition ist, das jüdische Volk mit dem Text der Thora vertraut zu machen.


Eine Thora wird grundsätzlich von einem Sofer, einem speziell dafür ausgebildeten Schreiber, geschrieben. Bei guter Aufbewahrung kann eine Thorarolle mehrere hundert Jahre »leben«, das heißt unbeschädigt und damit rituell brauchbar bleiben. Die älteste existierende Thorarolle stammt von etwa 900 n. d. Z., das heißt 1300 Jahre nachdem die Endfassung der Tora geschrieben worden war. Thorarollen, die mechanisch oder durch Abnutzung oder hohes Alter beschädigt und somit unbrauchbar geworden sind, werden aus Respekt nicht weggeworfen, sondern in einer Genisa aufbewahrt oder auf einem jüdischen Friedhof vergraben.


Die mündliche Tora

Laut traditioneller jüdischer Überlieferung erhielt Israel über Mose jedoch nicht nur diese Schriften (die schriftliche Thora), sondern auch deren mündlich überlieferte Ausdeutung, die den Schlüssel für das Verständnis der schriftlichen Tora liefere. Diese wurde von den Propheten Neviim und den weiteren Lehrern des Volkes mündlich überliefert. Schließlich wurden sie von Rabbinern als Mischna und als Gemara, das heißt zusammen als Talmud niedergeschrieben.


Die Mischna wurde um das Jahr 200 d. ü. Z. in schriftlicher Form fixiert, die Gemara bis zum 6. Jahrhundert. Während im Pentateuch neben den erzählenden Teilen 613 Ge- und Verbote aufgelistet werden, werden in der Mischna und der Gemara diese Vorschriften konkretisiert und teilweise faktisch verändert.


Die hebräische Bibel

Eine weitere Bedeutung bezeichnet die gesamte jüdische Bibel Tanach, also die Thora im engeren Sinne, die Neviim (Prophetenbücher) und die Ketubim (Schriften).


Bedeutung der Tora

Die Tora ist seit mehr als 3500 Jahren wesentliches Element des Judentums, mit seinem klaren Monotheismus, seiner Rechts- und Philosophiegeschichte, seiner Mystik und vor allem seinem hohen ethischen Gehalt.


Mit dem Judentum in der Diaspora aber vor allem mit dem Christentum und der Ekklesia (griechisch; deutsch: Kirche) wurde die Tora prägend für das westliche Abendland und prägte den Islam, durch das, was die Tora tatsächlich oder vermeintlich zu sagen hat, und in der Betrachtung, durch das, was man annahm, dass sie zu sagen habe. Für das Judentum ist die Tora wichtiger Hintergrund für das Verständnis ihrer Vergangenheit als Volk und als Zivilisation.


Fundamentalismus - wörtliches Bibelverständnis

Die orthodoxe, fundamentalistische Tradition betrachtet die Tora als Gotteswort, das Mosche am Berg Sinai von Gott selbst gegeben wurde. Es wird in einigen orthodoxen Kreisen durchaus eingeräumt, dass sich in der Tradierung des Gotteswortes hier und da einige Schreibfehler eingeschlichen haben könnten, das fechte die Tatsache, dass die Tora das Wort Gottes sei nicht an. So ist dem orthodoxen, fundamentalistischen Standpunkt ein Satz wie "Da erschuf Gott den Menschen in seinem Ebenbilde_..." (Gen 1,28) eine Tatsache, da das Wort Gottes per definitionem die Wahrheit selbst ist. Dies impliziert auch, dass jedes Wort der Tora einen Sinn haben muss, da kein Buchstabe Gottes Wortes überflüssig sein könne. Wo die modernen Wissenschaften mit dem Tanach in Widerspruch stünden, werde sich einmal zeigen, dass die modernen Wissenschaften irrten oder wir die Bibel nicht sachgemäß verstünden.


Progressives Bibelverständnis

Bereits von den jüdischen Weisen der Antike weiß man, das sie die Tora nicht wörtlich nahmen, obschon sie die Tora als von Gott geschrieben ansahen.


Die Weisen erkannten, dass der Tanach (das ist die jüdische Bibel) und alles andere, was ihnen überliefert worden war, zahlreiche subtile Metaphern, Wortspiele und Anspielungen enthält und dass er verschiedene literarische Mittel und Poesie benutzt, die einer eindimensionalen Herangehensweise entgegenstehen. Die Weisen sahen es als legitim an, der Tora zu widersprechen.


