Tirana (albanisch auch Tiranë) ist die Hauptstadt der Republik Albanien, liegt am Fluss Ishm und hat 700.000 Einwohner (Stand 2002). Tirana besitzt eine Universität, Museen, einen Flughafen und vielfältige kulturelle Einrichtungen. Sie ist zudem Hauptort der Präfektur Tirana und des gleichnamigen Kreises (rrethi).
Die Stadt liegt am Fuße des Dajti-Berges (1613 m ü. d. M.) etwa 30 Kilometer von der Küste entfernt. Im Süden und Westen wird sie ebenfalls von Hügeln eingeschlossen. Einzig im Nordwesten öffnet sich eine Ebene.
In Tirana herrscht ein subtropisch-mediterranes Winterregenklima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 16° C und einer Jahresniederschlagssumme von knapp 1200 mm. Zwei Sommermonate sind arid.
Bürgermeister ist seit 2002 der ehemalige Basketballspieler, Maler und albanische Kulturminister Edi Rama.
Wirtschaft
Tirana war während des Kommunismus ein Schwerpunkt der Industrie in Albanien.
Es gab eine Zementfabrik, Maschinenbau, Schuh- und Textilindustrie, glasverarbeitende und Lebensmittelindustrie. Die Industrieanlagen sind - wie im ganzen Land - zwischenzeitlich zum Grossteil stillgelegt. Die meisten Bewohner sind heute im Handel, als Staatsangestellte, im Bausektor und im Dienstleistungsbereich tätig.
Verkehr
Tirana liegt 40 km vom wichtigsten albanischen Hafen Durrës entfernt. Seit dem Jahr 2000 verbindet eine Autobahn die beiden Städte. Von Tirana fahren täglich Busse in alle wichtigen Städte des Landes. Personenzüge verkehren über Durrës nach Vlora und Pogradec sowie nach Shkodra.
Ca. 15 km Nordwestlich liegt der internationale Flughafen Tirana-Rinas "Mutter Teresa". Verbindungen bestehen in die Metropolen Südosteuropas sowie einige wenige westeuropäische Städte.
Der öffentliche Verkehr innerhalb Tiranas wird ausschließlich durch öffentliche Buslinien bewältigt. Der Bau einer S-Bahn zum Flughafen wird gerade geplant.
Das Stadtbild ist teilweise orientalisch, teilweise aus der Zwischenkriegszeit italienisch, zum größten Teil aber durch kommunistische Plattenbauten und zahlreiche Slums geprägt. Die Fassaden ganzer Straßenzüge in der Innenstadt wurden in den letzten Jahren in schrillen Farben und wilden Mustern neu gestaltet. Zum Teil erinnern diese Häuser jetzt an Bauten von Hundertwasser. Durch diese umstrittenen "Mal-Aktionen" des Bürgermeisters und Künstlers Rama wurde wenigstens die kommunistische Tristesse, die manchem Plattenbau und vielen unverputzen Häusern anhingen, gemildert.
Das Wahrzeichen der Stadt ist das Skanderbeg-Denkmal auf dem gleichnamigen Platz. Berühmt ist außerdem die Sulejman-Pasha-Moschee gleich daneben.
Andere Überreste aus der Zeit vor der Unabhängigkeit des Landes sind rar. Erhalten blieben lediglich eine Türbe, eine alte Steinbrücke, Mauern der Festung aus osmanischer Zeit und der Uhrturm. In den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden das Hauptgebäude der Universität und ein Ensemble mit Verwltungsgebäuden im Stil des italienischen Faschismus errichtet. Die ebenfalls in dieser Zeit errichteten schönen Stadtvillen mussten in den letzten Jahren zum großen Teil modernen Hochhausbauten weichen. Baugrund ist in der Innenstadt von Tirana rar und teuer.
In Tirana finden befinden sich mit dem Historischen Museum, dem Archäologischen Museum und der Kunstgalerie die wichtigsten Museen des Landes.
Neben zahlreichen Cafés und Restaurants sowie einigen wiederhergerichteten Grünanlagen lädt der Grosse Park im Süden zum Verweilen.
Religionen
Tirana ist Sitz eines katholischen und eines orthodoxen Erzbischofs. In der Stadt befindet sich eine Medrese und ebenso das Weltzentrum des Bektaschi-Ordens.
Geschichte
Im 6. Jahrhundert ließ Justinian eine Festung errichtet. Eine richtige Siedlung wurde erst im 17. Jahrhundert unter osmanischer Herrschaft gegründet: 1614 ließ ein lokaler Feudalherrscher an der Kreuzung zweier Handelswege eine Moschee, Bäder und einen Markt errichten und nannte den Ort "Tehran".
Tirana blieb lange klein und unbedeutend, bis sie 1920 auf dem Kongress von Lushnja zur Hauptstadt bestimmt wurde.
Darauf wurde schnell aus einem Ort mit wenigen tausend Einwohnern die größte und bedeutendste Stadt des Landes.
König Zog ließ sich hier einen Palast erbauen und mit italienischer Hilfe wurden Ministerien und eine Prachtstrasse angelegt.
Im Zweiten Weltkrieg kämpften Partisanen und die deutsche Wehrmacht mehrere Tage um die Stadt. Zahlreiche historische Gebäude wurden dabei zerstört, darunter auch die wichtigste Moschee, die nicht mehr wieder aufgerichtet wurde. Die neue kommunistische Führung setzte den Ausbau der Hauptstadt fort. Neben Industrieanlagen (insbesondere Nahrungsmittel- und Maschinenfabriken) wurden auch zahlreiche Bildungseinrichtungen (Gründung der Universität 1956) und Kultur-Zentren (Oper, Museen, Filmstudio) errichtet.
Am 20. Februar 1991 stürzten Demonstranten die überlebensgroße Statue von Enver Hoxha auf dem Skanderbeg-Platz. Nach der Demokratisierung änderte sich das Stadtbild schnell. Überall wurden illegal Gebäude errichtet. Viele Bewohner der Landregionen ließen sich am Stadtrand nieder. Im Stadtzentrum entstanden Läden, Cafés und Restaurants. Ab 1999 wurden die illegalen Bauten im Stadtzentrum abgerissen und die Grünanlagen wiederhergestellt.
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