Das grundlegend Unterscheidende zwischen orthodoxem Judentum und progressivem Judentum ist das Verständnis der Offenbarung. Das nicht-orthodoxe Judentum sieht die Offenbarung in der Tora nicht als absolut und unveränderbar, sondern als einen fortschreitenden Dialog des Volkes Gottes mit seinem Gott. Die jüdische progressive Zivilisation ist in der Zeit von Menschenrechten, demokratischen Entscheidungen und Naturwissenschaften vor allem um die Observanz (das bedeutet Einhaltung) der Moralgesetze bemüht. Sie glaubt nicht, dass der Tanach, die Tora das unabänderliche Wort Gottes ist, aber dass diese im Kern göttlich inspiriert sind. Die Offenbarung ist ein fortschreitender Prozess. Gott offenbart die Inhalte seines Willens und seiner Gebote jeder Generation neu. Im progressiven Judentum werden die Mitzwot angepasst, Statusfragen bezüglich der Scheidung, der Konversion zum Judentum, der Manser, der Kohen der Adoption etc. werden anders behandelt. Die Frau, Homosexuelle und beispielsweise Freimaurer sind liberalem, modernem Geist entsprechend egalitär.


Das progressive Judentum bestimmt für sich jedoch Teile der Tradition, die immerwährende Bedeutung haben, getrennt von solchen, die einem, sich in der jüdischen Zivilisation wandelnden Weltbild folgend, zeitbedingt und relativ sind. Wertelemente der jüdischen Tradition und des Judentums von Dauer sind der Schabbat, das Streben nach Gerechtigkeit und die Heiligkeit des Lebens. Zeitbezügliche, relative Wertelemente sind zum Beispiel das Tempelopfer und die unbedingte Macht des Mannes über seine Frau (als juristische Sache). Heute wird die Tora von der Mehrheit der Juden in moderner Weise, mit Hilfe erkenntnistheoretischer Kriterien gedeutet. Das Gewissen, die Vernunft, ethische Überlegungen, Erkenntnisse der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften beschränken die Bedeutung und die Auswirkung der Beispiele, Gebote und Verbote des Tanach, der Tora.


Die Fünf Bücher Mose im Christentum

Das Alte Testament,(AT), ist dreigegliedert, wie der Tanach. Der Pentateuch eröffnet die christliche Bibel, wie den Tanach. Dabei bildet die Tora jedoch keine eigene Einheit, sondern ist meist mit den vorderen Propheten (Josua, Richter, Samuel, Könige) und den Büchern Ruth, Chronik, Esra, Nehemia und Ester als Gruppe der Geschichtsbücher sortiert. Die katholische Kirche zählt zu den Geschichtsbüchern noch die Bücher Tobit und Judith, die nicht Teil der hebräischen Bibel sind.


In anderer Reihenfolge bezüglich des Tanach folgen im AT die Schriften(Ketubim) und dann nur die hinteren Propheten (Nebiim).


Mit der abweichenden Sortierung gehen im Christentum Abweichungen des Verständnisses des Pentateuch einher. Die Fünf Bücher Mose werden nicht mehr als Lehre, Gesetz gelesen, sondern als Geschichtsbücher. Es stehen dem Christentum nicht mehr die Lehren und Gesetze im Vordergrund, sondern die Verheißungen - besonders die Abraham-Verheißung - und die Erzählungen von Gottes geschichtlichem Handeln.


Durch das Neue Testament, insbesondere die Bergpredigt, sind von den Lehren und Gesetzen der Fünf Bücher Mose nur die Zehn Gebote von großer Wichtigkeit.


Die schriftliche Tora im Islam

In seiner Grundhaltung und Weltanschauung verweist der Islam auf das Erbe der Propheten und auf den klaren Monotheismus Abrahams. Judentum und Christentum gelten dem Islam als Schwesterreligionen. Aus verschiedenen Suren des Korans (Sura 2,5 - Sura 5,45ff. - Sura 6,75-80 - Sura 21,52-69 - Sura 20,42ff. u.a.) ist den gläubigen Muslimen geläufig, das der Qur`an (Koran) Wurzeln in der Tora hat.


Toleranz und Aufruf zur Verständigung gegenüber dem Judentum ist ebenso im Qur`an verpfropft: ("Sprich: Ihr Leute der Schrift, kommt her auf ein Wort, das gleich ist zwischen uns und euch, dass wir niemandem dienen außer Gott und Ihm nichts beigesellen, und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen an Gottes statt_..." Sura 3,65 - "...Gott ist unser Herr und euer Herr. Wir sind für unser Handeln verantwortlich und ihr seid für euer Handeln verantwortlich. Kein Streit ist zwischen uns und euch. Gott wird uns zusammenführen, und zu Ihm ist die Heimkehr." Sura 42,14-16). -


Anders als im Neuen Testament, in dem der Antisemitismus, respektive, der Antijudaismus geradezu angelegt zu sein scheint (verstockt). Insgesant sind die Gemeinsamkeiten des Korans mit der Tora größer, als mit dem Neuen Testament der Christen.


Weblinks



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